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Barockkirche St. Peter

MEMORIAL für Johann Peter Hebel



Ein musikalisch-poetisches Portrait


Stefan Pflaum, Rezitation
Meinrad Walter, Moderation
Hans-Jörg Mammel, Gesang
Johannes Götz, Klavier und Leitung


Er war Schriftsteller und Pädagoge, Kirchenmann und Abgeordneter, Aufklärer und Humanist. Höchste Zeit also, mit einem „Memorial“ in Wort und Ton an Johann Peter Hebel zu erinnern: an die Kalendergeschichten im „Schatzkästlein“, an Predigten und Gedichte wie „Z’Friburg in der Stadt“. Nicht zuletzt an „Die Vergänglichkeit“, jenes Gespräch von Vater und Sohn – nach dem Tod der Mutter auf dem Weg „zwischen Brombach und Steinen“ –, das als „Alemannische Apokalypse“ berühmt wurde. Der Musiker Martin Vogt (1781–1754), der auf seinen Reisen vielleicht auch St. Peter besucht hat, setzte Gedichte Hebels in Musik.


Veranstaltung im Rahmen des 10-jährigen Jubiläum des Geistlichen Zentrums








Pressebericht BZ 24.10.2016, Bericht und Foto: Erich Krieger

Hommage an den "Nationaldichter"


Memorial für Johann Peter Hebel in der Bibliothek des Geistlichen Zentrums St. Peter.

Johann Peter Hebel (1760-1826), den in Basel geborenen und lange Zeit im Wiesental lebenden Dichter, Pädagogen, evangelischen Prälaten und humanistischen Aufklärer kennt wohl jedes Kind des alemannischen Sprachraums aus der Schule. Und wenn nicht daher, so blieb doch zumindest der aus Hebels Gedicht. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des Geistlichen Zentrums St. Märgen öffnete sich die Türen der sonst eher zurückhaltend behüteten Bibliothek der ehemaligen Klosteranlage zu einem Memorial für den beliebten Dichter.

Mit den Memorials wird unter Federführung des Bezirkskantorats ein neues Konzertformat gepflegt, in dem sich Rezitation von Originaltexten, Moderation von historischen Zusammenhängen und Musik harmonisch ergänzen. In seiner Begrüßung würdigte Arno Zahlauer, Direktor des Geistlichen Zentrums, Hebel als einen Menschen, der sich auf Begegnungen aller Art auch mit einfachen Menschen eingelassen hätte und Aufmerksamkeit für eine tiefere Betrachtung der alltäglichen Lebensbedingungen geschaffen habe.

Bezirkskantor Johannes Götz setzte mit einem Prolog am Klavier mit zwei Miniaturen aus Schumanns "Kinderszenen" einen programmatischen Einstieg. Der beschwingten "Curiosen Geschichte" folgte das reflektierend getragene "Der Dichter spricht" und Götz fixierte dadurch musikalisch treffend die beiden der Pole Hebels Persönlichkeit. Stefan Pflaum, selbst erfolgreicher Mundartdichter, eröffnete seine Rezitationen mit dem obengenannten Gedicht von Hebel und dessen "Erinnerung an Basel". Beide Texte zeugen von der tiefen Verwurzelung des Dichters in seiner alemannischen Heimat.

Der Musikwissenschaftler Meinrad Walter charakterisierte Hebel mit dessen eigenen Worten in einer nie gehaltenen Predigt als "arm und trotzdem reich, nichts und alles habend". Die dichterische Kompetenz sei Hebel neben vielen anderen Bewunderern wie Ernst Bloch oder Elias Canetti von keinem geringeren als Goethe bescheinigt worden.

Der Freiburger Tenor und Opernsänger Hans-Jörg Mammel trug nun drei der von Martin Vogt vertonten "Alemannischen Gedichte" von Hebel vor. Vogt hatte Hebel seinerzeit im Kloster St. Trudpert in Münstertal getroffen und war von dessen Lyrik tief beeindruckt. Mammels pointierter Gesang und ebenso die von großartiger Leichtigkeit geprägte Klavierbegleitung von Johannes Götz unterstrichen die Bipolarität der Hebelschen Inhalte in kongenialer Weise.

Diese Dialektik zeigte sich ebenfalls in der von Stefan Pflaum meisterhaft vorgetragenen Kalendergeschichte vom "Kannitverstan", in der ein junger Handwerksgeselle aus Tuttlingen in der Amsterdamer Fremde durch Irrtum letztlich zur Wahrheit gelangt. Meinrad Walter beschäftigte sich danach näher mit dem pädagogischen Impetus des Dichters. Er habe in seinem Wirken Spuren gelegt aber die Interpretation oder das nachgehende Beschreiten der Fährten stets den Lesern überlassen. Weitere Vertonungen der "Alemannischen Gedichte" von Martin Vogt und Rezitationen wechselten sich ab. Als Eigenbeitrag und inspiriert von Hebels "Mann im Mond" steuerte Stefan Pflaum noch einen vergnüglichen, von ihm auf alemannisch verfassten Rap über den Mond bei. Hans-Jörg Mammel und Johannes Götz setzten zum Abschluss dieser Hommage mit dem von Robert Schumann vertonten Goethe-Gedicht "Likeus der Träumer" eine treffsichere dramaturgische Klammer zum Prolog.

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