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Barockkirche St. Peter

Pressebericht BZ 17.07.2015


Jetzt auch romantische Klangfarben
Filigranarbeit beim Intonieren der Orgelpfeifen bis zur Weihe am Sonntag / Neue Chororgel in St. Peter erhält den letzten Schliff.

Intonateur Ekkehard Fehl
Intonateur Ekkehard Fehl beim Aufschnitt einer Labialpfeife
Bericht und Foto: Erich Krieger


Ekkehard Fehl, freier Intonateur aus Berlin, arbeitet derzeit mit Hochdruck am letzten Schliff der knapp 1200 Pfeifen der neuen Chororgel in St. Peter. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn dafür benutzt er auch da und dort feinste Schmirgelleinwand oder Stahlwolle. Bezirkskantor Johannes Götz will mit dem Orgelneubau eine romantische Klangfärbung in die Barockkirche einziehen lassen. Er zielt damit auch auf das umfangreiche romantische Orgelrepertoire, das bislang in St. Peter nicht oder nur unzulänglich präsentiert werden konnte. Soweit die Theorie.

Damit sich dies auch in der Praxis realisiert, setzt Ekkehard Fehl an seinem "Pfeifenbude" genannten Arbeitsplatz in der Barockkirche seine ganze Erfahrung und sein handwerkliches Können in sehr langen Arbeitstagen ein. Denn schließlich ist spätestens am kommenden Sonntag Deadline, wenn am Morgen die neue Orgel in einem Festgottesdienst geweiht und am Spätnachmittag auf ihr das erste Konzert gespielt wird.

Das grenzt an Sisyphusarbeit, denn sämtliche Pfeifen müssen individuell intoniert werden. Dabei geht es nicht nur um eine bestimmte Tonfrequenzzahl, die mit jedem Stimmgerät messbar wäre. Es soll vielmehr der erwünschte Klang einer romantischen Grundfärbung erzielt werden – und der entsteht erst bei einer ganz bestimmten Gemengelage von Obertönen. Und diese muss durch die Steuerung der Windzufuhr für jede einzelne Pfeife regelrecht "eingestellt" werden.

Fehl hat dafür mehrere Möglichkeiten. Zunächst kann er den Durchmesser des Fußlochs bestimmen, ihn eventuell geringfügig vergrößern. Bei Labial- oder Lippenpfeifen kann er durch die Weite der Kernspalte die Windbahn beeinflussen oder die Höhe des Lippenaufschnitts korrigieren. Winzige Einkerbungen, Kernstiche genannt und von Hand an die richtige Stelle gesetzt, sind ein Charakteristikum für einen romantischen Klang. Bei Lingual- oder Zungenpfeifen ist die Krümmung der Zunge entscheidend. Auch die wird in Handarbeit hergestellt. Schließlich kann bei aus einer Zinn-Bleilegierung hergestellten Metallpfeifen die Mensur durch Ablängen verändert werden oder man setzt ans obere Ende der Pfeife zwei vertikale Einschnitte und formt dann aus dem entstehenden Blechstreifen eine sogenannte Stimmrolle. Das sieht dann aus wie bei einer antiquierten Ölsardinenbüchse. All diese "hand"-werklichen Manipulationen geschehen in einem Minimalbereich. "Hier geht es um Zehntelmillimeter", sagt Fehl und setzt hier einen kleinen Hammerschlag, besser gesagt -tupfer, oder hebt dort einen winzigen Span ab. Ihm helfen keine computergesteuerten Maschinen oder Schablonen – er ist allein auf seine Geschicklichkeit und Erfahrung angewiesen.

Aber gutes Handwerk allein reicht auch nicht. Er muss auch hören können, ob sich die jeweilige Pfeife in das Gesamtklangbild einfügt. Auch dabei hat er außer seinem Gehör keinerlei Hilfsmittel. Als Meister seines Fachs zwängt er sich erst in das enge Orgelgehäuse, wenn er restlos zufrieden ist, und baut eine weitere Pfeife ein. Es sind noch viele bis Sonntag.

Info: Sonntag, 26. Juli, Barockkirche St.Peter, um 10 Uhr Festgottesdienst mit Orgelweihe; um 17 Uhr Eröffnungskonzert der Internationalen Orgelkonzerte St. Peter. Johannes Götz (Orgel) und Frederic Belli (Posaune) präsentieren Werke von Händel, Mendelssohn, Liszt, Franck und Ropartz. Eintritt: neun Euro, freier Eintritt für Schüler und Studenten, die Abendkasse ist ab 16.30 Uhr geöffnet; kostenlose Orgelführung im Anschluss an das Konzert.


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