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Barockkirche St. Peter

Concert spirituel 2013



Sonaten von Scarlatti und Beethoven

Alfonso Gómez, Klavier
Sonntag, 3. November 2013, 17 Uhr, Fürstensaal des Geistlichen Zentrums


Alfonso GómezDomenico Scarlatti (1685 - 1757) steht mit seinen meisterlichen Klaviersonaten auf der Schwelle zwischen Barock und Klassik. Deshalb erleben wir in diesem Konzert die Geburt der Klaviersonate ebenso wie ihre Vollendung mit Beethovens zweisätzigem Spätwerk opus 111 in c-Moll, das 1822 als seine letzte Klaviersonate entstanden ist.

Die geistig-geistlichen Werke werden interpretiert von dem 1978 geborenen spanischen Pianisten Alfonso Gómez. Ihm gelang in den letzten Jahren eine große internationale Karriere mit Wettbewerbserfolgen sowie CD-Einspielungen und Radioaufnahmen. Der besondere Reiz dieses Concert spirituel besteht im Zusammenspiel von Klaviermusik und Rezitation (Meinrad Walter), u. a. aus Thomas Manns berühmtem Musikroman "Doktor Faustus", zu dessen Themen auch Beethovens opus 111 zählt.






Renaissancemusik im Fürstensaal

Am Sonntag, den 23. Juni um 17 Uhr findet im Fürstensaal des Geistlichen Zentrums St. Peter in der Reihe der Concerts spirituels ein sehr interessantes Konzert statt.
Eingeladen ist das renommierte Vokalensemble "Stimmwerck": Vier Herren mit internationaler Konzerterfahrung, die seit 2001 Renaissancemusik auf höchstem Niveau darbieten. Franz Vitzthum, der seit der spektakulären Interpretation der Arien in der Matthäuspassion 2011 in St. Peter bestens bekannt ist, übernimmt die Kontratenorpartie.

Das Ensemble wird unter dem Motto "Du hast mein Herz verwundt" Musik zum Hohelied der Liebe aus dem Alten Testament vortragen. In der Renaissance mit ihrem schier unerschöpflichen Reichtum an Vokalmusik hat diese orientalische Liebesdichtung viele Komponisten und Dichter angeregt.
Im ersten Teil des Konzertes erklingen lateinische Motetten von John Dunstable bis Heinrich Isaac. Deftiger wird es nach der Pause zugehen, wenn der Humor der Renaissance die Liebe im täglichen Leben karikiert. Motetten und Liedsätze auf deutsch von Ludwig Senfl, Caspar Othmayer, Michael Praetorius u. a. umreißen die Tücken von Liebe und Begierde.
Meinrad Walter wird das Konzert mit poetischen Auslegungen des Hoheliedes aus der Feder jüdischer wie christlicher Autoren in bewährter Weise bereichern.



Badische Zeitung, 26.06.2013, Bericht und Fotos: Hans Jürgen Kugler

Teils geradezu himmlisch, teils augenzwinkernd

Das A-cappella-Ensemble Stimmwerck beeindruckte in St. Peter.

Das renommierte A-cappella-Ensemble Stimmwerck trat jetzt innerhalb der Reihe Concert spirituel im Fürstensaal des Geistlichen Zentrums in St. Peter auf. Der Name Stimmwerck geht auf den Renaissancekomponisten Michael Praetorius zurück und bezeichnet eine Gruppe gleicher Instrumente. Die beiden Tenöre Gerhard Hölzle und Klaus Wenk, der Bassbariton Marcus Schmidl und der Kontratenor Franz Vitzthum sind gefragte Spezialisten des Ensemblegesangs, die den zahlreichen Interessierten in St. Peter ein ausgesuchtes Programm erlesener Gesangskunst präsentierten. Unter dem Titel "Du hast mein Herz verwundt" stellten die Sänger im ersten Teil Motetten und Lieder der Renaissance vor, kunstvolle polyphone Vertonungen, die das biblische Hohelied zum Thema haben.

Das Hohelied wirke im Zusammenhang mit den alttestamentarischen Texten fast wie ein Fremdkörper, erläuterte Musikwissenschaftler Meinrad Walter in einer begleitenden Werkeinführung zu Beginn des Konzerts die Einzigartigkeit des Hoheliedes, das mit "sinnlicher Liebeslyrik, die weder von Gut und Böse noch von Gott etwas weiß" seit jeher Sängern und Komponisten als Inspirationsquelle diente. Das außergewöhnliche Ensemble intonierte die Lieder und Motetten in betörender Schönheit und klangrein verflochtenen Stimmen. Der glasklare und knabenhaft reine Kontratenor von Franz Vitzthum verlieh dem Quartett mit kraftvoll strahlender Stimme ein unverwechselbares Klangbild.

Was da dem textunkundigen Hörer als höchst ätherisch und entrückt dargebotene kirchenmusikalische Gesangskunst präsentiert wurde, erwies sich bei näherem Hinhören als eine geradezu himmlisch zu nennende Hymne auf die sinnliche Liebe und die Verführungskraft des weiblichen Geschlechts. Von tropfendem Honigseim ist da die Rede, von Granatäpfeln, süßen Liebkosungen und küssenden Lippen. Die Schlusszeile der Motette Quam pulchra es von John Dunstable (Ibi dabo tibi ubera mea – Dort werde ich dir meine Brüste geben) krönten die Musiker mit einem geradezu ekstatisch herausgeschmetterten "Halleluja!".

Doch auch Zeitgenössisches boten die Musiker. Das Canticum canticorum des zeitgenössischen Komponisten Ivan Moody fügte sich organisch in die Renaissance-Motetten ein. Zunächst scheinbar ganz im alten Stil komponiert, evoziert der Komponist in mikroskopisch fein gesponnenen Intervallen durch entrückte Schwebeeffekte eine quasi diesseitige "Himmelfahrt" im Liebesglück. Einen schönen Kontrast dazu bildeten die eher melancholischen Lieder zum Thema, wie das baritonal grundierte dreistimmige In lectulo meo von Ottaviano Petrucci.

Da, wie Meinrad Walter bemerkte, bereits im ersten Teil die überkommene Unterscheidung von weltlich und geistlich aufgehoben worden war, widmeten die Sänger den zweiten Teil des Konzerts deutschsprachigen Liebesliedern aus der Renaissance. Zum Teil auch heute noch bekannte Volkslieder und Gassenhauer wie "Es hett ein Biedermann ein Weib" oder "Tritt auf den Riegel von der Tür" präsentierte das Quartett nicht nur in makelloser technischer Perfektion, sondern auch mit umwerfendem komödiantischem Talent. Neueren Datums dürfte die zum Teil vielsagend stumm gesummte und gepfiffene Moritat eines unbekannten Verfassers über einen gewissen Pfarrer von St. Veit sein, der von seiner Diözese wegen unsäglicher Homosexuellenhetze und Islamfeindlichkeit mit Predigtverbot belegt worden war. Mit der Klage "Ach Scheiden macht uns die Äuglein nass" verabschiedete sich augenzwinkernd das Ensemble.