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Barockkirche St. Peter

DruckenFestkonzert zum 20-jährigen Jubiläum des Kammerchores

Sonntag, 25. November 2012, 17 Uhr
Plakat   |   Interview mit Johannes Götz   |   Bericht in der BZ vom 28.11.2012


Kammerchor HochschwarzwaldAm Sonntag, den 25. November um 17 Uhr fand das Jubiläumskonzert zum 20-jährigen Bestehen des Kammerchores Hochschwarzwald statt. Johannes Götz kam als Bezirkskantor vor 20 Jahren in den Hochschwarzwald, zunächst mit Dienstsitz Neustadt. Dort formierte er nur wenige Monate später einen Chor, mit dem er gleich als Erstes mit viel Erfolg das Bachsche Weihnachtsoratorium aufführte.

Aus diesen Anfängen stabilisierte sich eine Gruppe von Sängerinnen und Sängern, die hauptsächlich aus dem Hochschwarzwald, aber auch aus dem Freiburger Raum kommen und vierzehntägig Proben auf hohem Niveau absolvieren. Der Stil ist locker, aber erfolgsbetont, die ganze Bandbreite chorischer Musik von Palestrina bis hin zu Palmeris Tangomesse wird abgedeckt. Johannes Götz beschreitet mit seinem Chor immer wieder gerne innovative Wege abseits ausgetretener Kirchenmusik-Pfade, so z. B. kombinierte er Bruckner-Motetten mit Improvisationen von Percussion und Saxophon und ließ die Tangomesse mit den Mitteln des modernen Ausdruckstanzes zum getanzten Gebet werden (überaus erfolgreich auch auf dem Katholikentag in Mannheim aufgeführt).

Vieles wurde möglich, auch durch die Kooperation mit anderen Chören. Die Matthäus-Passion von Bach, zusammen mit dem Kammerchor der Bezirkskantorei Münstertal 2011 aufgeführt, war sicherlich ein Höhepunkt. Über die Jahre wurden auch viele andere Stile präsentiert: das Brahms-Requiem, Rossinis Petit Messe Solennelle, Bachs Johannes-Passion, Haydns Schöpfung u.v.m. Die beeindruckende Chronik des Kammerchores Hochschwarzwald kann man hier finden.

Zum 20jährigen Jubiläum kamen in der herrlichen Barockkirche von St. Peter Klassiker im Repertoire von Kammerchören, nämlich wunderbare Kantaten von Johann Sebastian Bach (BWV 61, 140 u. a.) zur Aufführung. Der festlich gut gelaunte Kammerchor Hochschwarzwald, die hervorragenden Volkalsolisten Lisa Stöhr (Sopran), Eduard Wagner (Tenor) und Torsten Meyer (Bariton) boten, begleitet vom Barockorchester Capella Silva Nigra, ihrem Pubilkum unter der bewährten Leitung von Bezirkskantor Johannes Götz ein unvergessliches Festkonzert.


Chor, Dirigent, Orchester. Foto: L. Rombach Solisten. Foto: L. Rombach Von der Kanzel. Foto: L. Rombach




BZ, 24.11.12

nach oben"Ich will die Chormusik aus der Isolation holen"

Für Bezirkskantor Johannes Götz muss die Kirchenmusik in der heutigen Zeit ein breites Spektrum aller Stilarten aufweisen.
Bericht und Foto: Hans Jürgen Kugler

