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Barockkirche St. Peter

Pressebericht BZ 24.07.2015


Barockkirche in St. Peter kriegt neue Chororgel
n St. Peter bricht ein neues Zeitalter an: Die Barockkirche der Schwarzwaldgemeinde St. Peter erhält eine neue Chororgel. Die Hauptorgel wurde renoviert .

Die neue Chororgel der Barockkirche St. Peter
Die neue Chororgel in St. Peter – hinten die
geschlossenen Jalousien des Schwellwerks
Bericht: Johannes Adam, Foto: Leopold Rombach


Die schmucke, helle Barockkirche der Schwarzwaldgemeinde erhält eine neue Chororgel. Am Sonntag wird sie geweiht. Damit hat künftig auch die Orgelmusik der Romantik dort eine Heimstatt. Was bisher nur eher eingeschränkt der Fall war. Auf der Empore steht seit 1967 eine von der weltweit agierenden Bonner Werkstatt Johannes Klais gebaute Hauptorgel mit drei Manualen und 46 Registern in einem barocken Gehäuse. Ein zweifellos hochwertiges, klanglich und optisch ausgesprochen schönes Instrument, das letztlich eine (neo-)barocke Orgel ist. So besitzt sie kein Schwellwerk, mit dem der Organist die Lautstärke einzelner Stimmen verändern könnte. Solche Register stehen in einem Kasten, dessen Jalousien der Spieler per Fuß mit einem Balanciertritt öffnen und schließen kann.

Nimmt man in St. Peter indes die neue Chororgel in Augenschein, sind diese Jalousien sofort zu sehen. Nicht nur für die Interpretation romantischer und spätromantischer Musik aus Deutschland und Frankreich ist eine solche Einrichtung obligatorisch. So ist denn auch die von der österreichischen Firma Rieger gebaute Chororgel mit ihren 20 Registern ausgesprochen romantisch konzipiert (von Rieger stammt auch die viermanualige Marienorgel des Freiburger Münsters). Nun in St. Peter: Salicet, Salicional, Schwebung, Fugara im Schwellwerk – für Romantisches sind das nachgerade paradiesische Bedingungen. Und im Hauptwerk (das beim Neubau in St. Peter Choralwerk heißt) eine Viola da Gamba: jene warme, wohlige Streicherstimme, die naturgemäß allerdings etwas schwerfällig in der Ansprache ist. Nicht jedoch in St. Peter, wo sie vom Bourdon-Register gleichsam angeschoben – man könnte auch sagen: mitgezogen – wird. Beim Ortstermin demonstriert Bezirkskantor Johannes Götz den Effekt, und man ist verblüfft.

Götz, der für den Neubau konzeptionell verantwortlich zeichnet, ist mit dem Ergebnis höchst zufrieden. Auch damit, wie die beiden Orgeln nun miteinander sprechen, dialogisieren. Sagt’s und führt es vor. Die Klänge beider Instrumente treffen sich etwa in der Mitte des Raumes. Eine wunderbare, in dieser Kirche bislang nicht gekannte Wirkung. Götz und der Berliner Orgelbauer Ekkehard Fehl haben sich in der Orgellandschaft umgeschaut. Götz hat die sogenannte Disposition, die Liste der Register, erstellt. Als Vorbild dienten nicht zuletzt romantische Instrumente des im 19. Jahrhundert hochbedeutenden Eberhard Friedrich Walcker in Hoffenheim und Schramberg. Denn: Seit 1880 (und bis 1967) stand auch in St. Peter ein Instrument der Ludwigsburger Orgelbau-Dynastie. An diese große Tradition vor allem der deutschen Romantik galt es in unseren Tagen anzuknüpfen.

"Die Chororgel darf keine Konkurrenz zur Hauptorgel sein, sie muss harmonieren", sagt Fehl, der jede Pfeife intoniert und en détail bestimmt, wie sie klingen soll. Fehl ist ein Orgelbauer, den bei Renovierungen historisches Bewusstsein umtreibt. Ein zentraler Punkt für ihn ist der Respekt vorm jeweiligen Instrument und dessen Zeit. Diesen Respekt hat man bei der 2014 renovierten Hauptorgel bewiesen. Was nötig war, wurde gemacht, aber kein einziges Register geändert. Sogar die Litzentraktur, die sich über Jahrzehnte bewährt hat, beließ man. Das heißt: Die mechanische Verbindung von der Taste zur Pfeife erfolgt über feine Drähte.

Im Chorraum der Barockkirche sieht es, wie gewohnt, auf beiden Seiten nach Orgel aus. Aber der Klang kommt beim neuen Instrument allein von der rechten Seite. Die (Prospekt-)Pfeifen auf der linken Chorseite sind stumm – oder wie die Orgelbauer sagen: blind. Die Bevorzugung der Südseite ist die Konsequenz aus unliebsamen Erfahrungen: Die alte, etwas profillose, 1964 von August Späth gelieferte Chororgel war auf der Nordseite irreparabel vom Schimmel befallen. Zudem war sie klanglich unromantisch.

Dafür gibt es jetzt die neue Rieger’sche Chororgel. Mit Trompete, Oboe und Posaune hat sie drei Zungenregister. Und sie bietet jene "Verschattung von Klängen", die Götz anstrebte. Kein Klang ist knallig. Vielmehr lautet die Philosophie: farbig, rund und eben romantisch. Beide Orgeln sind von Klais-Spieltischen auf der Empore und im Chorraum einzeln und zusammen nutzbar. Die Kosten von rund 500 000 Euro teilen sich Erzdiözese und Kirchengemeinde. Fakt ist: Die attraktive Hauptorgel in St. Peter hat nun eine hübsche Schwester bekommen. Barockes, etwa Bach, klang dort immer schon sehr gut. Jetzt darf man sich auch auf Mendelssohn, Liszt, Franck et cetera freuen.

Damit man im Schwarzwald für die Hervorbringungen Neuer Musik gerüstet ist, lässt sich auf Anregung der Freiburger Musica-nova-Koryphäe Zsigmond Szathmáry künftig der Orgelwind separat abschalten. Die Chororgel ist eine enorme Aufwertung der Orgellandschaft. Und hat Ausstrahlung.

St. Peter, Barockkirche: Sonntag, 26. Juli, 10 Uhr, – Festgottesdienst mit Orgelweihe. 17 Uhr: Konzert mit Frederic Belli (Posaune) und Johannes Götz (Orgel). BZ-Kartenservice Tel. 0761/4968888.


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