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Barockkirche St. Peter

DruckenSonntag, 1. Januar 2012, Festliches Neujahrskonzert


Mit hörbarer Spielfreude zelebriert
Festliches Konzert mit Johannes Götz und Johannes Sondermann in der Barockkirche St. Peter.
Bericht aus der Badischen Zeitung vom 04.01.2012



Orgel St. Peter ST. PETER. Es ist schon zur kleinen Tradition geworden, das neue Jahr in St. Peter in der Barockkirche mit einem festlichen Konzert für Trompete und Orgel einzuläuten. Auch 2012 hat Bezirkskantor Johannes Götz, Organist der Barockkirche, gemeinsam mit Johannes Sondermann, Solotrompeter des Symphonieorchesters des Südwestrundfunkes, ein Programm mit Trompetenkonzerten barocker Kom­po­nis­ten wie Georg Friedrich Händel, Giuseppe Torelli, Alessandro Stradella und Arcangelo Corelli zusammengestellt.

Neben diesen glanzvollen traditionellen Barockkonzerten haben die Musiker auch wieder einige besondere musikalische Schmankerl erarbeitet, mit denen sie den Konzertbesuchern einen schwungvollen und spritzigen Start ins neue Jahr bescherten.

Nicht jedem dürfte bekannt sein, dass Giacomo Puccini nicht nur der weltweit gefeierte Komponist so berühmter Opern wie "Tosca" ist, sondern darüber hinaus sein musikalisches Handwerk nicht zuletzt dem Orgelspiel verdankt. Gute alte Familientradition, der Vater Michele Puccini war Domorganist der Kathedrale von Lucca, und so erschien es der Familie als selbstverständlich, dass der hoffnungsvolle Nachwuchs diese Stelle dereinst beerben sollte. Aber der kleine Giacomo verfolgte bekanntlich andere Pläne.

Puccinis intensive Bekanntschaft mit der Orgel war für Johannes Götz Anlass genug, Melodien des Opernkomponisten auch einmal auf der Orgel erklingen zu lassen. Etwa die dramatische Szene am Ende des ersten Aktes der Tosca, in welcher der machtgierige Scarpie seine finsteren Pläne schmiedet. Mit Glockengeläut, Schlagwerk und triumphalen Orgelklängen soll in einem Te Deum der (vorläufige) Sieg über die Truppen Napoleons gefeiert werden. Doch in das immer machtvoller sich gerierende Orgelspiel mischen sich bedrohliche und beängstigende Klänge, die einen Vorgeschmack auf das abgründige Drama geben.

In starkem Kontrast dazu steht ein frühes Menuett Puccinis, das Götz-Schüler Severin Zöhrer für Orgel gesetzt hat. Der zarte Beginn erinnert an Kinderreigen, Anklänge an Jahrmarktorgeln sind zu hören. Heiter, humorvoll, folkloristisch, zeigt sich in dieser reizvollen Komposition noch ganz der spitzbübische Charakter des jungen Komponisten. Ganz anders dagegen das folgende Salve Regina, das eher an eine akademische Pflichtübung erinnert.

Die für Orgel gesetzte Arien-Vertonung "O mio babbino caro" aus "Gianni Schicchi" erklingt auch auf der Orgel rührend zart und innig. Bei Puccinis Pikkolowalzer dagegen schien sich die Orgel ein wenig verschluckt zu haben; einige störrische Kontakte am Spieltisch ließen den musikalischen Fluss doch etwas ins Stocken geraten – insofern ist der dezente Hinweis von Pfarrer Stefan Meisert, dass die Orgel dringend einer Renovierung bedürfe, nicht von der Hand zu weisen.

Von solchen Problemen war bei dem "Scossa Elettrica" nichts mehr zu hören. Diesen elektrisierend temperamentvollen Marsch hatte Puccini mit viel Tschingderassabumm und Jahrmarktsorgelsound für das Komitee der Telegraphisten zum 100. Jubiläum der Erfindung der Batterie komponiert und wurde von Johannes Götz (hoch-)spannungsvoll mit hörbarer Spielfreude zelebriert.

Die Singstimme der bekannten "Turandot"- Arie "Nessun dorma!" für Trompete und Orgelbegleitung zu arrangieren, erscheint zunächst als gewagtes Experiment, das aber dank des hohen Bekanntheitsgrades der Arie als durchaus gelungen angesehen werden kann.

In den Variationen über das französische Weihnachtslied "Les anges sur les campagnes" und natürlich den brillanten Trompetenkonzerten der Meister aus dem 17. und 18. Jahrhundert versprühten die experimentierfreudigen Musiker zudem ganz traditionell den erhofften barocken Hochglanz in den ausverkauften Kirchenraum.

Autor: Hans Jürgen Kugler
Foto: Orgel St. Peter, Hans Jürgen Kugler

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