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Barockkirche St. Peter

Monteverdis Marienvesper in Barockkirche St. Peter


Am Sonntag, den 18. Oktober 2015 findet um 17 Uhr in der Barockkirche St. Peter ein weiteres herausragendes Konzert statt. Barocker Glanz für alle Sinne! Claudio Monteverdis ebenso monumentale wie filigrane “Marienvesper” aus dem Jahr 1610 ist das richtige Werk für die Barockkirche St. Peter. Und was vereint dieser Komponist nicht alles: opernhafte Dramatik und altehrwürdige Gregorianik, instrumentale Virtuosität und kantable Melodik, musikalische Affektschilderung und räumliche Echo-Effekte, leidenschaftlicher Sologesang und mehrchörige Klanpracht. Wenn der Solotenor mit dem eröffnenden Ruf beginnt und sogleich die Fanfare des Hofes von Mantua mitsamt dem liturgischen Ruf “Gloria Patri et Filio” folgt, dann öffnet sich ein Kosmos barock-musikalischer Formen. Kein geistliches Werk jener Zeit ist so facettenreich wie diese von erstrangigen Spezialisten der Alten Musik dargebotene Vespermusik zu Ehren der Gottesmutter. Der Musikwissenschaftler Dr. Meinrad Walter wird um 16 Uhr im Fürstensaal des Geistlichen Zentrums in das Werk einführen.
Das vielfach ausgezeichnete Ensemble Les Cornets Noirs steht für eine langjährige kritische Auseinandersetzung mit der Musik des 17. Jahrhunderts. Die Marienvesper von Claudio Monteverdi gehört neben ausgesuchten Perlen der Alten Musik zum Kernrepertoire des Ensembles.
Besonders vielversprechend und reizvoll wird die Begegnung dieser Gruppe mit dem von Johannes Tolle neu gegründeten Ensemble Resonance. Der Gründer und langjährige Leiter des John Sheppard Ensembles startet mit dieser neuen Formation ein solistisch besetztes professionelles Vokalensemble.










Im Kraftfeld zwischen Wort und Ton

Monteverdis ewig junge Marienvesper wurde in der Barockkirche von St. Peter
BZ 21.10.15, Bericht und Foto: Erich Krieger


Viel Interessantes konnte man in dem exzellenten und kurzweilig präsentierten Einführungsvortrag des Musikwissenschaftlers Meinrad Walter zur darauf folgenden Aufführung von Monteverdis Marienvesper, einem musikgeschichtlichen Meilenstein, in der Barockkirche von St. Peter erfahren. In der streng festgelegten Form der Vesper habe Monteverdi moderne Linien quasi "hineingeschmuggelt".

Claudio Monteverdi hat sich 1610 mit der Komposition "Vespro della beata virgine", gemeinhin als Marienvesper bekannt, bei Papst Paul V. in Rom für eine Stelle und um einen Studienplatz für seinen Sohn beworben. Durchaus weltliche, wenngleich erfolglose Beweggründe also. Auf dem Fundament der Gregorianik habe er, so Walter, ein gigantisches konzertierendes Werk aus polyphonen Wechselbeziehungen zwischen Solisten und Ensemble aufgebaut und zwischen die vorgeschriebenen Psalmen zusätzlich mehrstimmige Concerti gesetzt. Völlig neu sei auch die Bedeutung der Sprache, die Monteverdi in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß direkt in Musik umgesetzt und damit das Kraftfeld zwischen Wort und Ton verändert habe.

Die Schwierigkeit bei alledem: Es existiere keine einmal festgelegte Partitur im eigentlichen Sinne, sondern verschiedene, an der jeweiligen Aufführungspraxis orientierte Zusammenstellungen und die Musikwelt streite sich bis heute, ob die Vesper als Gesamtwerk oder eher als lose Blattsammlung einzuordnen sei. In jedem Fall jedoch stelle sie ein Kompendium der Musik des 16./17. Jahrhunderts dar.

So erwartungsvoll eingestimmt, begab sich die große Zuhörerschar vom Fürstensaal des Geistlichen Zentrums in die Barockkirche. Dann im Konzert, schon bei dem fanfarengleichen Intro, trat die Leidenschaft der weltlichen Musik selbstbewusst in den sakralen Raum. Monteverdi verwendete dafür nämlich dieselbe Ouvertüre wie für seine drei Jahre zuvor fertiggestellte Oper Orfeo.

Schon bei den ersten Klängen wurden die außerordentliche Qualität und das kongeniale Zusammenspiel der beiden beteiligten Musikformationen deutlich. Das neu zusammengestellte Vokalensemble Resonance und die Instrumentalisten von Les Cornets Noirs korrespondierten unter der Leitung von Johannes Tolle vorzüglich. Es war eine echte Gesamtleistung, denn im vielfältigen Wechselspiel von Soloparts, mehrchörigem Gesang und instrumentalen Zwischenspielen wechselten auch ständig die Hauptakteure. Der besondere Reiz: Die Musiker spielten allesamt auf den zu Monteverdis Zeiten üblichen Instrumenten. Neben Violinen vermittelten Gambe, Lirone, Violone, Laute, Orgel, Posaunen mittelalterlicher Prägung und Zinken ein authentisches Klangerlebnis aus dem 17. Jahrhundert. Vor allem die Zinken, eine Mischung aus Trompete und Blockflöte, auf denen die Naturtöne über Mundstück mit den Lippen geformt und durch sechs bis sieben Grifflöcher variiert werden können, sind sonst selten zu hören und verblüfften durch ihre klare Präsenz.

Die in der Marienvesper polyphon statt bis dahin unisono gesungenen Psalmen, die eingeschobenen feurigen Concerti mit Texten aus dem Hohelied der Liebe, die mit ihrem partiell erotischen Inhalt nur mühsam auf bloße Marienverehrung zu reduzieren sind, sowie Raum- und Echoeffekte sind wesentliche, teils radikale Neuerungen in der Kirchenmusik. Zusammengehalten wird das Gesamtwerk durch den alles durchziehenden Cantus firmus des gregorianischen Chorals. Allerdings variiert Monteverdi, denn in der Fürbitte "Sancta Maria ora pro nobis" wird vom Sopran zwar zwölf Mal im Hintergrund dieselbe Melodie gesungen, jedoch jeweils rhythmisch verändert.

Inszenatorische Qualität gewann die Aufführung durch inhaltlich begründete Standortwechsel von Solisten oder Instrumentengruppen. Besonders bei Echo-Effekten, wobei beispielsweise auf die Intonation des Vorsängers im Chorraum die Antwort von der rückwärtigen Hauptorgel aus erfolgte, entstand ein besonderer Raumklang, für den die wunderbare Akustik der Barockkirche ihr Übriges tat.

Die Künstler stellten sich mit ihrem Können in den Dienst der Komposition und verliehen ihr besondere Stärke. Das Publikum dankte mit minutenlangem Beifall im Stehen.r


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