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Barockkirche St. Peter

Johannes Brahm: Ein deutsches Requiem op. 45


Zeitungsberichte  |   Fotos


Kammerchöre Hochschwarzwald und Münstertal
Fassung für zwei Klaviere und Pauken
Katharina Persicke, Sopran
Markus Flaig, Bariton
Maria Sofianska und Alfonso Gómez, Klavier
Klaus Motzet, Pauken
Johannes Götz, Leitung

Barockkirche, 17 Uhr
Einführung im Fürstensaal, 16 Uhr



Musik von Trauer und Trost
Das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms zählt zu den wichtigsten geistlichen Werken des 19. Jahrhunderts. Johannes Brahms, der die Heilige Schrift in- und auswendig kannte, hat die Bibelstellen zu den sieben Sätzen selbst zusammengestellt. Zudem war das Werk für ihn eine Art persönlich-musikalischer Trauerarbeit, denn er schreibt: „Ich habe nun meine Trauer niedergelegt und sie ist mir genommen; ich habe meine Trauermusik vollendet als Seligpreisung der Leidtragenden.“
Bereits Brahms hat das sinfonische Werk in eine Klavierfassung umgearbeitet. Erstmals in der Barockkirche St. Peter erklingt die besonders eindrückliche Fassung für zwei Klaviere und Pauken aus der Feder des Komponisten Heinrich Poos. Maria Sofianska musiziert mit Alfonso Gómez, der erfreulicherweise den Part von dem aufgrund einer Handverletzung ausgefallenen Lambert Bumiller übernimmt und mit Klaus Motzet an den Pauken. Die Vokalsolisten sind Katharina Persicke (Sopran) und Markus Flaig (Bariton). Mit diesem Projekt setzen die Kammerchöre der Bezirkskantoreien Hochschwarzwald und Münstertal ihre erfolgreiche Zusammenarbeit (nach der Matthäus-Passion 2011) fort, die Leitung hat Bezirkskantor Johannes Götz.




Badische Zeitung, 16.10.2014, Bericht und Foto: Bianca Flier

Paukenschläge zum Jüngsten Gericht

Die Bezirkskantoreien Münstertal und Hochschwarzwald führen Brahms sakrales Meisterwerk "Ein Deutsches Requiem" in St. Trudpert, Münstertal auf.

Karin Karle, Johannes GötzIn der Reihe "Konzerte in St. Trudpert" fand jetzt eine Aufführung von Johannes Brahms’ sakralem Meisterwerk "Ein deutsches Requiem" statt. Bezirkskantorin und Dirigentin Karin Karle hatte sich für die von Heinrich Poos bearbeitete Fassung mit der Instrumentalbegleitung durch zwei Klaviere und Pauke entschieden. Es sangen die Bezirkskantoreien Münstertal und Hochschwarzwald sowie die Gesangssolisten Claudia Kienzler (Sopran) und Markus Flaig (Bariton). Den Klavierpart spielten Maria Sofianska und Alfonso Gómez, die Pauke schlug Klaus Motzet.

Es war in erster Linie die Trauer um den Tod seiner Mutter und um den des Kollegen Robert Schumann, die Brahms zum Komponieren dieses Werkes inspirierte. Das Ganze besteht aus sieben Sätzen mit Bibelstellen, die der Komponist selbst ausgesucht, zusammengestellt und in einer großartigen musikalischen Symbiose miteinander verknüpft hat. Zwar sieht die Originalfassung des Requiems eine Orchesterbegleitung vor, doch gerade die Version mit Klavieren und Pauke verleiht den Texten eine Tiefenschärfe, die mit einem orchestralen Tutti wesentlich schwieriger zu erreichen ist.

