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Barockkirche St. Peter

Östlicher Divan - Chormusik aus Osteuropa


Sonntag, 3. Juli 2016, 17 Uhr, Barockkirche St. Peter
Werke von Janácek, Kodaly und Dvorák


Eduard Wagner Kirsten Ecke Georg Koch Östlicher Divan



Burga Schall (Alt), Eduard Wagner (Tenor), Kirsten Ecke (Harfe), Georg Koch (Orgel)
Kammerchor Hochschwarzwald
Johannes Götz, Leitung


Am Sonntag, den 3. Juli 2016 um 17 Uhr findet in der Barockkirche St. Peter unter dem Motto „Östlicher Divan“ ein Konzert mit geistlicher Chormusik aus Osteuropa statt.
„Lieben Sie Janáček?“ „Seine Musik ja, aber ihn nicht“, so das entschiedene Urteil der Brünner Sängerin Marie Calma-Veselá, die ihn bestens kannte. Seine Kantate „Vater unser“ muss man mögen: Chor und Solo-Tenor singen mit charakteristischer Begleitung von Orgel und Harfe die Bitten des Vaterunsers mit großem emotionalen Ausschlag und slawischen Melos. Zoltán Kodálys „Laudes organi“ vertont einen lat. Hymnus des 12. Jahrhunderts aus dem Kloster Engelberg (vielleicht St. Blasien). Die Orgel spiel eine zentrale Rolle in diesem Werk: eine großartige Aufgabe für die neue Chororgel, die zum ersten Mal konzertant mit Chor erklingt. Dvořáks „Biblische Lieder“ bringen mit östlicher Inbrunst ausgewählte Psalmen zu Gehör.
Der Organist Georg Koch betreute als Erzbischöflicher Orgelinspektor das Neubauprojekt Chororgel. Nach seinem Studium an der Freiburger Musikhochschule und Privatstudien bei Daniel Roth in Paris wirkt er als Bezirkskantor für den Hegau/Bodenseekreis. Er ist ein gesuchter Musiker und Kenner romantischer Orgelmusik. Zurzeit fungiert er als Herausgeber sämtlicher Widor-Symphonien beim Carus-Verlag.
Die Harfinistin Kirsten Ecke tritt mit bedeutenden Klangkörpern auf und ist als Honorarprofessorin an der Musikhochschule Freiburg tätig. Sie war vor zwei Jahren in einem vielbeachteten Recital in St. Peter zu hören.
Der Tenor Eduard Wagner ist mit der Kirchenmusik von St. Peter „groß geworden“. Als langjähriger Assistent bei den internationalen Orgelkonzerten kennt er die Orgelanlage wie kein Zweiter. Nach seinem Masterabschluss in Kirchenmusik in Freiburg bereitet er sich momentan auf einen zusätzlichen Masterabschluss in Gesang vor. Eduard Wagner ist ein gefragter Sängen im oratorischen Bereich und konnte auch auf der Opernbühne beachtliche Erfolge erzielen.
Die Sängerin Burga Schall wirkt vornehmlich im pädagogischen Bereich u. a. als Stimmbildnerin des Kammerchores Hochschwarzwald, der sich neben den bekannten Oratorien auch den Seitenpfaden der Chormusik verschrieben hat.




Pressebericht BZ 09.07.2016, Bericht und Foto:Erich Krieger

Musikalische Reise gen Osten


Ungewohnte Klänge beim Konzert "Östlicher Divan" in der Barockkirche St. Peter / Chor- und Orgelmusik meisterhaft serviert

Im Titel wohl angelehnt an Goethes bekannteste Gedichtsammlung "West-östlicher Divan" präsentierte jetzt das Bezirkskantorat St. Peter ein exquisites Programm osteuropäischer Kompositionen für Chor, Solisten, Harfe und Orgel.

Der furiose Auftakt blieb allerdings zwei Werken des Franzosen Charles-Marie Widor vorbehalten, vorgetragen vom Erzbischöflichen Orgelinspektor und Bezirkskantor Hegau/Bodenseekreis Georg Koch an der Orgel.

Als Herausgeber der Widor-Symphonien hatte er sich für das "Intermezzo" aus der VI. Symphonie op. 42 entschieden, und das zu Recht. Die gewaltig aufbrausenden Intro-Takte erforderten sofort die ganze Kraft der Orgel, um nach einem eher lyrischen Zwischenspiel in einem martialischen Schlussakkord zu enden. Das "Andante cantabile" aus der IV. Symphonie op. 13 überraschte mit einem gefühlvollen, volksliedartigen und immer wiederkehrenden Thema, das zum Mitsummen reizte und sich zum regelrechten Ohrwurm entwickelte.

In deutlichem Kontrast dazu die dazwischen geschobenen Widorschen Variationen und Umspielungen des Themas, von Koch virtuos dargeboten. Mit dem Auftritt des Kammerchores Hochschwarzwald unter der Leitung vom Hausherrn und Bezirkskantor Johannes Götz begann die Reise gen Osten. In den "Laudes Organi", einem Hymnus aus dem 12. Jahrhundert und vertont von Zoltán Kordály, werden tatsächlich Loblieder auf das Orgelinstrument – auch in den höchsten Tönen – gesungen. Auch hier eine treffliche Auswahl, denn seit der Fertigstellung der neuen Chororgel fand hier das erste Zusammenwirken mit einem Chor statt. Und was für einem! Unter dem fulminanten Dirigat von Götz gelang es dem Chor, in höchster Tonreinheit in den Stimmlagen zu dialogisieren, sich zu ergänzen, um sich schließlich in einem orgiastischen "Amen" final ineinander zu verschlingen. Obwohl der Orgel gewidmet und in deren Parts von Koch zu verdienter Geltung gebracht, war es vor allem der Chor, der für emotionalen Rückenschauder sorgte.

Eine Auswahl von fünf "Biblischen Liedern" op. 99 von Antonin Dvorák für Alt, Tenor und Orgel folgte. Der Tenor Eduard Wagner, den Freunden der Internationalen Orgelkonzerte von St. Peter durch seine Konzerteinführungen und Explikationen der beiden Orgeln der Barockkirche wohlbekannt, trug im Wechsel mit der Altistin Burga Schall die ausgewählten Psalmen vor. Dvorák komponierte diesen Liederzyklus in einer depressiven Phase, was sich in eher sparsamen, wenig ornamentierten Melodieführungen niederschlug.

Das Finale gehörte Leon Janáceks Komposition "Octenás – Vater unser" für Tenor, Chor, Harfe und Orgel. Den Impuls für sein Werk fand Janácek in einem achtteiligen Bilderzyklus des polnischen Malers Józef Mecina-Krzesz. Fünf von ihnen ordnete er einzelne Bitten des Vater unsers zu und in der Uraufführung wurden diese durch Schauspieler "lebendig". In St. Peter fehlte die Darstellung dieses Zusammenhangs. Orientiert man sich ohne Kenntnis der Bilder nur an der Musik, so klangen die im Gebetstext vorgetragenen Bitten eher als Forderungen, die im Falle des Wunsches nach dem täglichen Brot äußerst vehement gestellt wurden.

Auch wenn mit dem "Östlichen Divan" die gewohnten Gleise Romantik und Barock verlassen wurden, war auch dieses Konzert von auserlesener Qualität. Ruhig mehr davon.

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