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Barockkirche St. Peter

DruckenInternationale Orgelkonzerte St. Peter 2015


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Eröffnungskonzert
Frederic Belli, Posaune, und Johannes Götz, Orgel

Sonntag, 26. Juli 2015, 17 Uhr



  Felix Mendelssohn-Bartholdy
(1809-1847)
Sonate Nr. 6 “Vater unser im Himmelreich”
Choral mit Variationen – Fuge – Finale
für Orgel Solo
     
  Georg Friedrich Händel
(1685-1759)
Konzert in f-moll
für Posaune und Orgel
     
  Folke Rabe
(*1935)
Basta
für Posaune Solo
     
  Franz Liszt
(1811-1886)
Präludium und Fuge über B-A-C-H

Hosianna
für Posaune und Orgel
     
  César Franck
(1822-1890)
Pièce héroique
für Orgel solo
     
  Alexandre Guilmant
(1837-1911)
Morceau Symphonique
für Posaune und Orgel
     
  R. Vaughan Williams
(1872-1958)
Rhosymedre
für Orgel
     
  J. Guy Ropartz
(1864-1955)
Pièce de concert
für Posaune und Orgel
     


Johannes Götz studierte an der Musikhochschule Freiburg. Prägende Lehrer waren Prof. Ludwig Doerr (Orgel) und Prof. Stanislav Heller (Cembalo). 1988 beschloss er seine Studien mit dem A-Examen für Kirchenmusik und dem Lehrdiplom für Orgel. 1989-1992 studierte er am königlichen Konservatorium Brüssel bei Hubert Schoonbroodt Konzertfach Orgel. 1992 erwarb er das Solistendiplom. Seit 1992 ist Johannes Götz als Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg im Schwarzwald tätig. In einer weitgespannten Tätigkeit als Dirigent führte er wichtige Werke des oratorischen Repertoires auf. Er ist für die Ausbildung von jungen Kirchenmusikern zuständig, Dozent bei kirchenmusikalischen Werkwochen und künstlerischer Leiter der Konzertaktivitäten in St. Peter. Als Gründer und Leiter des Festivals "Mit Bach durch die Regio" ist die Musik Bachs einer seiner Schwerpunkte. Er kommt einer intensiven Konzerttätigkeit nach, Konzerte führten ihn durch ganz Deutschland und in die Schweiz, Niederlande, Belgien, Frankreich, Polen, Italien, Spanien, England, Rumänien, Russland und Sibirien. Johannes Götz stellt mit Vorliebe Bezüge in der Musik abseits der ausgetretenen Pfade von Kompendium und Chronologie her, ein Schwerpunkt ist die Improvisation. Rundfunk und Fernsehaufnahmen sowie CD-Produktionen dokumentieren seine künstlerische Arbeit.

Jasper van't HofFrederic Belli wurde 1982 in Wolfach/Schwarzwald geboren und war von 1996 bis 2002 Jungstudent an der Musikhochschule Karlsruhe bei Prof. Werner Schrietter. Anschließend begann er sein Studium bei Prof. Jonas Byl und an der Musikhochschule Hannover, der ihn bis heute als Mentor und Freund begleitet. Im Jahr 2004/05 kam er als Student an das Konservatorium in Rotterdam und lernte dort bei George Wiegel.
Er ist Preisträger und Gewinner mehrerer nationaler und internationaler Wettbewerbe. Dazu gehören der Internationale Musikwettbewerb des Prager Frühlings, der Jan Koetsier Wettbewerb (München), der Internationale Blechbläser Wettbewerb in Danzig, der Felix Mendelssohn Bartholdy Wettbewerb (Berlin) und der Christian Lindberg Wettbewerb (Valencia). Im März 2007 gewann er als erster Posaunist in der 30-jährigen Wettbewerbsgeschichte den Deutschen Musikwettbewerb, im Herbst 2007 beim renommierten Internationalen Musikwettbewerb der ARD den zweiten Preis sowie den Brüder-Busch-Sonderpreis. Außerdem ist er Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben.
In seiner noch jungen Karriere spielte er bereits Solokonzerte mit verschiedenen Orchestern wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Nationaltheaterorchester Mannheim und der NDR Radiophilharmonie Hannover. Er musizierte zusammen mit Prof. Reinhold Friedrich im Brassensemble des Lucerne Festival Orchestra, spielte mit dem Philharmonischen Orchester Hagen Jan Sandströms Motorbike Concerto und gastierte als Solist bei den Donaueschinger Musiktagen. Der bisherige Höhepunkt: die Aufführung des Posaunenkonzertes von Luciano Berio "SOLO" mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg beim Maerz Musik Festival in der Berliner Philharmonie unter Sylvain Cambreling im März 2009.
Im Frühjahr 2010 nahm Frederic Belli an einer Tournee des Mahler Chamber Orchestra, unter der Leitung von Daniel Harding, teil. Im Herbst wer er wieder als Solist mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unterwegs. NUN für Flöte, Posaune und Orchester mit Männerstimmen von Helmut Lachenmann wurde im Wiener Konzerthaus beim Festival WIEN MODERN und beim Festival d´Automne in Paris aufgeführt.
Seit dem Gewinn des Christian Lindberg Wettbewerbes verbindet ihn eine enge künstlerische Zusammenarbeit mit dem wohl größten Posaunisten aller Zeiten. Im Dezember 2007 führte Frederic Belli das Concertino von Ferdinand David mit dem Nordic Chamber Orchestra auf, im Frühjahr 2008 spielte er die Uraufführung des Posaunenkonzertes von Ferrer Ferran mit dem Swedish Wind Ensemble. Beide Konzerte standen unter der Leitung von Maestro Christian Lindberg. Im September 2009 waren sie dann gemeinsam als Solisten mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zu hören.
Im Januar 2011 erschien Frederic Bellis erste Solo-CD in der Reihe "Primavera" des Deutschen Musikrates bei Genuin. Zusammen mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Sylvain Cambreling, Trombone Unit Hannover und der Pianistin Eriko Takezawa präsentiert er Werke von Luciano Berio, Frank Martin, George Delerue, Folke Rabe und Nino Rota.
Im März 2011 konnte er mit Trombone Unit Hannover den Deutschen Musikwettbewerb in Berlin gewinnen. Im selben Jahr wurde er erstmalig berufen, im Lucerne Festival Orchestra unter Claudio Abbado zu spielen. Konzerte führten das Orchester nach Luzern, Baden-Baden, London und Paris. Im Dezember wurde Frederic Belli mit der Trombone Unit Hannover nach Brasilien eingeladen und gab dort drei umjubelte Konzert beim XVI Virtuosi Festival in Recife. Das letzte gemeinsam mit Posaunenlegende Christian Lindberg.
Seit 2006 ist Frederic Belli Soloposaunist beim SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg.




