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Barockkirche St. Peter

DruckenInternationale Orgelkonzerte St. Peter 2016


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Johannes Götz / Severin Zöhrer
Sonntag, 31. Juli 2016, 17 Uhr


Programm



  Giovanni Bernardo Zucchinetti
(1730 - 1801)
Concerto a due Organi
     
  Georg Friedrich Händel
(1685 - 1759)
Orgelkonzert d-moll op. 7/4
     
  Max Reger
(1873 - 1916)
Toccata und Fuge aus. Op. 80
     
  Bengt Hambreus
(1928 - 2000)
Ex tempore
in einer Bearbeitung für zwei Orgeln
     
  Maurice Duruflé
(1902 - 1986)
Prelude et Fugue
sur le nom d’Alain op. 7
     
  Benny Goldson
(*1929)
I remember clifford
     
  nach Rameau
(1683 – 1764)
Mr. Rameau goes Africa
     



Johannes Götz studierte an der Musikhochschule Freiburg. Prägende Lehrer waren Prof. Ludwig Doerr (Orgel) und Prof. Stanislav Heller (Cembalo). 1988 beschloss er seine Studien mit dem A-Examen für Kirchenmusik und dem Lehrdiplom für Orgel. 1989-1992 studierte er am königlichen Konservatorium Brüssel bei Hubert Schoonbroodt Konzertfach Orgel. 1992 erwarb er das Solistendiplom. Seit 1992 ist Johannes Götz als Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg im Schwarzwald tätig. In einer weitgespannten Tätigkeit als Dirigent führte er wichtige Werke des oratorischen Repertoires auf. Er ist für die Ausbildung von jungen Kirchenmusikern zuständig, Dozent bei kirchenmusikalischen Werkwochen und künstlerischer Leiter der Konzertaktivitäten in St. Peter. Als Gründer und Leiter des Festivals "Mit Bach durch die Regio" ist die Musik Bachs einer seiner Schwerpunkte. Er kommt einer intensiven Konzerttätigkeit nach, Konzerte führten ihn durch ganz Deutschland und in die Schweiz, Niederlande, Belgien, Frankreich, Polen, Italien, Spa-nien, England, Rumänien, Russland und Sibirien. Johannes Götz stellt mit Vorliebe Bezüge in der Musik abseits der ausgetretenen Pfade von Kompendium und Chronologie her, ein Schwerpunkt ist die Improvisation. Rundfunk und Fernsehaufnahmen sowie CD-Produktionen dokumentieren seine künstlerische Arbeit.



Severin ZöhrerSeverin Zöhrer, 1986 geboren, wuchs in Kirchzarten bei Freiburg auf. Mit neun Jahren erhielt er seinen ersten Klavierunterricht, später Orgelunterricht bei Johannes Götz, Bezirkskantor in St. Peter/Schwarzwald. An der Musikhochschule Mainz studierte er Kirchenmusik bei Prof. Gerhard Gnann und an der Stuttgarter Musikhochschule bei Prof. Martha Schuster und Prof. Dr. Ludger Lohmann. Im Februar 2013 schloss er den Masterstudiengang Kirchenmusik A ab und setzte anschließend seine Ausbildung im Aufbaustudium Orgel fort. Er besuchte Meisterkurse u.a. bei Jacques van Oortmerssen und Luigi Ferdinando Tagliavini. 2012 ging er als erster Preisträger aus dem Eberhard-Friedrich-Walcker-Orgelwettbewerb in Schramberg hervor. Er konzertiert regelmäßig als Organist und Kammermusiker, zuletzt auf dem Bachfestival in Toul, Frankreich, und in der Stiftskirche Stuttgart.
Seit 2013 ist er als Bezirkskantor in Eberbach am Neckar tätig. Neben seinem Wirken als Organist und Chorleiter ist er zuständig für die kirchenmusikalischen Ausbildung in der Region.







BZ, 08.08.16, Bericht und Foto: Erich Krieger

Orgelspiel im fliegenden Wechsel

Ungewöhnliches Programm begeistert Publikum bei den Internationalen Orgelkonzerten in der Barockkirche in St. Peter.


Die alljährlich in einer gedrängten Reihe veranstalteten Internationalen Orgelkonzerte in der Barockkirche St. Peter haben sich längst einen vorderen Rang in dieser Musiksparte erspielt. Nicht zuletzt wegen ihrer Aufgeschlossenheit für innovative Experimente. So auch bei dem etwas kryptisch angekündigten Konzert für zwei bis drei Orgeln mit den Organisten Johannes Götz und Severin Zöhrer und einem Special Guest.

