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Barockkirche St. Peter

W. A. Mozart: Requiem KV 626 und Klarinettenkonzert KV 622



Kammerchor Hochschwarzwald Sonntag 20. November 2016
17:00 Uhr, Barockkirche


Lisa Stöhr, Sopran
Kathrin Hildebrandt, Alt
Eduard Wagner, Tenor
Clemens Morgenthaler, Bass
Christoph Wirz, Klarinette
Capella Silva Nigra
Kammerchor Hochschwarzwald
Johannes Götz, Leitung


Am Sonntag, 20. November um 17 Uhr erklingt in der Barockkirche St. Peter in einem festlichen Konzert das Requiem von Mozart. Dieses Werk ist eines der berühmtesten Werke der Kirchenmusik und erfreut sich wegen seiner vielen Facetten und Klangfarben großer Beliebtheit bei Ausführenden und Zuhörern. Im Frühsommer 1791 erhielt Mozart von einem mysteriösen „grauen Boten“ den Auftrag zur Komposition eines Requiems. Es sollte Mozarts letztes Werkwerden, viele Legenden und Mythen ranken sich um diese Komposition.
Der Kammerchor Hochschwarzwald, verstärkt durch Gastsänger und ein Orchester aus Mitgliedern der Freiburger Philharmoniker, werden unter Leitung von Johannes Götz das Werk zum Klingen bringen. Namhafte Gesangssolisten übernehmen die reizvollen Solopartien: Lisa Stöhr, in Freiburg und Basel ausgebildete Sopranistin; Kathrin Hildebrandt, Altistin aus Braunschweig mit Opernerfahrung; Eduard Wagner, erfolgreicher Nachwuchstenor; Clemens Morgenthaler; Professor für Gesang am Landeskonservatorium Vorarlberg.
Als Ergänzung zum Requiem, das ursprünglich für die Liturgie der Totenmesse komponiert wurde, erklingt das Klarinettenkonzert von Mozart, ebenfalls ein Spätwerk des Komponisten. Spätestens seit dem Film „Jenseits von Afrika“ fungiert dieses Werk als Sehnsuchtsmusik der besonderen Art. Christoph Wirz, Klarinettist aus St. Peter, wird der Solist sein. Wirz studierte an der Musikhochschule Freiburg und wirkt mit großem Erfolg als Pädagoge und Musiker im Hochschwarzwald. Besonders beeindruckend sind sein warmer Ton und seine große stilistische Bandbreite.

Mozart Requiem Solisten
Lisa Stöhr, Kathrin Hildebrandt, Eduard Wagner,
Clemens Morgenthaler
Christoph Wirz
Christoph Wirz


Vor dem Konzert wird der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Meinrad Walter einen Einführungsvortrag zu den beiden Werken halten. Dieser findet um 16 Uhr im Fürstensaal des Geistlichen Zentrums statt (Einlass über die Pforte des Geistlichen Zentrums bei freiem Eintritt).



Fotos: Leopold Rombach



















Pressebericht BZ 23.11.2016, Bericht: Erich Krieger

Gotteslob und Seelentrost


Beifallsstürme für Mozart-Konzert in der Barockkirche St. Peter.

