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Barockkirche St. Peter

Pressebericht zum Concerst spirituel "Die Primadonna und der russische Dichter"


Opernstar trifft russischen Dichter
"Concert Spirituel" in St. Peter beleuchtet die Beziehung von Pauline Viardot-Garcia und Iwan Turgenjew

BZ, 16.03.2019 von Erich Krieger

Seit zehn Jahren finden in der Reihe "Concert Spirituel" exquisite Kammerkonzerte, oftmals in inhaltlicher Verbindung mit Prosa oder Lyrik, im Fürstensaal oder der Rokoko-Bibliothek des einstigen Klosters St. Peter statt. Morgen, Sonntag, präsentieren Györgyi Dombradi (Mezzosopran) und Lambert Bumiller (Klavier) unter dem Titel "Die Primadonna und der russische Dichter" Lieder der multitalentierten Pauline Viardot-Garcia (1821 bis 1910) und einer darin eingewobenen Erzählung des russischen Dichters Iwan Sergejewitsch Turgenjew. Für die Textrezitation konnte der Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler Siemen Rühaak gewonnen werden. Der Pianist und Chorleiter Lambert Bumiller war durch die Beschreibung von Künstlerschicksalen seines Lehrers Dietrich Fischer-Dieskau erstmals auf die Künstlerdynastie Garcia gestoßen.

Pauline Viardot-Garcia, in Paris geboren, erlernte das Singen von ihrem Vater, dem berühmten spanischen Tenor Manuel Garcia. Im Klavierspiel unterrichtete sie kein Geringerer als Franz Liszt, in die Grundlagen der Komposition wurde sie von Anton Reicha eingeführt. Sie folgte schon früh als Sängerin den Spuren ihrer jung verstorbenen Schwester Maria Malibran und entwickelte sich zu einem gefeierten Opernstar, der in allen führenden internationalen Opernhäusern Triumphe feierte. Für Bezirkskantor Johannes Götz, der für das musikalische Programm in der Barockkirche St. Peter und dem dortigen Geistlichen Zentrum verantwortlich zeichnet, gilt sie als die Maria Callas des 19. Jahrhunderts.

Sie heiratete 1840 den wesentlich älteren und hochbegüterten Kunstimpressario Louis Viardot und konnte fortan neben ihrer eigenen künstlerischen Karriere als Sängerin und später Komponistin das Leben einer großzügigen Kunstmäzenin und Veranstalterin hochkarätiger Matineen in ihrem musikalischen Salon führen, insbesondere in ihrem herrschaftlichen Anwesen in Baden-Baden. Dies führte zu engen Kontakten mit der künstlerischen Crème de la Crème der damaligen Zeit. Clara und Robert Schumann, Charles Gounod, Hector Berlioz, Frédéric Chopin, Johannes Brahms, Richard Wagner, George Sand, Camille Saint-Saens sind nur einige der Namen, die bei den Viardots aus und ein gingen. Und natürlich Iwan Turgenjew. Er avancierte vom glühenden Verehrer zum engen Freund und Geliebten Paulines. Da Turgenjew sich auch mit ihrem Mann Louis Viardot vor allem als Jagdgenosse gut verstand, entwickelte sich eine wie auch immer geartete schöpferische Ménage-à-trois bis zu Turgenjews Lebensende mit vielen Besuchen und Briefwechseln hin und her.

Die Baden-Badener Zeit, in der die Veranstaltungen und Kontakte von Pauline Viardot-Garcia maßgeblich zum kulturellen Ruf der Stadt beitrugen, endete mit dem deutsch-französischen Krieg 1870, der die Viardots nach Paris zurücktrieb.

Forschungen in Paris nach dem kompositorischen Nachlass
Bei einem Liederabend in Basel hatte das Künstlerduo Dombradi-Bumiller eine Begegnung mit dem Arzt Hans Viardot aus dem Wiesental, einem Nachfahren der großen Pauline. Dadurch inspiriert schlossen sich umfangreiche Forschungen nach ihrem kompositorischen Nachlass, unter anderem in der Bibliothèque Nationale de France in Paris an. Es ergab sich eine beachtliche Materialfülle und nach mühseligen, langdauernden Verhandlungen konnten die beiden Rechtstitel für Aufnahmen ihrer Kompositionen erreichen. Als besonderes Highlight gelang es Bumiller, dabei das Original eines zu Lebzeiten angefertigten Bildabzugs von Pauline von einer geätzten Glasplatte aus dem Museum zu ergattern, der sich nun als gehüteter Schatz in seinem Privatbesitz befindet. Im Jahr 2000 erschien dann eine viel beachtete und von der Kritik hochgelobte CD der beiden mit dem Titel "Pauline Viardot-Garcia, Mélodies-Lieder-Songs".

Am Sonntag besteht nun im Fürstensaal in St. Peter die Gelegenheit, einiges daraus live zu erleben und darüber hinaus musikalisch-literarisch vieles über die spezielle Beziehung zwischen der Primadonna und dem russischen Dichter zu erfahren. .


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