Johannes GötzAls Johannes Götz nach dem Studium an der Musikhochschule Freiburg und am Königlichen Konservatorium Brüssel im Mai 1992 die Stelle als Bezirkskantor in Neustadt antrat, tat er dies vor allem der neuen Orgel im Münster St. Jakobus wegen, die ihm in Aussicht gestellt wurde. Allerdings ließ die Fertigstellung der Orgel noch drei Jahre auf sich warten. Das hielt den ausgebildeten Kirchenmusiker nicht davon ab, auf einer elektronischen Orgel die Gottesdienste zu begleiten.
Neben den Pflichten eines Organisten fand Johannes Götz so noch genügend Zeit, mit Studienkollegen und begabten Laiensängern einen Chor zu formieren, der Kammerchor Hochschwarzwald war geboren. Ende 1992 gab der Bezirkskantor mit dem Kammerchor nach nur drei Monaten Probenarbeit mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach einen eindrucksvollen Einstand. Der große Erfolg motivierte den frisch gegründeten Chor dazu, gleich die nächsten Projekte in Angriff zu nehmen. Dabei legte der Kantor stets Wert darauf, neben den bekannten kirchenmusikalischen Werken auch eher unbekannte Kompositionen ins Repertoire aufzunehmen. Nach 20 Jahren Chorarbeit kann der Kammerchor Hochschwarzwald auf eine stolze Bilanz von 64 Konzerten verweisen.
"Die Kirchenmusik muss in der heutigen Zeit ein breites Spektrum aller Stilarten aufweisen. Das reicht von Palestrina bis zur Tangomesse von Palmeri", nennt Johannes Götz Beispiele. Diese Einschätzung lässt dem Kantor viel Raum, innovative Wege abseits ausgetretener Pfade zu beschreiten. So kombinierte er Bruckner-Motetten mit Jazzimprovisationen an Saxophon und Percussion oder brachte Spirituals mit Kirchenmusik zeitgenössischer Komponisten zusammen. Daneben liegen Johannes Götz und dem Kammerchor natürlich auch die großen kirchenmusikalischen Werke am Herzen. Ein Höhepunkt war sicherlich die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, die er im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Kammerchor der Bezirkskantorei Münstertal zur Aufführung brachte.
Bei den projektierten Aufführungen legt der Kantor vor allem Wert darauf, die "Chormusik aus der Isolation herauszuholen", so Götz. Deshalb stellt er die Musik in einen neuen Kontext, exemplarisch bei dem Adventskonzert "Licht und Gold", als er klassische Weihnachtslieder mit Texten von Hüsch, Rilke und Nelly Sachs kombinierte, gesprochen von dem Schauspieler Michael Schmitter. Oder er verschmilzt die Musik mit den Mitteln des modernen Ausdruckstanzes wie bei der Tangomesse "Misa Buenos Aires" von Martin Palmeri mit dem Tangoensemble "Tango nuevo".
"Wir wollen mit dem, was wir machen, eine Erlebniswelt vermitteln", begründet der Chorleiter seinen Anspruch, über die Grenzen der klassischen kirchenmusikalischen Aufführungspraxis hinauszugehen. "Das heutige Publikum stellt einen sehr hohen Anspruch an ein Kirchenkonzert, da es auf eine Fülle erstklassiger Einspielungen zurückgreifen kann", weiß der Kantor. Dafür ist neben intensiver Probenarbeit auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Werk unabdingbar, weil sich die vermittelten Hintergrundinformationen unmittelbar auf die Interpretation auswirken.
Das Wichtigste an der Arbeit mit einem Chor aber sind die Menschen. "Man muss die richtigen Leute finden. Und diese stets aufs Neue motivieren", lautet das Rezept des Kantors für die mittlerweile zwanzigjährige Erfolgsgeschichte des Hochschwarzwälder Kammerchors. Info: Zum 20-jährigen Jubiläum kommen in der Barockkirche von St. Peter morgen, Sonntag, 25. November, 17 Uhr, Kantaten von Johann Sebastian Bach (BWV 61, 140) und Dietrich Buxtehude ebenso zur Aufführung wie Händels Orgelkonzert op. 4 Nr. 1 in der Interpretation des preisgekrönten Organisten Mark Edwards. Der Kammerchor Hochschwarzwald wird ergänzt durch die Vokalsolisten Lisa Stöhr (Sopran), Eduard Wagner (Tenor) und Torsten Meyer (Bariton). Begleitet werden Chor und Solisten vom Barockorchester Capella Silva Nigra.



BZ, 28.11.12

nach obenWeltende in Bachs berühmter Kantate

Gelungenes Jubiläumskonzert des Kammerchors Hochschwarzwald in der Barockkirche St. Peter.
Bericht und Foto: Hans Jürgen Kugler

