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Barockkirche St. Peter

DruckenInternationale Orgelkonzerte St. Peter 2016


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Eröffnungskonzert
Francesco Bongiorno, Italien

Sonntag, 24. Juli 2016, 17 Uhr


Programm



  August Gottfried Ritter
(1811 - 1885)
Sonate op. 11 n. 1 in d-moll
     
  Max Reger
(1873 - 1916)
Benedictus in Des-dur op.59
     
  Oreste Ravanelo
(1871 - 1938)
Tema e variazioni in h-moll
     
  C. Saint-Saëns
(1835 - 1921)
aus dem "Karneval der Tiere":
- Tortoises
- The Elephant
- Fossils
- The Swan
     
  Alexandre Guilmant
(1837 - 1911)
Sonata in re minore op. 42
- Introduzione e Allegro
- Pastorale
- Finale
     


Francesco Bongiorno studierte Orgel und Orgelkomposition sowie Klavier am Musikkonservatorium „N. Piccinni“ in Bari und Orchester-Leitung am Musikkonservatorium „N. Rota“ in Monopoli. Beide Studien schloss er mit Auszeichnung ab. 1994-95 spezialisierte er sich im Fach „Barockmusik“ bei Klemens Schnorr an der Accademia di Musica Italiana per Organo in Pistoia. Von 1996-98 studierte er bei Michael Radulescu an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Francesco Bongiorno ist Preisträger mehrerer Wettbewerbe, u.a. erhielt er 1991 den ersten Preis in der Kategorie A beim nationalen Wettbewerb in Noale (Venedig), zwei zweite Preise beim nationalen Wettbewerb in Viterbo 1997 und beim internationalen Wettbewerb Pasian di Prato (Udine). In den letzen Jahren rege Konzerttätigkeit im In-und Ausland (Dänemark, Deutschland, Frankreich, Österreich Polen, Schweden, Schweiz, Slowakien) als Solist und in Zusammenarbeit mit dem Orchester der Provinz Bari, „Collegium Musicum“, „Fabio da Bologna“ Orchester u.a. Darüber hinaus ist Bongiorno international angesehener Interpret romantischer Orgelmusik, v.a. der Werke Max Regers. Er ist Leitung des „MUSicArco“ Orchester.

Zum 250. Todestag im Jahr 2000 spielte er das gesamte Orgelwerke von J.S.Bach in einer Reihe von 13 Konzerten. 2002 erschien eine Live-DoppelCD mit dem Dritten Teil der Klavierübung von J.S.Bach über das Label „Bottega Discantica“. Dahingehend hat er mehrere CDs bei Euromeeting, Polifemo eingespielt.

Seit dem Jahr 2000 ist er Initiator und künstlerischer Leiter des Festival Organistico Internazionale di Selva di Fasano (BR) und seit dem Jahr 2012 des FOI di Taranto.

Im Hauptberuf ist er Dozent für Orgel und Orgelkomposition am Musikkonservatorium „E.R. Duni“ von Matera und Dozent bei verschiedenen Meisterkursen an Konservatorien und Akademien.







BZ, 27.07.16, Bericht und Foto: Erich Krieger

Mit der Musik werden Geschichten erzählt

Francesco Bongiorno eröffnet in St. Peter die Orgelkonzertreihe.


Bezirkskantor Johannes Götz kündigte in seiner Begrüßung der Besucher des Eröffnungskonzerts der Internationalen Orgelkonzerte in St. Peter eine Reihe von "sechs Konzerten mit sieben Organisten" an. Diese Veranstaltungen haben sich in jahrzehntelanger Tradition ein hohes Renommee erworben, und so ist es kein Wunder, dass auch in diesem Jahr an jedem Sonntag bis zum 28. August jeweils um 17 Uhr hochkarätige Organisten aus verschiedenen Ländern einen Beweis ihres außerordentlichen Könnens liefern. Aus Anlass des Internationalen Max-Reger-Jahres steht bei jedem dieser Konzerte mindestens eine seiner Kompositionen auf dem Programm.

Als Erster war der Italiener Francesco Bongiorno aus Italien eingeladen, und für Freunde der Orgelmusik war es nicht nur ein guter Morgen, wie der Name des Künstlers nahelegt, sondern ein unvergessliches Ereignis. Der mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnete Dozent für Orgel und Orgelkomposition am Musikkonservatorium in Matera und anderen Akademien zog die Besucher von Anfang an mit seinem hochsensiblen pointiert narrativen Spiel in seinen Bann.

Wie soll man dies anders kennzeichnen, wenn sich über den reinen Musikgenuss hinaus ganze assoziative Bilderbögen wie automatisch einstellen. So beim Konzertauftakt mit August Gottfried Richters "Sonate op.11 in d-Moll". Einfühlsam gespielte, langsame Melodieführungen mit langen Notenwerten und viel Pedalarbeit erfordernde, bassbetonte Passagen erzeugten eine elegisch bis depressive Atmosphäre und legten die Vorstellung von einem bedrückten, vor sich hin brütenden Menschen nahe. Dann, nach plötzlichem Stimmungswechsel durch rasend schnelle, teilweise gegenläufige Tonfiguren macht er sich vielleicht voller Hast auf den Weg und irrt ziellos durch das hektisch-chaotische Treiben einer Großstadt. Mit der Musik beruhigt er sich wieder, um nach einem erneuten, weniger extremen Schub zur Ruhe zu kommen. Hier wurden nicht Noten vom Blatt gespielt, sondern Geschichten erzählt.

Beim folgenden "Benedictus in Des-dur op. 59" von Max Reger, von Johannes Götz als dessen vielgespielter Hit angekündigt, blieb wenig Raum für Harmoniesuchende. Dieses Stück der verhaltenen Töne förderte skeptische Nachdenklichkeit. Ganz anders dann "Tema e variazioni in h-Moll" von Oreste Ravanello. Diese überraschenden Variationen wurden von Bongiorno so witzig gespielt, dass am Ende völlig entgegen der üblichen Konzertgepflogenheiten Szenenapplaus und begeisterte Jauchzer aufbrandeten.

Der hohe deskriptive Charakter des "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens wurde durch die Interpretation des Organisten noch verstärkt. In den vier vorgetragenen Bearbeitungen über die Schildkröten, den Elefanten, Fossilien und den Schwan sah man die Tiere förmlich durch die Kirche marschieren.

Die "Sonate in d-Moll op. 42" von Alexandre Guilmant schoss als Schlussstück ein wahres Feuerwerk französischer Romantik in den Barockhimmel der St. Petermer Kirche. Dem hymnischen Beginn mit vollen Akkorden in Introduktion und Allegro folgte eine gemäßigte Pastorale, um mit dem mitreißenden Furor des Finales zu enden. Es folgte langanhaltender, im Stehen gespendeter Beifall mit mehreren "Vorhängen".

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