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Barockkirche St. Peter

DruckenSonntag, 21. April 2013, Lateinamerikanische Barockmusik



Lateinamerikanische BarockmusikKammerchor Hochschwarzwald
Lisa López, Sopran
Myrta Bauer, Violine
Maria Ferré, Gitarre
Ricardo Simian, Zink

Percussions- und Continuoensemble
Johannes Götz, Leitung

Einen Mitschnitt des ersten Stückes mit dem Titel "Hanaq pachap cussicuinin" (Himmelsfreude) können Sie hier nachhören >>>

Der musikalische Klang Lateinamerikas wird von Vielen mit Salsa, Rumba und Tango assoziiert. Völlig fremd ist uns dagegen die faszinierende Vielfalt der Barockmusik von Mexiko bis Argentinien. Am Ende des 16. Jahrhunderts legte die katholische Kirche ein gewaltiges Bau- und Bildungsprogramm auf um den Kontinent zu missionieren. Dabei war die Glaubensvermittlung mit Hilfe von Musik sehr erfolgreich. Europäische Musizierweise und die folkloristischen Gebräuche der Ureinwohner mischten sich bald zu einer lebendigen Symbiose. Kreolische und indianische Rhythmen belebten und ergänzten die aus Europa importierten Musikformen und vermitteln auch heute noch eine mitreißende Lebensfreude.
Im Konzert am Sonntag, den 21. April 2013 um 17 Uhr in der Barockkirche St. Peter werden Werke aufgeführt, die die enorme Bandbreite der lateinamerikanischen Barockmusik aufzeigen. Am bekanntesten in Europa ist der aus Italien stammende Jesuit Domenico Zipoli SJ. Er wirkte in Paraguay und schuf Kirchenmusik, die auch lange nach seinem Tod von den Chiquito-Indianern gespielt wurde.
Der Kammerchor Hochschwarzwald wird von ihm eine Messe, einen Marienhymnus und sein Te Deum zu Gehör bringen. Zudem erklingen Werke von Gaspar Fernández, Juan Gutierrez de Padilla und Juan Garcia de Zéspedes. Der Kammerchor wird unterstützt von der Sängerin Lisa Lopéz, dem Zinkenisten Ricardo Simian und der Gitarristin Maria Ferré. Ein Percussions- und Continuoensemble sorgt für Beschwingtheit und abwechslungsreiche Begleitfarben.



Fotos: L. Rombach



Badische Zeitung, 24.04.2013, Franziska Löffler

Perfekte Symbiose verschiedener Stilrichtungen

Lateinamerikanische Barockmusik bildet den Auftakt der Konzertreihe mit geistlicher Musik in der Kirche in St. Peter.

Ein Konzert mit lateinamerikanischer Barockmusik bildete am Sonntag den Auftakt der neuen Konzertreihe geistlicher Musik in der Barockkirche und weiteren Räumen des ehemaligen Klosters in St. Peter. Bezirkskantor Johannes Götz hatte zu dem von ihm geleiteten Kammerchor Hochschwarzwald Musiker eingeladen, die aufgrund ihrer Herkunft beziehungsweise der von ihnen gespielten Instrumente besonders für diese Aufgabe prädestiniert sind.

Die gebürtige Kolumbianerin Lina López füllte mit ihrem klaren Sopran mühelos das Kirchenschiff und verstand es, die teilweise in spanischer Sprache geschriebenen Texte besonders authentisch zu vermitteln. Der aus Santiago de Chile stammende Ricardo Simian bewies seine Virtuosität auf dem Cornetto, im Deutschen wegen seiner gebogenen Form auch "Zink" genannt. Dieses historische Holz-Instrument, dass seine Blütezeit im frühen 17. Jahrhundert hatte, wird mit oder ohne Mundstück wie eine Trompete geblasen und ist heute nur noch selten zu hören. Die Spanierin Maria Ferré, die zusätzlich zu ihrem Musikstudium ein Diplom in alter Musik besitzt, spielte neben einer historischen Gitarre auch die Theorbe, ein Bassinstrument aus der Familie der Lauten. Die weiteren Musiker waren Myrta Bauer an der Violine, Lusine Arakelyan am Violoncello, Fred Uhlig am Kontrabass, Jan Esra Kuhl an der Orgel sowie Dieter Bauer und Konrad Wiemann, Percussion. Die Idee zur Aufführung der bei uns selten zu hörenden Stücke stammt von Johannes Götz: "Die Entdeckung lateinamerikanischer Barockmusik hat mir viel Freude gemacht. Ich war erstaunt zu erfahren, wie globalisiert die Musik im siebzehnten Jahrhundert war." Mit der Missionierung durch die katholische Kirche verbreitete sich auch die religiöse Musik Europas in Südamerika und vermischte sich mit den dort beheimateten Rhythmen und Melodien. Im 16. und 17. Jahrhundert entstand in den Zentren Lateinamerikas eine große Fülle von gregorianischer und polyphoner Musik. Die Texte wurden häufig in der Landessprache verfasst.

Den Auftakt des Konzerts bildete so auch eine in Quechua, der Sprache der Inkas verfasste Ritualmusik. Hier mischen sich archaische Trommelschläge mit den melancholisch-majestätischen Melodien des Chor-Gesang zu einem mythisch wirkenden Klangbild. In den folgenden Stücken wechselten sich eher beschwingte und von lateinamerikanischen Rhythmen geprägte Stücke wie die "Gallarda und Jarabe loco" aus dem Mexiko des 17. Jahrhunderts mit Werken ab, die für europäische Ohren eindeutiger nach Kirchenmusik klingen, wie die Stücke des Argentiniers Domenico Zipoli.

Eingestreut in die gelungene Mischung, wurden daneben ganz eigene Stilformen zu Gehör gebracht, wie eine nur von Sopran und Gitarre vorgetragene Ballade aus Bolivien oder das stark an mittelalterliche Musik erinnernde Stück "Cumbé" für Zink und Gitarre aus Mexiko.

Eine perfekte Symbiose der verschiedenen Stilrichtungen und damit einen würdigen Abschluss für dieses abwechslungsreiche und gelungene Konzert bildete das letzte Stück des Mexikaners Juan Garcia de Zéspedes: Klassisch-geistliche Chorsequenzen wechseln sich hier ab mit spanische Lebensfreude ausstrahlenden Gitarren- und Percussion-Klängen. Bei diesen flotten Rhythmen sah man nicht wenige der 30 Chormitglieder im Takt mitwippen.

Die Zuschauer in der nicht ganz voll besetzten Barockkirche spendeten dafür so begeisterten Beifall, dass Johannes Götz und seine Musiker und Sänger zwei Zugaben spendierten.