Lisa StöhrMit Bach (Weihnachtsoratorium) hatte der Kammerchor Hochschwarzwald seinerzeit angefangen, mit der Musik von Johann Sebastian Bach beging der von Bezirkskantor Johannes Götz 1992 gegründete Chor nun auch sein zwanzigjähriges Bestehen beim Jubiläumskonzert in der Barockkirche St. Peter.
Mit den Bach-Kantaten "Nun komm der Heiden Heiland" (BW 61) und "Wachet auf, ruft uns die Stimme" (BW 140) spannen die Musiker einen Bogen von der christlichen Heilserwartung bis zum Anbruch eines als Überwindung der diesseitigen Welt aufgefassten Gottesreiches.
In kraftvollem Zugriff eröffnete das Barockorchester "Capella Silva Nigra" die Kantate "Nun komm der Heiden Heiland", dem der Chor zunächst noch etwas schüchtern, dann zunehmend nachdrücklicher die Bitte um Erscheinen des Erlösers folgen lässt. Klar artikulierend preist der Tenor mit tragender Stimme (Eduard Wagner) die Wohltaten des Erlösers und erhofft in der folgenden Arie den Segen für Kanzel und Altar. Jesus (Torsten Meyer, Bass) begehrt zu den Pizzicati des Orchesters klopfend Einlass und Abendmahl. Mit betörender Stimme (Lisa Stöhr) lädt die Sopranistin den Erlöser ein: "… seine Lust an mir zu sehen, dass ich seine Wohnung werde". Worauf der Chor jubilierend das Amen intoniert und sein "Verlangen" nach Erlösung kundtut.
Ebenso bemerkenswert ist, dass die erhoffte Ankunft eines erlösenden Gottesreiches in der Sprache irdischer Liebe als eine Hochzeit inszeniert wird, bei der Jesus die menschliche Seele zur Braut nimmt. So jedenfalls stellt sich das Weltenende in Bachs vielleicht bekanntester Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme" dar. Die Wächter Jerusalems verkünden jubelnd die Ankunft des Erlösers, der wie ein verliebter Jüngling, "einem Rehe und jungen Hirsche gleich", sich den als hoffnungsfrohen Jungfrauen geschilderten Seelen nähert. Zu einem geradezu inbrünstig gehauchten Liebesduett geraten die folgenden Arien von Sopran und Bass, wenn zur schmelzenden Begleitung der Solovioline sich die Stimmen von Seele und Jesu hingebungsvoll einander umschlingen.
Den bekanntesten Choral dieser Kantate, "Zion hört die Wächter singen", interpretierte Eduard Wagner unter der anschmiegsamen Begleitung des Orchesters mit strahlender Tenorstimme und klarer Artikulation. Der volltönende Schlusschoral beschließt mit "Ewig in dulci jubilo" das neue Gottesreich.
In diesen beiden Bach-Kantaten eingebettet, brachte Lisa Stöhr die Solokantate "Sicut Moses" von Dietrich Buxtehude zum Erklingen. Buxtehude, der mit seinen Kompositionen Bachs musikalischen Stil entscheidend beeinflusste, hatte die Kantate mit zwei Violinen, Cello und Basso continuo in der Art einer barocken Triosonate besetzt, was der Sopranistin breiten Raum ließ, in gewandten Koloraturen die Erhebung des Menschensohnes zu besingen. Ein mit der Violine innig verschlungenes Amen beendete die eindrucksvolle Komposition.
Eine ebenso ungewöhnliche wie reizvolle Interpretation des Orgelkonzerts g-Moll op. 4/1 von Georg Friedrich Händels bot der preisgekrönte Organist Mark Edwards. Denn überraschenderweise nahm Edwards nicht an der großen Kirchenorgel Platz, sondern an einer kleinen Continuo-Orgel inmitten des Orchesters. Diese sozusagen kammermusikalische Aufführungspraxis tat indes der majestätischen Opulenz der Komposition keinen Abbruch. Vielmehr gewann die Wiedergabe an Transparenz und klarer Durchhörbarkeit der Stimmen. Auch ließ sich der Dialog zwischen Orgel und Orchester durch die unmittelbare Nähe zum Ensemble besser nachvollziehen. Und es soll nicht vergessen werden, dass Händel selbst die Orgelkonzerte ursprünglich als Zwischenmusik für seine Oratorien konzipiert, und sich somit bei der Uraufführung ebenfalls einer kleinen Theaterorgel bedient hatte.
Das warm und einfühlsam Barockorchester "Capella Silva Nigra" konzertierte auf historischen Instrumenten und überzeugte durch samtigen Streicherklang, virtuose Holzbläser und Klarheit der Stimmführung. Die Sängerinnen und Sänger des Chores gestalteten unter der Leitung ihres langjährigen Kantors einen transparenten und ausgewogenen Chorklang.
Der anhaltende Beifall in der voll besetzten Barockkirche war der verdiente Lohn für ein gelungenes Jubiläumskonzert.


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