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Barockkirche St. Peter

DruckenInternationale Orgelkonzerte St. Peter 2016


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Stephen Tharp, New York
Sonntag, 7. August 2016, 17 Uhr


Programm



  Marcel Dupré
(1886 - 1971)
Poème Héroïque, Op. 33
(Fassung für Orgel, M. Dupré, 1935)
     
  Felix Mendelssohn
(1809 - 1847)
Organ Sonata No. 2 in C Minor, Op. 65, No. 2
I. Grave-Adagio
II. Allegro maestoso e vivace
III. Fuga: Allegro moderato
     
  George Baker
(*1951)
Prelude on “The Lone, Wild Bird” (2015)
     
  Edward Elgar
(1857 - 1934)
Pomp and Circumstance March no. 1 (1901)
     
  Max Reger
(1873 - 1916)
Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Op. 67, No. 3
     
  Paul Dukas
(1865 - 1935)
L’Apprenti sorcier (1897)
(Orgelbearbeitung von Stephen Tharp)
     


Stephen TharpStephen Tharp ist anerkannt als einer der großen Konzertorganisten unserer Zeit. Nach seinen 33 weltweiten Konzerttourneen als Solist und mehr als 800 Konzerten in den USA hat er seine internationale Karriere fest etabliert. Er ist der Konzertorganist seiner Generation, der am meisten und weitesten auf Tourneen unterwegs ist. Stephen Tharp ist in der aktuellen Ausgabe von Who's Who in Amerika für seine Leistungen in der Musik aufgelistet. Er konzertierte an den meisten herausragenden Konzertorgeln der Welt wie St. Bavo Haarlem, Royal Albert Hall London, Tschaikowsky-Saal Moskau, Tonhalle Zürich, Kathedralen in Köln, München, Passau, Christal Cathedral Los Angeles, Riverside Church, New York. Er hielt Meisterkurse an der Yale-Universiy, am Westminster Choir College, an der Musikhochschule Stuttgart und vielen weiteren. Er ist außerdem Jurymitglied bei Wettbewerben u. a. an der Juilliard School, N. Y. Tharp ist ein wichtiger Vertreter neuer Orgelmusik, vergibt immer neue Kompositionsaufträge und spielt zahlreiche Uraufführungen für das Instrument, z. B. Werke von Jean Guillous und David Briggs. Im April 2008 war er der Offizielle Organist für den Besuch Papst Benedikts XVI. in New York. Stephen ist auch als Kammermusiker aktiv und trat mit Künstlern wie Thomas Hampson, Itzhak Perlman, Jennifer Larmore auf. Seine 12 Soloalben sind bei den Labels JAV-Recordings, Aeolus, Organum und Ethereal zu finden. Im September 2013 wurde Stephen Tharp zum Associate Director of Music an der Church of Our Saviour in New York City ernannt.





Pressebericht: BZ, 12.08.2016, Foto und Bericht: Erich Krieger

Weltstar erleuchtet Barockkirche

Stephen Tharp reizt bei seinem Konzert in St. Peter virtuos die klanglichen Möglichkeiten der beiden Orgeln aus.



Bereits mehr als 1300 Konzerte in aller Welt hat Stephen Tharp gegeben, auf fast allen herausragenden Orgeln gespielt und mit seiner Kunst den USA- Besuch von Papst Benedikt ornamentiert. Er ist gefragter Interpret für Uraufführungen, komponiert oder bearbeitet mit Vorliebe selbst und gibt sein Können in zahlreichen Meisterkursen weiter. Kurz: Er gilt als einer der größten Organisten unserer Zeit. Sein Auftritt bei den Internationalen Orgelkonzerten 2016 in St. Peter passt also durchaus zum Renommee der erneuerten Orgelanlage der Barockkirche.

Deren üppiges Angebot an Klangvariationen hat Tharp einfühlsam und mit filigranster Technik bis zur Neige ausgeschöpft und mit seinem virtuosen Spiel dem Publikum nicht nur wohlklingende Tonbilder präsentiert, sondern in dessen individueller Phantasiewelt ganze Bildkaleidoskope entstehen lassen.

