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Barockkirche St. Peter

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion


Sonntag, 12. März 2017
17 Uhr, Barockkirche

Am Sonntag, den 12. März wird in der Barockkirche St. Peter um 17 Uhr die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Die vokal wie instrumental überaus reich besetzte Matthäuspassion ist das zentrale Werk der Leipziger Kirchenmusik von J. S. Bach. Zugleich gilt die doppelchörig angelegte Passionsmusik als ein Höhepunkt protestantisch-barocker Tonkunst. Bach erzählt nicht nur, was im Matthäusevangelium steht. Er gestaltet die Passion höchst dramatisch und nimmt die Hörer bei den Arien und Chorälen mit hinein in das Trauern und Mitleiden. Aus heutiger Sicht zählt die Matthäuspassion zu den Spitzenwerken abendländischer Musik. Sie ist klingende Bibelauslegung, komponiertes Gebet und Musik voller Leid und Leidenschaft. Das monumentale Werk bezieht auch den Kirchenraum ein, durch Doppelchörigkeit, zwei Orchester und Knabenchor (Freiburger Domsingknaben) entsteht eine intensive räumliche Klangwirkung.
Durch einen Dozentenkontakt an die Freiburger Musikhochschule empfahl sich der Osaka Bach Chor für eine Aufführung, in dem Kirchenraum und Werk kongruent sind. Die Wahl fiel auf St. Peter als stimmigsten sakralen Barockbau des Breisgaus. Mit Eduard Wagner wird ein junger Dirigent das Werk leiten und einer dramatischen Aufführung die notwendigen Impulse verleihen.
Der Einführungsvortrag im Fürstensaal des Geistlichen Zentrums um 14:30 Uhr von Musikwissenschaftler Dr. Meinrad Walter erhellt Bachs Werk (Eintritt frei).






Passionsgeschichte in opernhafter Dramatik

Mehr als 170 Mitwirkende bei der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach in der Barockkirche St. Peter / Gesamtleitung in Händen von Eduard Wagner.
BZ, 14.03.17, Bericht und Fotos: E. Krieger



Johann Sebastian Bachs größtes Passionswerk steht in besonderer Beziehung zur Barockkirche in St. Peter. Die Uraufführung eines der bedeutendsten Werke der Kirchenmusik aller Zeiten fand 1727 in einer ersten Fassung in der Leipziger Thomaskirche statt, an der der Meister die Kantorstelle besetzte. Nach einigen Bearbeitungen fertigte Bach 1736 seine noch heute gültige Reinschrift und just im selben Jahr wurde das barocke Prachtstück auf Schwarzwaldhöhen baulich vollendet.

Die damalige Aufnahme des Opus magnus war verhalten. So soll nach dem Programmheft der St. Petermer Aufführung am vergangenen Sonntag in Leipzig eine betagte "adeliche Witwe" ihren Unmut mit der verächtlichen Klassifizierung "Opera-Comödie" geäußert haben. Erst mit der Wiederaufführung durch Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1829 erlebte die Matthäus Passion ihren endgültigen Durchbruch.

In St. Peter lag die Verantwortung für das Projekt in den Händen von Eduard Wagner, seines Zeichens frischgebackener Tenor, Organist und Dirigent und ab kommendem April Kirchenmusikdozent am Collegium Borromaeum in Freiburg. Er war vordem Schüler von Bezirkskantor Johannes Götz und erhielt noch vor seinem 30. Geburtstag von seinem Lehrer das Vertrauen für die Leitung dieses Monumentalwerks für Solisten, zwei Chöre und Orchester.

War dies schon nicht alltäglich, fiel die Wahl des zweiten Chores auf die Freiburger Domsingknaben und das Orchester unter dem Namen Capella Silva Nigra wurde ebenfalls überwiegend mit jungen Musikern aus der Umgegend besetzt. Der Hauptchor bestand aus den Sängerinnen und Sängern des Osaka Bach Choir unter der Leitung des Tenors und Dirigenten Yoshifumi Hata, der durch Dozentenkontakte zur Freiburger Musikhochschule im Rahmen einer internationalen Konzerttournee gewonnen werden konnte. Erfahrene Chorsänger/innen und Gesangsstudierende aus Freiburg verstärkten diesen auf Passionen, Kantaten und Oratorien spezialisierten Chor.

Eduard Wagner hatte nur einen Tag Zeit, sämtliche Mitwirkenden zusammenzuführen. Obwohl die Sänger mit der Literatur bestens vertraut waren, ist dies eine Meisterleistung. Dass dies vorzüglich gelang, wurde bereits im Eingangschor bewiesen. Orchester, Osaka Bach Choir und Domsingknaben verschmolzen im vorgegebenen Frage- und Antwort-Dialog zu einer Einheit mit gewaltiger Ausstrahlung, die in den folgenden dreieinhalb Stunden nie nachließ. Yoshifumi Hata mit seiner allseits präsenten und vollen Tenorstimme oblag der narrative Part des Evangelisten und somit die sängerische Hauptarbeit mit dem Evangeliumtext in der Übersetzung von Martin Luther.

Für die Jesusworte zeichnete der Bariton Torsten Meyer mit Professur für Gesang an der Musikhochschule Freiburg und in dieser Eigenschaft auch Lehrer von Eduard Wagner verantwortlich. Die Sopranistin Aya Tsujimoto überzeugte mit klarer Stimme und unaufdringlichem Vibrato und der ehemalige Freiburger Domsingknabe Tobias Knaus schwang sich als mittlerweile studierter Countertenor oder Altus in höchste Tonlagen empor. Den Reigen der Solisten vervollständigte als prägnanter Bass Nobuhiro Shinobe aus Osaka und dort Direktor einer eigenen Music Academy. In ihren Rezitativen und Arien sorgten die vorzüglichen Solisten stets für opernhaft dramatische Spannung und korrespondierten in Singspielmanier mit Orchester und Chor.

Und noch eine Neuerung bot die St. Petermer Inszenierung: Bei einigen der Choräle, die sich im Laufe der Zeit in Melodie und Text zu bekannten Kirchenliedern entwickelt haben, war das Publikum zum Mitsingen aufgefordert und dies klappte einwandfrei und überzeugend. Einen ganz besonderen Gefühlsmoment nach dem Verklingen des letzten Tons im Schlusschor ermöglichte das direkt anschließende Glockengeläut, das dem Publikum eine Spanne kontemplativer Stille ermöglichte, bevor minutenlanger Beifall und Bravo-Rufe aufbrandeten. Es gab sicher schon prominenter besetzte Aufführungen dieses grandiosen Werks, aber die Zuhörer im vollbesetzten Kirchenraum waren ob der wagemutigen Frische des Vorgetragenen restlos begeistert.

Matthäus-Passion 12.03.17
Matthäus-Passion 12.03.17
Domsingknaben
Domsingknaben
Evangelist Y. Hata
Evangelist Y. Hata
Osaka Bach Choir und Capella Silva Nigra
Osaka Bach Choir und Capella Silva Nigra
E. Wagner dirigiert Zuhörer beim Choral-Singen
E. Wagner dirigiert Zuhörer beim Choral-Singen


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