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Barockkirche St. Peter

Neujahrskonzert 2019

Dienstag, 1. Januar 2019, 17 Uhr Barockkirche



BZ, 04.0.19, Bericht und Foto: E. Krieger

Neujahrskonzert 2019: Mit Orgeln und Trompeten

Neujahrskonzert in der Barockkirche St. Peter versetzt volles Haus in Verzückung

Für viele Musikliebhaber aus der Region beginnt das neue Jahr erst richtig mit dem Besuch des alljährlich am Neujahrstag stattfindenden Konzerts in der Barockkirche St. Peter. Bezirkskantor Johannes Götz präsentiert jedes Mal ein exquisites Programm und lädt dazu entsprechend hochkarätige musikalische Partner ein. Diesmal war es Immanuel Richter, Solotrompeter des Sinfonieorchesters Basel.



Johannes Götz (Orgeln) und
Immanuel Richter (Trompeten) bescherten ein begeisterndes Neujahrskonzert.
Hier musizieren sie am Truhenorgel-Positiv und mit einer historischen Barocktrompete.




Vor seit Jahren gewohnt vollem Haus eröffneten die beiden Virtuosen das Programm im vorderen Chorraum mit einer Spezialität. Richter spielte die "Sonata Seconda" für Trompete und Orgel von Giovanni Bonaventura Viviani auf einer Barocktrompete ohne Ventile oder andere mechanische Hilfsmittel, auf der nur Naturtöne zu erzeugen sind und die einen halben Ton tiefer gestimmt ist als heute üblich. Alle Töne können nur mit dem Mund geformt werden und nur wenige Trompeter beherrschen die dafür notwendige Technik. Johannes Götz benutzte für seinen Part ein Truhenorgel-Positiv in der gleichen Stimmung.

Für das folgende "Pièce d`Orgue" von Johann Sebastian Bach setzte sich Götz an den mobilen großen Spieltisch im Chor, von dem er aus die Klais-Hauptorgel auf der Empore und die erst jüngst neu installierte Chororgel bedienen konnte. Dies nutzte er durch rasantes Umschalten zu einem quirligen Dialog der beiden Instrumente – ein nicht alltägliches Klangerlebnis für die Besucher.

Die beiden Künstler spurteten nun vom Chorraum auf die Empore für das "Concerto in d" von Alessandro Marcello. Dieses Stück könnte man als musikalischen Ausdruck der Herausbildung guter Neujahrsvorsätze betrachten. Die spitzige Bachtrompete im Andante bringt Aufruhr, legt gnadenlos vorhandene Defizite bloß. Das elegische Adagio gibt Raum für Reflexion, ermöglicht Einsicht und befördert Veränderungswillen. Schließlich treibt das gewaltige Presto mit Riesenschritten vorwärts in die praktische Umsetzung. Schade, dass die Musik nicht allgegenwärtig bleibt und vielleicht deshalb die meisten Vorsätze bald wieder auf der Strecke bleiben.

Etwas leichter dann drei Stücke aus Claude Debussys "Childrens Corner". Diese Sammlung von Klavierstücken hatte der Komponist seiner Tochter gewidmet und Johannes Götz hat sie für Orgel bearbeitet. Zusammen unternahmen die beiden Virtuosen als nächstes einen Ausflug in die Oper mit "Addio per sempre" aus Giuseppe Verdis "Don Carlos". Der Titelheld nimmt für immer Abschied von Elisabeth. Ähnlich getragen begann danach der "Chant du Berger" von Jean-Francois Michel. Vielleicht hatte der Schäfer in diesem Hirtenlied ein Schaf verloren und gesucht. Der lebendig jauchzende Schlussteil legt allerdings nahe, dass er es voll Freude wieder gefunden hat. Diesen Trompetenpart konnte man sich auch leicht von einer Hochweide in den Alpen ins Tal geblasen vorstellen.

Völlig anders wiederum die Vertonung "The Lost Chord" des irischen Komponisten Arthur Sullivan nach einem Gedicht von Adelaide Proctor. Im Text spürt ein Musiker einem verlorenen Akkord nach, um dadurch bei letzten Fragen des Lebens zu landen. James Joyce ließ in "Ulysses" seine Hauptfigur Leopold Bloom denselben Weg nachvollziehen und die Interpretation von Götz und Richter ebenso. Deren Zusammenspiel steigerte sich in ein grandioses hymnisches Finale und verlieh somit hoffnungsvolle Zuversicht beim inneren Diskurs.

Das Adagio als erster von zwei Sätzen aus der "5. Symphonie für Orgel" von Charles-Marie Widor beruhigte wieder die Gemüter mit seiner fast depressiven Anmutung, die sich aber mit der anschließenden Toccata schlagartig verflüchtigte. Johannes Götz zog alle Register dieses bekannten Orgelwerks, das in einem opulenten Schlussakkord endet.

Das abschließende "Trompetenkonzert Nr. 1 Es-Dur" von Johann Wilhelm Hertel fasste mit seinen Sätzen Allegro, Larghetto und Vivace noch einmal alle Stimmungen des Konzerts zusammen und ein aufgeräumtes und dankbares Publikum bescherte den beiden Künstlern wahre Beifallsstürme. Zumindest musikalisch stimmte der Jahresbeginn.


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