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Barockkirche St. Peter

DruckenInternationale Orgelkonzerte St. Peter 2016


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Andrew Dewar, Paris
Sonntag, 28. August 2016, 17 Uhr



Programm



  Dietrich Buxtehude
(1637 - 1707)
Präludium g-Moll BuxWV 149
     
  Johann Sebastian Bach
(1685 - 1750)
Toccata und Fuge D-Dur BWV 912
(Bearbeitung für Orgel von Max Reger)
     
  Max Reger
(1873 - 1916)
aus Op. 65 Kanzone Es-Dur:
Präludium d-Moll
Fuge D-Dur
     
  Jean Langlais
(1907 - 1991)
Chant Héroïque
(extrait des Neuf Pièces)

Suite Française (extraits)
- Récit de Nazard
- Arabesque sur les flûtes
- Prélude sur les grands jeux
     
  Ad Wammes
(*1953)
Mytò
     


Andrew Dewar wurde 1981 in Yeovil (England) geboren. Im Alter von sieben Jahren erhielt er ersten geregelten Orgelunterricht und wurde bereits als Neunjähriger zum Organisten der St Mary’s Church seines Heimatortes berufen.

1996 erhielt er ein Förderstipendium für musikalisch Hochbegabte an der Wells Cathedral School (England). Orgel studierte er während dieser Zeit bei Rupert Gough, David Sanger und David Briggs (Improvisation) sowie Cembalo bei David Ponsford. In den Jahren 1999/2000 war er überdies als Organ Scholar an der St Andrew’s Cathedral zu Wells (England) tätig. Anschließend setzte er seine künstlerische Orgelausbildung an der Staatl. Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart in der Orgelklasse von Ludger Lohmann fort.

Andrew Dewar gewann „Erste Preise“ beim Internationalen Orgelwett-bewerb von St Albans, U. K. (nebst „Publikumspreis“), beim Orgelwettbewerb 'Pipeworks' Dublin, beim Plymouth Orgelwettbewerb, beim Internationalen Orgelwettbewerb der Stadt Landau a. d. Isar (nebst „Sonderpreispreis“), beim Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Wettbewerb Berlin, beim Internationalen Orgelfestival Bad Homburg FUGATO, beim Internationalen Bach-Wettbewerb („Bach-Preis“) der Landeshauptstadt Wiesbaden (nebst „Publikumspreis“) sowie jeweils „Zweite Preise“ bei der Canadian International Organ Competition in Montréal (nebst „Sonderpreis“), beim Internationale BACH | LISZT Orgelwettbewerb Erfurt - Weimar – Merseburg (nebst „Sonderpreis“), und beim Eberhard-Friedrich-Walcker-Wettbewerb in Schramberg/Schwarzwald.

Andrew Dewar ist seit 2010 Titularorganist der großen Cavaillé-Coll-Orgel der American Cathedral (Episkopalkirche) zu Paris. Rege Konzerttätigkeit in den bedeutendsten Kirchen und Konzertsälen seines Heimatlandes Großbritannien sowie in Kontinentaleuropa und in Übersee. Diverse CD-, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen.





BZ, 03.09.16, Bericht und Foto: Erich Krieger

Außergewöhnliche Virtuosität in rasanten Läufen

Andrew Dewar aus Paris setzt den Schlusspunkt der Internationalen Orgelkonzerte in der Barockkirche in St. Peter


Der im Alter von 35 Jahren bereits mit einer ganzen Litanei von Preisen in aller Welt bedachte Titularorganist der American Cathedral (Episkopalkirche) in Paris, Andrew Dewar, beendete standesgemäß mit einem bunten Programm die diesjährigen Internationalen Orgelkonzerte in der Barockkirche St. Peter.

Als Eröffnungsstück wählte er das "Präludium" g-Moll BuxWV 149 von Dieterich Buxtehude. Dieser für Bach stilprägende Komponist legte darin das Thema zunächst in die Pedale, ornamentiert durch barocke Läufe auf den Manualen, was sich im Verlauf des Stücks zu einem gleichberechtigten Miteinander entwickelte.

Johann Sebastian Bach selbst kommt dann mit der "Toccata und Fuge" D-Dur BWV 912 zum Zuge, allerdings in einer der Bach-Bearbeitungen von Max Reger, der das ursprünglich für Cembalo geschriebene Werk für die Orgel orchestriert und auf seine Art interpretiert hat. Reger sorgt darin durch zahlreiche Brechungen dafür, dass die barocke Eingängigkeit Bach’scher Prägung gar nicht erst aufkommt und verhindert, dass der Zuhörer in harmonischer Melodieführung wegschmilzt. Dewar tat bravourös sein Übriges dazu. Max Reger im Original war dann mit drei Stücken, Opus 65, vertreten. Das "Kanzone" in Es-Dur begann melancholisch bis düster und setzte sich mit grimmigem Donnergrollen im Bass in krassen Gegensatz zum hochsommerlichen Wetter.

Einen Ausgleich schaffte das aktiv zupackende "Präludium" in d-Moll. Engagiert und Platz einnehmend wurden musikalische Thesen formuliert, heftig diskutiert und schließlich zur glasklaren Conclusio geführt.

Die anschließende "Fuge" in D-Dur klang für eine Reger-Komposition überraschend versöhnlich. Dewar führte dann mit Kompositionen von Jean Langlais in die Neuzeit. In dessen, seinem Studienfreund Jehan Alain gewidmeten "Chant Heroique" findet ein Kampf statt. Die Gegner zeigen sich zunächst gleichwertig, das Hin und Her verflacht zeitweilig, um sich umso härter fortzusetzen und im schließlichen Triumph des Helden zu enden. Langlais versteckt darin ein verfremdetes Zitat der Marseillaise.

Es folgten Auszüge aus Langlais "Suite Francaise", worin Dewar vor allem bei der "Arabesque sur les flutes" seine außergewöhnliche Virtuosität in rasanten Läufen zeigte, die klar prononciert und ohne jegliches Verschwimmen dahinflossen.

Das Schlussstück war einer Komposition des zeitgenössischen niederländischen Komponisten Ad Wammes aus dem Geburtsjahr 1981 von Andrew Dewars vorbehalten. Darin vereinte der Organist wummernde Bässe mit minimalistischen Klangfiguren à la Philip Glass und setzte mit einem Toninferno ein grandioses Finale. Auch er erntete wie seine Vorgänger minutenlangen begeisterten Beifall.

Mit dieser meisterhaften Performance setzte Andrew Dewar einen würdigen Schlusspunkt unter eine sechsteilige Konzertreihe, die einmal wieder Vertreter der Crème de la Crème der internationalen Organisten nach St. Peter führte. Die Internationalen Orgelkonzerte, veranstaltet vom Bezirkskantorat unter Leitung von Johannes Götz, haben sich längst vom Geheimtipp zum Publikumsrenner entwickelt. Schon jetzt kann man sich auf die Fortsetzung im nächsten Jahr freuen.

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