Die Gestaltung des ersten Satzes, der die Seligpreisung der Toten nach Matthäus thematisiert, schwebte in einer fein ausgewogenen Ambivalenz zwischen Traurigkeit und Trost – ein gelungener Spagat. Den zentralen Kern bildete die Sterblichkeit des Menschen, und mit interpretatorischer Virtuosität wurde die schaurige Atmosphäre eines archaischen Totentanzes geschaffen. Ein dumpfer Marschrhythmus, aufgeladen durch die gespenstische Steigerung der Chor-Crescendi und untermalt von drohend hämmernden Klavierklängen und wütenden Paukenhieben, beschwor das Szenario eines wahren Höllenspektakels herauf: Geheimnisvoll wie ein Gemälde von Hieronymus Bosch, dramatisch wie ein Gesang aus Dantes Inferno. Da ging die emotionale Intensität wie ein Kribbeln unter die Haut. Das Baritonsolo im dritten Satz vermittelte einen authentischen Eindruck äußerster Zerrissenheit – ein Parforceakt zwischen Verzweiflung und Gottvertrauen. Fein untermalt vom Chor, gelang es Markus Flaig, alle Zwischentöne von Trostlosigkeit bis hin zu hoffnungsvoller Erlösungsgewissheit wunderbar auszuloten. Ein furioser Paukenwirbel setzte den bedeutungsschweren Schlusspunkt zu dieser Szene.

Voller Anmut präsentierte das Ensemble den vierten Satz, welcher mit den bekannten Worten des 84. Psalms beginnt: "Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr Zebaoth." Das erhebende Bild wurde durch den Chor herrlich ausgemalt. Ein ausbalancierter Klangkörper, der freudige Zuversicht symbolisierte. Den Weg von der Traurigkeit zur Freude beschrieb auch das überaus innige Sopransolo, mit dem der fünfte Satz einsetzt. Claudia Kienzlers höhensicherer, warmer Sopran brachte auf luzide Weise die Kontraste zum Tragen. Ruhig, ohne Pathos, doch meisterhaft ausgeleuchtet erklangen die Worte aus Jesaja und Jesus Sirach. Die mitreißende Darbietung des vorletzten Satzes lotete die Tiefe der thematischen Dramatik sowohl chorisch als auch instrumental voll aus. Das Jüngste Gericht, vom Chor plastisch herausgearbeitet und grell angestrahlt von aggressiven Klavierklangbildern und starken Paukenschlägen, stand dabei im Mittelpunkt. Engelsgleich, wie beruhigender Balsam, wirkte dann das Finale dieser Sequenz – eine interpretatorische Meisterleistung.

Die Quintessenz der werksgetreuen Interpretation trat im siebten und letzten Satz des Oeuvres deutlich zutage. Wie ein Echo des ersten Satzes erklang die erweiterte Seligpreisung der Toten, die im Herrn sterben. Sanft und friedlich gestaltete sich dieser trostreiche Ausklang. Es dauerte lange Sekunden, ehe das Publikum es wagte, die einsetzende Stille mit Beifall zu unterbrechen – ein Zeichen dafür, dass die Grundtendenz der Interpretation, ihre Botschaft, bei den Hörern angekommen war. Was die Gesamtinterpretation angeht, so konnte man deutlich spüren, dass Karin Karle der Intention des Komponisten voll Rechnung getragen hat: Hier sollte die Trauerarbeit, die im Trost mündet, den Hauptgedanken darstellen. Darum ging es Brahms in erster Linie: kein triumphales Gotteslob, sondern ein Ausloten der menschlichen Seele, ihrer Trauerbewältigung und ihrer Suche das Transzendenz.

Das persönliche, ja beinahe intime Erleben, welches der Komponist so eindrucksvoll in sein Werk legte, wurde von der Interpretation in subtiler und gleichzeitig emotional ergreifender Weise aufgearbeitet. Chor, Solisten und Instrumentalisten erbrachten eine virtuose Leistung unter der souveränen Leitung von Karin Karle.





Badische Zeitung, 07.10.2014, Bericht und Fotos: Wolf-Wilhelm Adam

Ein grandioser Konzertabend

Johannes Brahms’ "Deutsches Requiem" wird in der Barockkirche von St. Peter aufgeführt.

