B a r o c k k i r c h e   S t .   P e t e r



Barockkirche St. Peter

CarnevalsConzert mit goetz & friends


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In diesem Jahr fand ausnahmsweise in St. Peter ein CarnevalsConcert an zwei Terminen (Sonntag, 23. Februar um 17 Uhr + Samstag, 1. März um 15 Uhr) statt: Spaß muss sein.
Humor hat in der Kirche kein leichtes Spiel. „Zu plump, zu seicht, zu anzüglich…“ meinen die Kritiker. Es ist eine Herausforderung, mit musikalischen Mitteln in sakralen Räumen für Heiterkeit zu sorgen – aber es lockt!

Erleben Sie im CarnevalsConcert den Versuch von „goetz & friends“ (Lisa Stöhr, Clemens Morgenthaler, Myrta Bauer, Lusine Arakelyan, Stefan Stange, Andreas Konrad, Christoph Wirz, Johannes Sondermann (nur 1. März), Meinrad Walter u.a.) Musik mit Humor zu präsentieren.
Hören Sie Bachs berühmte d-moll-Toccata rückwärts gespielt, ein vierhändiges Orgelwerk von P.D. Q. Bach, ursprünglich für Dampforgel komponiert und virtuose Bläserattacken in der Barockkirche.
In der Bibliothek gibt es improvisierte Harmoniummusik zu Szenen aus Hermann Burgers berühmten Schweizroman „Schilten“. In Bachs Bauernkantate BWV 212 betreiben Sopranistin und Bariton einen amüsanten musikalischen Schlagabtausch zur Verherrlichung des Landlebens, behutsam umgedeutet auf die Verhältnisse in St. Peter.

Diese Konzerte sind Benefizveranstaltungen für die neue Chororgel in der Barockkirche.




Badische Zeitung, 27.02.2014, Bericht und Foto: Hans Jürgen Kugler

Kirchenglocken sorgen für das Tschingderassabum

Närrische Musik in der Barockkirche, Bibliothek und im Fürstensaal in St. Peter / Weltliche Töne statt sakraler Klangpracht.

Pfarrer, Kantor und der Herr Musikprofessor hatten ein heißes Eisen angefasst – die Beantwortung der Frage nämlich: Vertragen sich Kirche und Humor? Getreu der bahnbrechenden Erkenntnis, dass nicht nur Kinder und Narren, sondern auch die Musik stets die Wahrheit auszusprechen pflegen, stürzte sich zunächst Organist Andreas Konrad in stilvoll-buntem Narrenhäs auf die altehrwürdige, nun wieder frisch und fromm gestimmte Orgel der Barockkirche.

Statt sakraler Klangpracht ließ die betagte Dame unter Konrads kundigen Händen (und Füßen) höchst weltliche Töne anklingen: Die Stars and Stripes forever des amerikanischen Komponisten Philip Sousa. Voller Schwung, Esprit und in einer brodelnden Lautstärke, die jedem Jahrmarkt gut zu Gehör stünde. Als noch die Kirchenglocken mit "dezentem" Tschingderassabum den Takt dazugaben, war es in den Reihen des Publikums aus mit der ehrfürchtigen Stille – es wurde munter mitgeklatscht.

Christoph WirzEbenso viel Begeisterung rief auch Dave Brubecks "Take Five" für Orgel und Klarinette (einfühlsam im prachtvollen Barockkostüm: Christoph Wirz, Foto rechts) hervor – was nebenbei gesagt in der Kirche richtig gut klingt. Ebenso wie "Dance with me" für Klarinette und Orgel, einem munteren Klezmer.

Nicht jedem Musikliebhaber wird der Name P. D. Q. Bach etwas sagen. Schon die Lebensdaten dieses weithin unbekannten Bach-Sohnes sorgen für Verwirrung: Der letzte, wirklich allerletzte, Sohn Johann Sebastian Bachs lebte nämlich von 1807 bis 1742. Entgegen der üblichen Zählweise wurden die Jahreszahlen auf dem Grabstein rückwärts eingetragen, da sich der Meister musikalisch zeitlebens zurückentwickelte, wie die Musikhistoriker vermuten. Aus dem ebenso umfangreichen wie einzigartigen Werk präsentierten zu vier Händen Andreas Konrad und Johannes Götz (alias Giovanni di Popo dolce) die "Toot Suite", den O.K. Choral und beschlossen ihre bemerkenswerte Darbietung mit der wahrhaft apokalyptischen Fuga Vulgaris. Auf das populäre Pervertimento für Dudelsack, Fahrrad, Ballons und Streicher mussten die Zuhörer leider verzichten, da der für die Interpretation unverzichtbare Radfahrer über die erste Serpentine nach St. Peter leider nicht hinausgekommen ist.

