Adventliche Erwartung, weihnachtlicher Trubel
Konzert "Licht und Gold" des Kammerchors Hochschwarzwald
Bericht aus der Badischen Zeitung vom 21.12.2011

Der Kammerchor Hochschwarzwald unter der Leitung von Johannes Götz
und die Sopranistin Martje Vande Ginste beim Weihnachtskonzert in St. Peter.
Foto: Hans Jürgen Kugler
ST. PETER. Erwartungsvolle Stille. Einige Kerzen flackern ein paar spärliche Lichtinseln in die fast vollkommene Dunkelheit. Stimmen heben an, zunächst kaum zu hören, dann deutlicher vernehmbar, fluten die Klänge eines Gregorianischen Chorals in den Kirchenraum. Die Sängerinnen und Sänger des Chors, ein jeder eine leuchtende Kerze in der Hand, kommen nach vorn, nehmen Aufstellung vor dem Altar.
Ein durchaus eindrucksvoller Einzug, mit dem der Kammerchor Hochschwarzwald unter der Leitung von Bezirkskantor Johannes Götz das Weihnachtskonzert "Licht und Gold" zum 4. Advent inszeniert hat. Doch nicht allein die Musik, auch das Wort wird ausdrucksstark in Szene gesetzt. Der prominente Schauspieler Michael Schmitter tritt ans Rednerpult und rezitiert in pointierten Sätzen aus den Versen Jesaja die An-Klage der Israeliten an ihren zürnenden Gott: "... du bist unser Vater; wir sind der Ton, du bist der Töpfer; und wir alle sind deiner Hände Werk".
Und wieder wird der Musik das Wort erteilt, im Kontrast zu dieser verzweifelt vorgetragenen Bitte um Vergebung lassen die Sängerinnen und Sänger kraftvoll "Machet die Tore weit" von Andreas Hammerschmidt erklingen, voller Zuversicht und Freude.
Johannes Götz moduliert mit ausholenden Bewegungen jeden einzelnen Ton, führt die Stimmen transparent in absoluter Textverständlichkeit durch den Psalm.
Besonders eindrucksvoll gerät das titelgebende "Lux Aurumque" von Eric Whitacre, bei dem dank der haarfeinen Intervalle und der großartigen Akustik die Klänge im Raum regelrecht zu schweben scheinen. Den ebenso opulenten wie transparenten Chorklang ergänzt der lange Atem der belgischen Sopranistin Martje vande Ginste, die einen einzigen Ton anscheinend endlos ausdehnen kann. In geistlichen Liedern aus der Romantik ("Törnet" von Jean Sibelius oder "Gjendines Badnlat" von Edvard Grieg") füllt Martje vande Ginste mit ihrer lyrischen, biegsamen und kräftigen Stimme mühelos den Raum, eine überaus stimmige Ergänzung zum kristallklaren, homogenen Chorklang der Sänger.
Nicht zu vergessen auch das dezente und einfühlsame Orgelspiel, mit dem Severin Zöhrer die Solostücke der Sopranistin sowie einige Chorstücke begleitete.
Die Dramaturgie der Verknüpfung von Wort und Musik ist wohldurchdacht, die a cappella vorgetragenen Liedsätze und Motetten von Max Reger, Johannes Brahms, Heinrich Schütz und anderen wurden mit hintergründigen Texten unterfüttert und konterkariert.
Neben Nachdenklichem und Vertiefendem von Rilke, Nelly Sachs und Werner Reise auch mal hoch ironisch bei der Ansprache des Intendanten von Stefan Scholz: Die Heiligen Drei Könige sind dem falschen Stern gefolgt und haben sich verlaufen, die Heilige Familie ist nirgends aufzutreiben, was bedeutet: "Weihnachten fällt aus". Michael Schmitter geht durch die Bankreihen, um dem Publikum die Rollen des Weihnachtsspiels wie Sauerbier anzudienen: "Alle Marias bitte mal aufstehen!"
Selbst für die einfachste Rolle, Schaf sein, findet sich keiner. Und den Kindermörder Herodes will gleich gar keiner spielen, dabei wäre dieser Charakter rein schauspieltechnisch gesehen doch der dankbarste, wie der Schauspieler mit eindrücklicher Mimik verdeutlicht. Dem Anspruch, adventliche Erwartung und weihnachtlichen Jubel in einer programmatischen und dramaturgisch ausgefeilten Aufführung eindrucksvoll erlebbar zu machen, ist das Team um Bezirkskantor voll gerecht geworden.
Nach der gerne gewährten Zugabe gab es gar ein Sahnehäubchen obendrauf: Als ob es ein Einfall der Regie gewesen wäre, überraschte der erste frisch gefallene Schnee die heimkehrenden Konzertbesucher.
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