Johannes GötzMit einem grandiosen konzertanten Abend beschlossen viele Musikliebhaber ihr langes Wochenende in der Barockkirche zu St. Peter. Aufgeführt wurde "Ein Deutsches Requiem" von Johannes Brahms in der Fassung für zwei Klaviere und Pauken mit Chor, Sopran- und Bariton-Solo.

Viele waren gekommen, um diesem besonderen Konzert beizuwohnen. Uraufgeführt wurde das "Deutsche Requiem" in der kompletten orchestralen Version 1869 in Leipzig. Johannes Brahms selbst fertigte eine Klavierfassung an, die 1871 zum ersten Mal in London erklang. Es war im 19. Jahrhundert üblich, Musik in oft vereinfachter Version für Klavierduo zu bearbeiten, denn nur so war es für musikalische Amateure möglich, große Werke auch außerhalb des Konzertsaals zu erleben – und zwar durch das eigene Spiel am Klavier.

Dass Brahms sein Werk selbst bearbeitete, liegt wohl an seiner Überzeugung, wenn es denn sein müsse, wäre er wohl selber der beste Kandidat für diese Aufgabe. Dass er die Arbeit insgesamt für unwürdig, aber wohl notwendig hielt, geht daraus hervor, dass er sich weigerte, seinen Namen auf dem Titelblatt als Arrangeur vermerkt zu haben; und als dies dennoch geschah, ließ er auf eigene Kosten die schon gedruckten Exemplare einziehen und mit neuen Titelblättern versehen, auf denen er als Arrangeur nicht mehr genannt ist. In einem Brief schreibt Brahms ironisch: "Ich habe mich der edlen Beschäftigung hingegeben, mein unsterbliches Werk auch für die vierhändige Seele genießbar zu machen. Jetzt kann’s nicht untergehen."

Ein imposantes Klanggemälde entstand dabei, das Brahms Vorstellung der atmosphärischen Form der Darbietung festlegte. In der Barockkirche von St. Peter erklang dieses einst umstrittene, dann jedoch als eines der "bedeutsamsten Taten, die von unseren jüngeren und jüngsten Komponisten-Generation ausgegangen ist", umjubelte Werk.

Berthold PossemeyerBerthold Possemeyer, der für den erkrankten Markus Flaig die Baritonpartie übernommen hatte, verlieh dem dritten Satz eine wirklich ergreifende Szenerie. Katharine Persicke stand ihm im fünften Satz in nichts nach, als sie mit ihrem Sopran-Solo im Zwiegespräch mit dem Chor von der Traurigkeit in die Freude überging.

Die Kammerchöre Hochschwarzwald und Münstertal bildeten eine Einheit und überzeugten in jedem von Johannes Brahms so wunderbar und ausdrucksstark komponierten Gefühlszustand des Werkes. Klaus Motzet an den Pauken und Maria Sofianska und Alfonso Gómez an den beiden Klavieren hätten den Komponisten sicherlich trotz seiner Abneigung gegenüber den "geschmälerten Versionen seiner großen Kompositionen" wieder versöhnt. Durch ihre Darbietung fühlte man sich tatsächlich in das späte 19. Jahrhundert versetzt und hätte meinen können, Brahms sitzt mit zustimmender Mimik im Publikum.

Johannes Götz als musikalischer Leiter tat das Seine zum Gelingen eines grandiosen Abends, der mit nicht abebbend wollenden "standing ovations" seinen Abschluss fand.






Fotos: L. Rombach





Dirigent Johannes Götz mit Chor

K. Persicke, Sopran; A. Gómez, Klavier

Kammerchöre Hochschwarzwald und Münstertal

B. Possemeyer, Bariton; A. Gómez, Klavier

Solisten B. Possemeyer, K. Persicke,
M. Sofianska, A. Gómez, K. Motzet,
Leitung J. Götz