Der Kirche wird ja oft nachgesagt, dass sie rückwärtsgewandt sei. Den schlagenden Beweis dafür erbrachte Cantore Giovanni di Popo dolce (Hinterzarten) zumindest musikalisch mit Enjott Schneiders bahnbrechender Komposition ATACCOT, Johann Sebastian Bach d-Moll-Toccata rückwärts gespielt in "retrograder Version" – komplett mit fetzigen Rap-Beats und rätselhaften Dia-Flashs auf Leinwand. Dafür, dass sich darob die Gemüter nicht allzu sehr erhitzten, sorgten schon die eisigen Temperaturen im Kirchenraum.

Abhilfe versprach da der Umzug zur weiteren Belustigung in die Historische Bibliothek – doch weit gefehlt. Es scheint eine alte Bibliothekarsweisheit zu sein, dass tiefgefrorene Bücher länger halten – zumindest die Bücherwürmer dürften im St. Petermer Winter schockgefrostet sein. So geriet die Lesung aus Hermann Burgers Roman "Schilten" mit cooler musikalischer Untermalung auf einem Harmonium doch ein wenig zu einer unterkühlten Angelegenheit.

Richtig warm ums Herz wurde es den Gästen dann aber nach neuerlichem Umzug in den – beheizten! – Fürstensaal bei der fasnachtlich umgetexteten Aufführung von Johann Sebastian Bachs Cantate "Centre clérical" durch ein ebenso gewandtes wie adäquat gewandetes Barockensemble (Myrta Bauer, Violine, Luise Arakelyan, Cello, Stefan Stange, Kontrabass, Giovanni di Popo dolce, Klavier) und dem stimmgewaltigen Duo Lisa Stöhr (Sopran) und Clemens Morgenthaler (Bariton).

Die musikalischen Vorträge bereicherte Musikprofessor Meinrad Walter alias Charlie Chaplin mit ausgesuchten literarischen Beiträgen, die sich auf närrische Weise mit so weltbewegenden Themen beschäftigten wie den berechnenden Exzessen eines effizient Dienst tuenden Kalkanten (vulgo Blasebalgtreter), einem darunter leidenden Holzwurm oder dem andächtig erklingenden Harmonium.




Programm


Barockkirche

Philip Sousa
1854 - 1932
Stars and Stripes forever
für Orgel
   
Dave Brubeck / Paul Desmond
enstanden 1959
Take five
in einer Fassung für Klarinette und Orgel
   
P. D. Q. Bach
1807 - 1742 ?
aus: TOOT SUITE
for Calliope or organ, four hands

- O. K. Chorale
- Fuga Vulgaris
   
Michael Schütz
*1963
Dance with me
für Klarinette und Orgel
   
Enjott Schneider
*1950
ATACCOT
J. S. Bachs Toccata d-moll in retrograder Version,
Einrichtung für Orgel, Flash und Beats
   
Ennio Morricone
*1928
- Il buono, il brutto, il cattivo
- Per un pugno di dollari
   



Historische Bibliothek
Szenen aus Hermann Burgers Roman „Schilten“ untermalt mit improvisierter Musik auf dem Harmonium



Fürstensaal

Johann Sebastian Bach
1685 - 1750
Auszüge aus der Kantate BWV 212
als Cantate „Centre clérical“
in einer Textfassung von Hans-Peter Zeller



DANKSAGUNG:
Wir bedanken uns bei Allen ganz herzlich für die honorarfreie Mitwirkung: bei den Musikern, bei Meinrad Walter für die Moderation, bei Hans-Peter Zeller für die Textumgestaltung der Bachkantate, bei Thomas Weber für die Technik und bei den vielen weiteren helfenden Händen.




Fotos vom CarnevalsConcert am 23.2. und 1.3.14 in St. Peter von Neal Banerjee


1. Teil in der Barockkirche

Begrüßung Pfarrer Stefan Meisert Andreas Konrad an der Orgel Christoph Wirz, Klarinette Andreas Konrad und Christoph Wirz

Moderation: Meinrad Walter als Charlie Chaplin Akkustik-Müll Johannes Götz Johannes Götz vierhändig mit Andreas Konrad

due giovanni spielen Morricone: Johannes Götz mit Johannes Sondermann, Trompete


2. Teil in der Bibliothek

Johannes Götz am Harmonium Meinrad Walter auf der Empore


3. Teil im Fürstensaal mit Bach-Kantate

Akkustik-Müll Johannes Götz Continuo: Johannes Götz, Myrta Bauer, Lusine Arakelyan, Stefan Stange Clemens Morgenthaler und Lisa Stöhr Clemens Morgenthaler und Lisa Stöhr

beim Kartenspielen Meinrad Walter als Geistlicher Meinrad Walter als Polizist Meinrad Walter als Heinrich Hansjakob

Alle Mitwirkenden