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Barockkirche St. Peter

Concert spirituel "Lebenslinien"


Julia Okruashvili
Julia Okruashvili

Deniz und Uliana Zhdanov
Dienstag, 1. November 2016
17 Uhr, Fürstensaal
- Benefiz-Konzert des Lions-Clubs Freiburg -

Klaviertrios von Max Reger und Sergej Rachmaninow

Denis Zhdanov, Violoncello
Uliana Zhdanov, Violine
Julia Okruashvili, Klavier
Meinrad Walter, Moderation


Im Rahmen der „Concerts spirituels“ des Geistlichen Zentrums erklingt am Dienstag, 1. November um 17 Uhr im barocken Fürstensaal des ehemaligen Klosters in St. Peter Kammermusik vom Feinsten.

Klaviertrios sind in Russland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Form des musikalischen Gedenkens und der Totenklage. So verwundert es nicht, dass Sergej Rachmaninow sein Trio élégiaque Nr. 2 d-moll im Gedenken an Tschaikowsky komponierte. Es ist eine hoch emotionalisierte Programmmusik im Stile einer sinfonischen Dichtung. Max Reger, dessen Lebenslinie Anfangs mit der Rachmaninows fast parallel verläuft, komponierte sein 2. Klaviertrio op. 102 im Jahr 1907. Im Reger-Jahr 2016 verdienen es beide Werke in einem Konzert von hochklassigen Musikern russischer Schule präsentiert zu werden. Der Musikwissenschaftler Dr. Meinrad Walter wird kenntnisreich moderieren und kommentieren.






BZ, 05.11.2016; Bericht und Foto: Erich Krieger

Ergreifende emotionale Intensität


Russische Schule beim Concert spirituel: Klaviertrios von Reger und Rachmaninow im Fürstensaal in St. Peter.


Im Jahr 1725 wurde das Konzertprivileg der königlichen Musikakademie in Paris gelockert und in einer Konzertreihe unter dem Namen Concert spirituel wurden erstmals öffentliche Aufführungen orchestraler Kompositionen möglich. Die gleichnamige Programmreihe des Bezirkskantorats im Geistlichen Zentrum St. Peter erfüllt heute einen anderen Zweck, nämlich exquisite Kammermusik, interpretiert von herausragenden Künstlern, im Glanz des barocken Fürstensaals zu präsentieren.

Weitere Besonderheit in St. Peter: Ausgewiesene Experten vermitteln dabei dem Publikum wertvolle musikhistorische Hintergrundinformationen und führen in die Werke ein. Unter dem Titel "Lebenslinien" standen beim jüngsten Concert spirituel zwei umfangreiche Klaviertrios von Max Reger und Sergei Rachmaninow auf dem Programm. Der Musikwissenschaftler Meinrad Walter charakterisierte die beiden 1873 geborenen Komponisten als nicht nur zeitgenössisch vereint. Beide zeichnete die kreative Trinität des Pianisten, Dirigenten und Komponisten aus. So könne man in salopper Analogie sagen, dass ihre Lebenslinien überwiegend in Notenlinien verliefen.

Mit den drei hochklassigen Solisten russischer Schule Julia Okruashvili (Klavier), Uliana Zhdanov (Violine) und Denis Zhdanov (Cello) – deren internationale Auszeichnungen aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde – konnten wieder einmal überragende Musiker für St. Peter gewonnen werden, die in ihrer hoch emotionalisierten Interpretation der komplexen Werke dem begeisterten Publikum einen unvergesslichen Abend bereiteten. Das "Klaviertrio op.102" von Max Reger sei laut Meinrad Walter ein Spätwerk der "inneren Gegensätzlichkeiten", das der unermüdlich Arbeitende innerhalb von 14 Tagen vor der Premiere geschaffen habe. Schon im ersten Satz zelebrieren die drei russischen Ausnahmekünstler die elegisch leisen Passagen in vollem Widerspruch zum Furor der explosionsartigen Ausbrüche und folgen der Anweisung Allegro moderato, ma con passione (= aber mit Leidenschaft) vortrefflich. Im zweiten Satz gleiten Julia Okruashvilis Finger in virtuoser Geschwindigkeit über die Tasten und lassen ein vergnügt hüpfendes Kind durch die heiligen Hallen toben, an manchen Stellen unterstützt durch gezupfte Läufe der Streicher. Im Largo dann wieder der Wechsel zwischen zornigem Aufbegehren und tiefer Niedergeschlagenheit, trefflich phrasiert durch das Trio. Im 4. Satz Allegro con moto soll Versöhnung geschaffen werden, bei Reger jedoch ein Zwangsunternehmen, denn im Kessel brodelt es weiter.

Nach der Pause dann das Trio "Elegiaque op.9" von Sergei Rachmaninow. Es ist dessen wenige Tage nach der Beerdigung seines Förderers und Lehrers Tschaikowsky begonnene Totenklage für den verehrten Meister. In seinem Lamento wird der Schmerz instrumental herausgeschrien, die Frage "Warum?" tönt durch den Raum, vermischt mit Elementen tiefster Verzweiflung, bei denen das Ehepaar Zhdanov Dämpfer auf die Saitenstege steckt. Durch die Sätze ziehen sich diese Abfolgen von Gefühlsschwankungen zwischen Melancholie und Aufbäumen in derart emotionaler Intensität, die alle im Saal ergreift.

Die in Noten gegossene Trauer des Komponisten wurde durch die drei einfühlsamen Interpreten authentisch, plastisch. Nur natürlich, dass die aufgebaute Spannung beim Publikum in einen jubelnden und dankbaren Beifallssturm mündete. Denis Zhdanov wollte die Besucher an diesem herrlichen Herbsttag nicht in Rachmaninowscher Trauerstimmung nach Hause gehen lassen. Als Zugabe präsentierten die drei Künstler einen feurigen Tango der argentinischen Komponistenlegende Astor Piazzolla, der die Zuhörer erneut von den Stühlen riss.


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