Volkstrauertag, Totensonntag, trübes Wetter – der November trägt etwas Morbides in sich. Dazu scheint passend, dass das Bezirkskantorat Hochschwarzwald der Erzdiözese Freiburg die Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts bekanntem Requiem und sein Klarinettenkonzert KV 622 auf das Datum des Totensonntags gelegt hat. Beide Werke sind kurz vor dem Tod des Komponisten entstanden, im Falle des Requiems war es gar bei einem Fragment geblieben, das von Mozarts Schülern komplettiert wurde.
Bei dieser unklaren Entstehungssituation musste es zu Divergenzen bei der Beurteilung des Originalanteils von Mozart, zu subjektiven Interpretationen und unterschiedlichen Notierungen kommen – eine unendliche Geschichte bis heute, die weiter zu führen hier den Musikwissenschaftlern überlassen bleibt. Halten wir uns an die Musik. Johannes Götz, Bezirkskantor und Dirigent des Konzerts, setzte Mozarts Klarinettenkonzert an den Anfang des Programms.
Im ersten Allegro-Satz in A-Dur beginnt das Orchester mit einer verhaltenen Themavorstellung, um dies jedoch sofort kraftvoll zu wiederholen. Die Musiker des Orchesters Capella Silva Nigra, das es als solches gar nicht gibt, weil unter diesem Label jeweils für die Konzertaufführungen in St. Peter passende Besetzungen zusammengestellt werden, ebneten unter dem subtilen Dirigat von Johannes Götz dem Solisten Christoph Wirz an der Klarinette den Weg zu beschwingten Läufen. Der gesamte Satz ist von großer Lebendigkeit und von Optimismus bestimmt, sieht man von einer Passage für die Solo-Klarinette ab, wo sie von Dur nach Moll wechselt.
Ganz anders im Adagio. Als ob die Klarinette Betroffenheit über die eigene Courage zeigt und ins Nachdenken kommt, stellt sich getragene Ernüchterung ein, welche Raum für Selbstreflexionen bietet. Im abschließenden Rodo Allegro ist die Sache entschieden. Leicht und tänzerisch bewegt sich das musikalische Thema mit viel Ornamentik fröhlich voran. Von Novemberstimmung kann in der Kirche keine Rede sein. Dirigent, Musiker und Solist ernten von den Besuchern verdient reichen Beifall.
Im Requiem beginnt der durch das ganze Werk hindurch im Mittelpunkt stehende Chor im Introitus mit dem bittend vorgetragenen Wunsch nach ewiger Ruhe für die Seelen der Toten, ohne vorher zu vergessen, Gott zu loben. Das Kyrie folgt lebhaft, laut und unmittelbar, jetzt aber durchaus fordernd: Erbarme dich. Dieser Gestus mündet in noch größere Steigerung beim Chor-Klassik-Hit Dies irae.


Solisten in gekonntem Wechselgesang

Schmetternd kündigt der um Projektsänger verstärkte Kammerchor Hochschwarzwald den höchsten Richter und drohend dessen strafende Hand an. Dem Solistenquartett aus Lisa Stöhr (Sopran), Kathrin Hildebrandt (Alt), Eduard Wagner (Tenor) und Clemens Morgenthaler (Bass) bleibt es vorbehalten, das Procedere des Jüngsten Gerichts zu beschreiben, was den Chor im Rex tremendae veranlasst, den "schrecklichen König" allgemein um Gnade zu bitten. Wiederum konkret werden im Recordare die vier Gesangssolisten. In gekonntem Wechselgesang tragen sie ausführlich das Flehen eines einzelnen Sünders vor, von der Hölle verschont zu werden und sich letztlich zu den Schafen und nicht zu den Böcken gesellen zu dürfen. In unterwürfiger Diktion beendet der Chor im Confutatis voll Reue den Wunsch nach Zugang zur ewigen Seligkeit.
Übergangslos schließt sich das Lacrimosa, zweifellos der bekannteste Part des Requiems, mit seiner tief bewegenden Bitte um Erbarmen an diesem "tränenreichen Tag" an. Aber auch hier setzt das abschließende gewaltige Amen ein Ausrufezeichen, das eher wie eine Forderung klingt. Im Offertorium wird im Domine Jesu der "König der Herrlichkeit" abwechselnd von Chor und Solisten direkt angesprochen, so, wie einst verheißen, die Gläubigen ins heilige Licht zu führen. Zur Bekräftigung kündigt der Chor im Hostias Opfergaben an.
Die weiteren Teile des Requiems Sanctus, Benedictus und Agnus Dei werden Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr zugeschrieben. Im hymnischen Sanctus bringt der Chor jeden Winkel des Barockbaus zum Schwingen und die Solisten setzen im Benedictus das Gotteslob fort. Im abschließenden Lux aeterna wird auf Themen aus dem ersten Satz und dem Kyrie wieder zurückgegriffen. Alle Mitwirkenden boten an diesem Sonntag in kongenialem Zusammenspiel ein denkwürdiges und bewegendes Musikereignis, das musikalisch vielfach weit optimistischer stimmte, als sein Inhalt vermuten lässt.

Die Künstler wurden verdient mit einem minutenlangen Beifallssturm bedacht. Die Künstler bedankten sich ihrerseits mit dem als Zugabe erneut gespielten Lacrimosa.


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