Beim Opener, dem "Poème Héroique" von Marcel Dupré, das aus Anlass des Wiederaufbaus der Kathedrale von Verdun den mehr als 700 000 Toten auf den die Stadt umgebenden Schlachtfeldern im Ersten Weltkrieg gewidmet ist, sieht man förmlich nach pompöser Fanfareneröffnung, wie völlig desillusionierte Soldaten inmitten von vor sich hinrauchenden Trümmern verzweifelt nach einem Sinn suchen. Letzte Reste von Kriegsbegeisterung werden stakkatös zerhackt.

In der folgenden Orgelsonate No. 2 in c-Moll, op. 65 von Felix Mendelssohn Bartholdy führt Stephen Tharp in einem getragenen Adagio facettenreich in die Romantik, lässt das Allegro marschieren, um in der abschließenden Fuge eingängig umschmeichelnd in einer an das Lied "Der Mond ist aufgegangen" erinnernden Melodieführung wieder zu beruhigen.

Mit dem 2015 komponierten Vorspiel "The lone, wild Bird" von George Baker flattert dann tatsächlich ein einsamer Vogel durch die heiligen Hallen, anfangs ruhig, scheinbar planlos, bis Unheil droht. Offensichtlich entkommt er der Gefahr und entschwindet um einen Zugewinn an Erfahrung und Erkenntnis reicher in der Ferne. Um solche Assoziationen mit nur musikalischen Mitteln zu wecken, bedarf es weit mehr als ausgefeilter Spieltechnik, Organist und Instrument müssen förmlich verschmelzen.

Auch in dem "Pomp and Circumstance March no. 1" von Edgar Elgar nutzt Tharp sein ausgeprägtes und subtiles Interpretationsvermögen. In seiner Spielweise lässt er der bekannten Melodie, die mit dem schwülstigen Text "Land of Hope and Glory" vielfach mit übersteigertem patriotischem Pathos zersungen zur englischen Nationalhymne Nummer 2 avanciert ist, ihren musikalischen Wert. Der in seinem 100. Todesjahr an Max Reger gezollte Tribut bestand in dessen Vorspiel zu Luthers Choral "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir". Die bassbetonte Melodie Regers drückt die Verzweiflung des sich selbst als hilflosen Sünder erkennenden Menschen, dem nur die vage Hoffnung auf die Gnade Gottes bleibt, aus und wurde durch Tharps distanziertes Spiel unterstrichen.

All sein Können legte der Ausnahmeorganist dann in Paul Dukas "L’ Apprenti sorcier", eine Komposition, die das berühmte Goethe-Gedicht vom "Zauberlehrling" vertonte und die von Tharp selbst in eine Orgelfassung mit vermutlich einigem improvisatorischem Freiraum gebracht worden war. Hier zog er noch einmal alle Register der Orgelanlage und traktierte neben den Manualen und Pedalen wohl alle der zahlreichen Taster und Wippschalter für immer neue Klangvarianten. Wenn für Sekundenbruchteile eine Hand frei wurde, nutzte er diesen Moment auch noch für eine dirigierende Geste zur optimalen Wegbereitung der Tonfolge. Der im Gedicht durch die hybride Selbstüberschätzung des Zauberlehrlings entfesselte Besen setzte unter Tharps Händen musikalisch den Chorraum unter Wasser und die schiere Verzweiflung des kopflosen Azubis erschien plastisch zwischen dem immer schneller werdenden Heranschleppen der Wassergüsse durch den nicht zu bändigenden hölzernen Gesellen. Souverän sorgte schließlich der Meister für ein Ende des Spuks, nicht ohne den unbotmäßigen Eleven entsprechend zu Recht zu weisen.

Ein Orgelereignis ersten Ranges, das die Besucher zu minutenlangen Ovationen von den Kirchenbänken riss.


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