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Barockkirche St. Peter

DruckenWandelkonzert "Nordlicht"

Sonntag, 6. Oktober 2013, 17 Uhr
Barockkirche und Fürstensaal

Vokalensemble des Konstanzer Münsters
Onnie Grissom, Klavier
Steffen Schreyer, Leitung


Vokalensemble KonstanzUnter dem Motto "Nordlicht" findet am Sonntag, den 6. Oktober um 17 Uhr in St. Peter in der Barockkirche und im Fürstensaal des Geistlichen Zentrums ein Wandelkonzert statt.

Das Vokalensemble Konstanz unter der Leitung von Münsterchordirektor Steffen Schreyer präsentiert ein zweigeteiltes Programm. Es beginnt in der Barock­kirche mit Werken von nordischen Komponisten, das Thema Klangkultur ist zentral. Der zweite Teil im Fürstensaal bringt die "Zigeunerlieder" von Johannes Brahms, dem "Nordlicht aus Hamburg", sowie "La Passiggiata" von G. Rossini zu Gehör.

Das Vokalensemble Konstanz ist ein semi-professionelles Ensemble, das seinen Schwerpunkt vor allem in der A-cappella-Literatur sieht. Die Sänger sind in der Lage, anspruchsvolle Chorwerke aller Epochen aufzuführen. Das Vokalensemble tritt vor allem konzertant in Erscheinung, auch außerhalb der Münsterkonzerte in der näheren und weiteren Umgebung.

Münsterchordirektor Steffen Schreyer ist ein Spezialist für nordische Chormusik. Nach seinem kirchenmusikalischen A-Examen und Meisterklassendiplom in München studierte er in Stockholm. Der mit Preisen und Auszeichnungen gesegnete Musiker leitet eine Dirigierklasse an der Hochschule für Musik Freiburg und ist bei Radiochören ein gern gehörter Gastdirigent.


Vokalensemble des Konstanzer Münsters   Vokalensemble des Konstanzer Münsters

Vokalensemble des Konstanzer Münsters   Vokalensemble des Konstanzer Münsters





Badische Zeitung 9. Oktober 2013
Bericht und Foto: Franziska Löffler

Von Sisasks "Oremus" bis zu Brahms "Zigeunerliedern"

Klangerlebnisse beim Chorkonzert des Vokalensembles des Konstanzer Münsters in der Barockkirche und im Fürstensaal in St. Peter.

Schon der Beginn des Konzertes war magisch: Die wortlosen Klänge schienen von überall zu kommen und hüllten die Zuhörer in ein dreidimensionales Harmoniegeflecht, denn die Mitglieder des Konstanzer Vokalensembles hatten sich an beiden Seiten entlang des gesamten Kirchenschiffs verteilt, um das nur auf Vokale gesungene "Oremus" des zeitgenössischen estnischen Komponisten Urmas Sisask zu intonieren. Ein ganz anderes Klangerlebnis boten die folgenden zwei Werke aus dem 15. Jahrhundert. Dazu hatten sich die Sängerinnen und Sänger in den Chorraum zurückgezogen und sich dort im Kreis aufgestellt.

So wurde für die Zuhörer zwar die außergewöhnliche Akustik dieses Raums hörbar, gleichzeitig fühlte er sich als eine Art Zaungast, der die verschworene Einheit des Chors diesmal nur von außen erleben durfte. So war man regelrecht dankbar, dass die zwölf Sänger und 15 Sängerinnen unter der Leitung des Konstanzer Münsterchordirektors Steffen Schreyer für die letzten beiden Stücke vor der Pause wieder ins Kirchenschiff zurückkamen und das Publikum direkt ansangen.



Besonders beeindruckend: "Warning to the Rich", das geradezu theatralische Stück des zeitgenössischen schwedischen Komponisten Thomas Jennefelt mit seinem sich kontinuierlich steigernden Sprechgesang. Das Solo am Höhepunkt sang, ja schrie der Chorleiter selbst stimmgewaltig und ausdrucksstark.

Steffen Schreyer bekleidete nach seinem Studium der Kirchenmusik in München und des Fachs Chordirigieren in Stockholm sechs Jahre lang die Professur für Chordirigieren in Aachen. Vor seiner Tätigkeit in Konstanz war er Chefdirigent des Slowenischen Kammerchores in Ljubljana. Sein Ensemble leitet Schreyer mit eher kleinen, aber sehr differenzierten Gesten sowie mit seiner lebendigen Mimik. Die Sängerinnen und Sänger behalten den Chorleiter ständig konzentriert im Blick und hängen förmlich an seinen Händen, die die Klänge aus ihren Kehlen regelrecht zu formen scheinen.

Das semi-professionelle Vokalensemble Konstanz singt anspruchsvolle Chorwerke aller Epochen mit einem Schwerpunkt auf der A-cappella-Literatur. Für den zweiten Teil des Konzertes wechselten die Sängerinnen und Sänger und das Publikum in den Fürstensaal des ehemaligen Klosters. Im direkten Vergleich zu der imposanten Weite des Kirchenraums fühlte man sich hier fast in die gemütliche Atmosphäre eines – wenn auch sehr noblen – Wohnzimmers versetzt. Durch die Begrenztheit des Raums und die veränderte Akustik wurde die unglaubliche Stimmgewalt und Energie des Gesangsensembles noch deutlicher.

Auch inhaltlich war das Programm dem veränderten Ambiente angepasst: In Johannes Brahms "Zigeunerliedern" geht es um weltliche Dinge: Da wird zum Tanz geführt, geküsst, und das süße Täubchen geherzt. Und das zu humorvollen und Lebensfreude ausstrahlenden Melodien. Dieser Part wurde von der US-Amerikanerin Onnie Grissom am Flügel begleitet. Die Pianistin ist seit Anfang 2013 als Klavierlehrerin an der Musikschule Konstanz und als Korrepetitorin für die Münstermusik tätig. Mit ihrem ausdrucksstarken Spiel bereicherte sie auch die folgenden drei Lieder von Giaoacchino Rossini.

Die von der schwedischen Folklore inspirierten Kompositionen von Hugo Alfvén sang der Chor dann wieder a cappella und mit sichtlichem Spaß an den fröhlichen und abwechslungsreichen Melodien. Das würdige Finale für dieses enorm vielfältige Konzert bildete eine moderne Interpretation des vermeintlichen Kinderliedes "Sur le pont d' Avignon" von dem in diesem Jahr gestorbenen belgischen Komponisten und Chorleiter Vic Nees: Mit Hilfe erstaunlicher Variationen in Rhythmus und Tonart zeigte das Ensemble, was mit entsprechenden Fähigkeiten aus einem solchen, scheinbar einfachen Stück herauszuholen ist.

Das begeisterte Publikum motivierte durch seinen ausdauernden Applaus schließlich noch zu einer Zugabe. Wie schade, dass nur etwa die Hälfte der Zuschauerplätze belegt war und nicht mehr Zuhörer in den Genuss dieses außergewöhnlich abwechslungsreichen Konzertes kamen.