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Barockkirche St. Peter

Laudate Dominum - Chorkonzert mit der Mädchenkantorei am Freiburger Münster

Sonntag, 6. Juli 2014, 17 Uhr, Barockkirche St. Peter



Unter dem Motto Laudate dominum gastiert am Sonntag, den 06. Juli um 17 Uhr in der Barockkirche St. Peter die Mädchenkantorei des Freiburger Münsters.

Der Chor entwickelte sich unter seiner Dirigentin Martina van Lengerich zu einem der profiliertesten Mädchenchöre in der deutschen Chorlandschaft. Die Gewinner des 8. deutschen Chorwettbewerb 2010 unternehmen regelmäßig Konzertreisen ins Ausland, u. a. Russland, Kanada und den Vereinigten Staaten, absolvieren Rundfunk- und Fernsehauftritte und CD-Einspielungen. Das Repertoire des Chores umfasst Literatur von der Gregorianik bis hin zu zeitgenössischer Musik.
Martina van Lengerich ist seit 2003 Domkantorin am Freiburger Münster und stellvertretende Leiterin der Domsingschule.

Im Konzert erklingen Werke vieler herausragender Chorkomponisten, u. a. Britten, Brahms und Mawby. Bezirkskantor Johannes Götz steuert die Orgelbegleitung bei und spielt eine Passacaglia von Josef Rheinberger.




Badische Zeitung, 9. Juli 2014, Autor und Foto: Hans Jürgen Kugler

Ein außergewöhnliches und berührendes Konzert

Die Mädchenkantorei des Freiburger Münsters singt in St. Peter.

Mädchenkantorei FreiburgUnter dem Motto "Laudate Dominum" gastierte in der Barockkirche St. Peter die Mädchenkantorei des Freiburger Münsters unter Leitung von Domkantorin Martina van Lengerich. Effektvoll zogen die Mädchen singend in den Kirchenraum ein und nahmen Aufstellung vor dem Altar. Mit der Missa brevis in D op. 63 von Benjamin Britten eröffnete der profilierte Mädchenchor das Programm mit einer eigentlich für Knabenchor bestimmte Komposition.

Der akustisch schneidende Beginn des Kyries schärfte gleich zu Anfang die Sinne für eine außergewöhnliche Komposition, die mit relativ sparsamen Mitteln eine höchst effektive und bestechend klare Vertonung der katholischen Liturgie in zeitgenössischer Tonsprache offenbarte. Das federnde Gloria, an der Orgel von Johannes Götz rhythmisch prägnant formuliert, interpretierten die Mädchen in pulsierender Unmittelbarkeit und differenzierter Gestaltung. Für das Sanctus hatte Britten den Nachhall schon in die Partitur hineinkomponiert, indem er die Melodielinie über die gehaltenen Töne der anderen Stimmen einfach weiterlaufen lässt. Ein präzise interpretiertes Duett der Solistinnen im Benedictus unterstrich die technische Brillanz der Sängerinnen.

Unheimliche Orgelklänge begleiteten ein harmonisch ambitioniertes Agnus Dei, das in der Dynamik einen weiten Interprationsspielraum forderte. Nicht nur in diesem Satz bewiesen die Mädchen ihre einzigartigen chorischen Qualitäten: überwältigende Stimmfülle und Leuchtkraft in den Fortissimo-Passagen; kristallklar und makellos in den leisen Stellen.

Mit getragener Melodik und großen Bögen präsentierte sich die Tonsprache eher klassisch in der Motette Laudate pueri Dominum, zu der Felix Mendelssohn Bartholdy die "wunderlieblichen" Stimmen eines französischen Frauenchors angeregt hatten. Auch Johannes Brahms war von dem "hellen, silbernen Klang" der Frauenstimmen gefangen, für die er 1858 sein Ave Maria op. 12 für Chor und Orgel komponiert hatte, im wiegenden 6/8-Takt und dem liedhaften Charakter ganz dem Geist der Romantik verpflichtet. Dem ätherischen Chorklang der Mädchenkantorei setzte Kantor Johannes Götz mit der Introduktion und Passacaglia aus der e-Moll-Sonate von Josef Rheinberger einen reizvollen Kontrast entgegen. Nach einem klanggewaltigen Einstieg bereitete Götz mit dem Pedal ruhig und gemessenen Schrittes die Passacaglia vor. Nach und nach setzen in kunstvoller Verflechtung die weiteren Stimmen ein. Zum Finale ließ Johannes Götz in einem machtvollen Crescendo die Orgel in all ihrer neu gewonnenen Pracht erstrahlen.

Von Domkantorin Martina van Lengerich stammt die auf dem gregorianischen Choral basierende Komposition Da pacem Domine, eine nicht nur akustisch in ihrer raumfüllenden Anlage höchst expressive Komposition. Filigran geführte, kristallreine Stimmen, überwältigend in ihrer sinnlichen Präsenz durch sorgsam kultivierte Schwebungseffekte: eine eindringliche Bitte um Frieden, die geradewegs unter die Haut ging.

Das folgende Magnificat des baskischen Komponisten Javier Busto überzeugte durch straffe Rhythmen, geschichtete Klänge und meditative Elemente. Mit gleich zwei übereinander geschichteten Chorsätzen konfrontierten die Mädchen die Zuhörer im Ave Maria von Franz Biebl, das durch die sich daraus ergebenden Überlagerungen einen raumfüllenden "Kathedralklang" entfaltete. Weniger deklamatorisch als vielmehr überraschend geriet die Anrufung der Namen der zwölf Söhne Jakobs in der Komposition Jaakobin pojat des Finnen Pekka Kostiainen, angereichert mit humoristischen Effekten wie Schnarrlauten, schleifenden Tönen und mimischen Aktionen.

Das Gleichnis von dem selbstgefälligen Pharisäer und dem demütigen Zöllner hat der estnische Komponist Arvo Pärt in einer ausdrucksstarken Motette in Töne gesetzt, die die Kantorei nicht weniger eindrücklich darbot. Auch den spannungsreich gegeneinander gesetzten Stimmen in der Motette Cantate Domino des Kanadiers Rupert Lang verliehen die Mädchen adäquaten Klang und Ausdruck. Mit dem rhythmisch pulsierenden Laudate Dominum des englischen Komponisten Colin Mawby setzte die Kantorei den Schlusspunkt in einem geradezu berückenden Chorkonzert, ehe die Mädchen nach drei Zugaben wieder singend aus dem Kirchenraum auszogen.