B a r o c k k i r c h e   S t .   P e t e r



Barockkirche St. Peter

DruckenSommerliche Orgelkonzerte 2013




21.07. Weitere Informationen zum Orgelkonzert in der Barockkirche St. PeterEröffnungskonzert
Kirsten Ecke, Harfe
Johannes Götz, Orgel
Werke von Händel, Debussy, Bach, Wagner und Verdi
   
28.07. Weitere Informationen zum Orgelkonzert in der Barockkirche St. PeterKevin Bowyer, England
ST. PETER (BA)ROCKT
   
04.08. Weitere Informationen zum Orgelkonzert in der Barockkirche St. PeterHelmut Binder, Österreich
Werke von Mozart, Haydn, Rheinberger u. a.
   
11.08. Weitere Informationen zum Orgelkonzert in der Barockkirche St. PeterGuilio Mercati, Italien
Werke von Scarlatti, Buxtehude und Reubke
   
18.08. Weitere Informationen zum Orgelkonzert in der Barockkirche St. PeterLeo van Doeselaar, Niederlande
Werke von Bach, Sweelinck, Guy Bovet u. a.
   
25.08. Weitere Informationen zum Orgelkonzert in der Barockkirche St. PeterPascale Van Coppenolle, Schweiz
Werke von KomponistINNEN


Eintritt: 9 €, (incl. Beitrag zur Orgelrenovation), freier Eintritt für Schüler/Studenten
NUR Abendkasse, Kirche ab 16:30 Uhr geöffnet, kostenlose Orgelführung im Anschluss an das Konzert



Pressebericht aus der BZ



BZ, 27.08.13, Bericht und Foto: Hans Jürgen Kugler

Eindrücklich, verstörend, monumental

Komponistinnen der Romantik bis in die Gegenwart / Abschluss der Orgelkonzerte in St. Peter mit Pascale Van Coppenolle.

Frauen an der Orgel sind zumindest während des Gottesdienstes keine Seltenheit. Eine Frau als Komponistin eines Orgelwerkes allerdings zählt doch eher zu den Ausnahmeerscheinungen. Aber es gibt sie, und ihre Werke brauchen sich hinter den Kompositionen ihrer männlichen Kollegen nicht zu verstecken. Zum Abschluss der Internationalen Orgelkonzerte in St. Peter präsentierte die Schweizer Organistin und Musikwissenschaftlerin Pascale Van Coppenolle einen Querschnitt des Orgelschaffens von Komponistinnen der Romantik bis in die Gegenwart.

Eine der bekanntesten Komponistinnen der Romantik ist Fanny Hensel-Mendelssohn, die im Gegensatz zu ihrem Bruder ihr außerordentliches musikalisches Talent auf Anordnung des Vaters nicht zum Beruf machen durfte. Bei ihrer Hochzeit mit dem Hofmaler Wilhelm Hensel hatte ihr Bruder Felix, der bekanntermaßen mit der Komposition eines Hochzeitsmarsches durchaus nicht überfordert gewesen wäre, offensichtlich keine Zeit gefunden, für seine Schwester ein passendes Orgelwerk zu komponieren.
Selbst ist die Frau! dachte sich Fanny und machte sich kurzerhand selbst ans Werk – "Präludium für meine Hochzeit". Und das kann sich hören lassen: Ein vollstimmiger feierlicher Einzug von Händel'schem Format, Schicht um Schicht aufgetürmt, triumphal von Anfang bis Ende. Nicht nur ihrem Gatte dürften da die Ohren geklingelt haben.

Ethel Smyth hatte sich von einem väterlichen Berufsverbot nicht davon abhalten lassen, ihrer musikalischen Leidenschaft zu folgen, Beethoven sei Dank. Beim Studium von dessen Klaviersonaten fasste die frühe Frauenrechtlerin den unumstößlichen Entschluss "...mein Leben der Musik zu widmen".

Nicht Beethoven, sondern Choräle von Johann Sebastian Bach standen den "Five Choral Preludes" Pate. Zumeist zurückhaltend registriert, erklingt die Hymne auf das "schöne Weltgebäude", geschäftige Begleitstimmen liefern den Hintergrund für die schlichte, klar konturierte Hauptstimme. Auch in dem dritten Choral "Schwing dich auf zu deinem Gott" ragt der ermutigende Appell aus untergründigem Figuralwerk um so deutlicher hervor. Kontrastierend dazu in hohler, basslastiger Registratur Prelude und Fuge über den Passionsgesang "O Traurigkeit, o Herzeleid".

Spanisches Feuer und Temperament dagegen verspricht die Orgelkomposition "Fiesta" der 1927 geborenen Emma Lou Diemer. Doch zunächst ist lediglich ein einzelner, liegender Basston zu hören. Vereinzelt tropfen hallige Klänge wie in einer Höhle, bilden kurze Motivfetzen. In immer engeren Intervallschritten verdichtet sich das Tongeflecht. Dann atemlose Stille, ehe unvermittelt unverkennbar lateinamerikanische Rhythmen die Kirche durchfluten. Ein rasant gesteigerter Temperamentsausbruch, den Van Coppenolle zu immer grelleren Höhen über die Tastatur jagt, diese aber vor dem absehbaren Exzess wieder in geordneter Samba-Motorik bändigt. Grandios.

Wesentlich abstrakter hingegen das "Laudate" von Ruth Zechlin – ehedem Professorin für Komposition an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Ihr Laudate erklingt fragmentarisch zerstückelt, kaskadenartig ausgegossen. Eindrücklich, verstörend, monumental.

Mit geschmeidiger Improvisationkunst zaubert die Schweizer Organistin in der Komposition von Nadia Boulanger (1887-1979) aus bekannten Orgelthemen ein vielstimmig verwobenes Vogelkonzert.

"Monument" – der Titel der Komposition der tschechischen Komponistin Ivana Loudava ist Programm. Insistierende flächige Akkorde, massiv aufeinandergeschichtet. Figurale Begleitung und mechanische Präzision, überraschend harmonisch dazwischengeschoben. Alles in allem von kristallklarer Strenge, Härte und Klarheit, zugleich aber auch in einem schillernden musikalischen Farbenrausch dargeboten.

Für den anhaltenden Applaus bedankte sich die Künstlerin noch einmal mit etwas lateinamerikanischem Temperament von Emma Lou Diemer.

Der Initiator und künstlerische Leiter der Internationalen Orgelkonzerte, Johannes Götz, zeigte sich mit dem Ablauf des Programms sehr zufrieden. "Es ist immer wieder erstaunlich", so Götz, "wie individuell und abwechslungsreich die Künstler ihre Konzerte gestalteten." Und dieses Engagement kam gut an, teilweise konnten das Bezirkskantorat in den Orgelkonzerten bis zu 260 Zuhörer begrüßen.