Ungewöhnlich schon der Beginn: Ohne Einführung setzte sich Severin Zöhrer an den Spieltisch der Chororgel, jedoch der unvermittelte Einsatz für das "Concerto a due Organi" von Giovanni Bernardo Zucchinetti kam von der großen Orgel auf der Empore vom unsichtbaren Johannes Götz. Daraus entwickelte sich ein heiter-beschwingter Dialog der beiden Orgeln mit allerlei musikalischen Neckereien.

Danach trat Zöhrer ans Mikrofon und kündigte das "Orgelkonzert d-moll op. 7/4" von Georg Friedrich Händel als eine vom Komponisten gedachte "Zwischenaktmusik" an, die man mehr nebenbei etwa bei einem Kaffee oder Bier goutieren sollte. Dann begab sich er sich an die kleine, mobile Truhenorgel ohne Pedale, die neben dem Chororgeltisch platziert war. Dort war inzwischen Johannes Götz von der Empore herab angekommen und dieser fliegende Wechsel setzte sich in verschiedener Form das gesamte Konzert über fort. Das ursprünglich nicht für zwei Orgeln komponierte Stück gewann durch deren wechselseitiges Spiel eine frech- spritzige Lebendigkeit, was vor allem an der klanglichen Direktheit des Truhenpositivs lag. Keine Rede von "nebenbei hören"! Das Spiel beider Organisten fesselte die volle Aufmerksamkeit des Auditoriums in der vollbesetzten Kirche.

Götz übernahm danach im Solopart das im Max-Reger-Jahr obligatorische Stück des eigenwilligen Komponisten. Die "Toccata und Fuge aus op. 80", orientiert an Bach-Motiven und von Götz als Symbiose aus Barock und Romantik bezeichnet, klang, wie meistens bei Reger, ziemlich verzwirbelt. Auch fürs Auge beeindruckend war die durchaus sportlich zu nennende Beinarbeit von Götz auf den Pedalen. Es folgte dann mit der Collage "Ex tempore" des Schweden Bengt Hambreus ein Klangerlebnis, das die ehrwürdige Barockkirche wohl noch nie erlebt hat, die auch noch einem regionalen Bezug hatte. Das Stück war auf einer Tagung internationaler Organisten entstanden, die im Thurner-Wirtshaus stattgefunden hatte und nun von Götz und Zöhrer für zwei Orgeln eingerichtet worden ist.

Wie im Titel angedeutet, verwendete die Toncollage alle denkbaren Phrasierungen oder Anspieltechniken der Orgelmusikgeschichte. Pfeifen des Windes bis zum Sturmgebraus, kosmische Sphärenflächen, Horrorgefühle weckende, bedrohliche Passagen bis hin zu harmonischer Versöhnung boten ein spannungsgeladenes Wechselbad. Große Klasse!

Die anschließenden "Prelude et Fugue sur le nom d’Alain op. 7” von Maurice Duruflé spielte Zöhrer solo auf der Chororgel, dessen immer wiederkehrendes Thema sich auch für ein gutes E-Gitarren-Riff eignen würde. Für die letzten beiden Stücke stieß der Freiburger Percussionist Konrad Wiemann als der "Special Guest" zu dem Organistenduo. Zu dritt improvisierten die drei Vollblutmusiker über den Jazzklassiker "I remember Clifford" des Saxofonisten Benny Golson. Mit dem Beweis, dass sich auch Kirchenorgeln durchaus für Jazzimprovisationen eignen und durch ihr kongeniales Zusammenspiel öffneten die Organisten die Ohren des Publikums für Neues und ebneten den Weg für das Finale und den Knaller des Konzerts. Jean-Philippe Rameau komponierte 1735 im Rahmen einer Ballettoper eine "Arie der schwarzen Sklaven". Unter dem Titel "Rameau goes Africa" unterlegten die beiden Organisten dieses Stück Barockmusik mit einem afrikanischen Rhythmus, den Wiemann auf dem Bongo und anderen Percussionsinstrumenten mitreißend trug. Götz und Zöhrer wechselten ständig während des Spiels die Orgeln oder bearbeiteten vierhändig die Manuale. Ergebnis war ein völlig neues und begeisterndes Orgelerlebnis, das sich einen Platz in der "Hall of Fame" der Internationalen Orgelkonzerte sicherte. Dafür gab es verdienten, minutenlangen Beifall.


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