Concert spirituel
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Sonntag, 30. Oktober 2011
17:00 Uhr, Fürstensaal
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Vom Geister- zum Meistertrio
Bericht aus der Badischen Zeitung vom 04.11.2001
Foto: Hans Jürgen Kugler

ST. PETER. Betont "geistvoll" ging es im Geistlichen Zentrum St. Peter im Fürstensaal zu. Das junge Kammermusikensemble Trio Orchidée hatte drei bekannte Klaviertrios der klassisch-romantischen Ära ins Programm genommen. Der Geiger Phillip Roy, David Delacroix (Cello) und die Pianistin Connie Shih hatten sich vor einigen Jahren bei einem internationalen Festival kennengelernt und spielen seither als Trio zusammen. Für die erkrankte Connie Shih haben die Veranstalter in dem renommierten Pianisten Alfonso Gómez einen adäquaten Ersatz finden können.
Bevor sich das Trio Ludwig van Beethovens Klaviertrio D-Dur, besser bekannt unter der Bezeichnung "Geistertrio", widmete, steuerte der Referent für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg, Meinrad Walter, einige gewichtige literarische Anmerkungen von Zeitgenossen Beethovens bei, wie Johann Wolfgang Goethe und Bettina von Arnim.
Die Musiker eröffneten das Allegro vivace e con brio mit energischem, kraftvollen Zugriff, arbeiteten die temperamentvollen Stimmungswechsel mit großer Ernsthaftigkeit heraus. Den Titel "Geistertrio" verdankt die Komposition einer Notiz Beethovens im Largo der Kompositionsskizze, in der auf William Shakespeares gruseliges Königsdrama Macbeth verwiesen wird. Die fast unwirkliche Stimmung des Satzes, die unerbittlich langsamen Tempi und die ungewohnten Harmonien lassen den Spitznamen auch durchaus plausibel erscheinen. Betont heiter dagegen schließt das Presto das Trio ab. Das zugrundeliegende schlichte Thema wird im steten Dialog von Violine und Klavier bis zum Ende fortgeführt.
Vom Geistertrio zum Meistertrio, nämlich dem in d-Moll (op. 49) von Felix Mendelssohn-Bartholdy setzten die Musiker das Programm fort, dem niemand Geringeres als Robert Schumann diese Bezeichnung verpasst hatte. Mendelssohn schwärmte in einem Brief von der "Schmetterlingsnatur" des Trios, das "mit Lust und Liebe von der Kunst kostet und nascht".
Ein warmer Celloton eröffnet im Allegro die Komposition, die zunehmend wilder gerät. Dazwischen anmutige Violinphrasen, luftig und leicht, wie es dem "Mozart des 19. Jahrhunderts" gebührt und endet in überbordend sich steigernder Rasanz. Kurz und gut das Presto: Lebhaft setzt in perlenden Läufen das Klavier ein, zu dem die Violine einen wilden Ritt auf den Saiten vollführt und im Finale kraftvoll und leidenschaftlich die Themen nochmals durch alle erdenklichen Gefühlslagen durchexerziert.
Das Klaviertrio B-Dur, op. 99 von Franz Schubert, in seinem letzten Lebensjahr vollendet, gehört zum Nachlass des großen Komponisten und wird meist als "Schwesterwerk" des bekannteren Trios in Es-Dur, op. 100, gesehen. Das Allegro verbreitet mit seinem ländlichen Charme und der kantablen Melodie geradezu behagliche Stimmung. Doch zunehmend kommt Dramatik ins liebliche Spiel und schließt den Satz mit nachdenklichem Unterton ab. Der folgende langsame Satz gerät traumverloren, verklärt, die Musiker folgen den wechselnden Gefühlsschwankungen in jeder Nuance. Schubert hält den Schmerz mit den für ihn charakteristischen Dur/Moll-Wechseln in der Schwebe.
Das beschwingte Scherzo erinnert an ein heiteres Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem sich die Musiker die Themen gleichsam wechselseitig aus der Hand nehmen. Das abschließende Rondo ist geprägt von unbeschwerten folkloristischen Melodien, die im Verlauf immer nachdrücklicher auftrumpfen und in einem rasant hingelegten Schlussgalopp unvermittelt enden.
Die zahlreichen Zuhörer bedankten sich mit begeistertem und beharrlichem Applaus für die ausgezeichnete Interpretation.