Johannes Götz, Frederic Belli Johannes Götz, Frederic Belli
Johannes Götz, Orgel und Frederic Belli, Posaune; Fotos: L. Rombach



BZ, 28.07.15 Eröffnungskonzert 26.07.15, Bericht und Foto: Erich Krieger

Kongeniales Zusammenspiel

Hochklassiges Eröffnungskonzert auf der neuen Chororgel in der Barockkirche St. Peter mit Werken aus der Romantik.

Nachdem am Sonntagvormittag die neue Chororgel in der Barockkirche St. Peter von Domkapitular Klaus Stadel im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes feierlich geweiht worden war, lud das Bezirkskantorat im Geistlichen Zentrum am späteren Nachmittag zum Jungfernkonzert mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Franz Liszt, César Franck und anderen. Schon diese drei Namen verdeutlichen, dass mit der neuen Chororgel und ihrer speziell darauf zugeschnittenen Klangkonzeption nunmehr auch Werke aus der Romantik Einzug in das barocke Ambiente halten.

Zusätzlicher Höhepunkt: Erstmals fand in St. Peter ein Konzert für Orgel und Posaune statt. Allein diese relativ seltene Besetzung reizte zur Neugier. Dazu kam, dass Bezirkskantor Johannes Götz mit Frederic Belli einen der profiliertesten Posaunisten Deutschlands für das Konzert gewinnen konnte. Die Erwartungen waren also hoch. Sie wurden bravourös eingelöst. Schon bei der Intro, der Sonate Nr. 6 "Vater unser im Himmelreich" von Mendelssohn-Bartholdy für Orgel Solo, konnte Johannes Götz buchstäblich alle Register des neuen Instruments ziehen. Die Orgel sang, flüsterte, jubilierte und trompetete im Finale und zeigte ihre stets glasklare und strahlende Ansprache in allen Klangfarben. Da verschwamm keine Tonfolge zu Klangbrei, wie man es oft bei Orgeln von geringerer Qualität feststellen muss.

Im "Konzert in f-Moll" von Georg Friedrich Händel spielten dann Orgel und Posaune erstmals zusammen und dies nicht nur summarisch: Sie ergänzten sich, korrespondierten, verschmolzen. Hier waren Könner am Werk. Frederic Belli unterstrich seine außerordentliche Virtuosität mit seinem Solopart, für den er die zeitgenössische Komposition "Basta" aus dem Jahre 1982 des Avantgardisten Folke Rabe gewählt hatte. Die Posaune wurde zur schmetternden Fanfare, absolvierte atemberaubend schnelle Läufe durch die Oktaven, grunzte oder stieg in Tontiefen hinab, die man sonst nur von der Tuba kennt und dies alles in rasantem Wechselspiel. Bei aller Verfremdung und bei jedem Tempo waren auch bei Belli die Töne immer markant, klar und präsent. Diese Vorzüge beider Künstler und Instrumente kulminierten im "Hosianna" von Franz Liszt. Wer eine Portion Optimismus brauchte, bekam sie durch das jauchzende, kongeniale Zusammenspiel von Johannes Götz und Frederic Belli, das sich auch durch alle übrigen Stücke von Guilmant, Williams und Ropartz zog. Am Ende erhoben sich in der vollbesetzten Barockkirche die Zuhörer, um sich mit langanhaltendem Beifall bei den Künstlern zu bedanken.

Es war ein fulminantes Premierenkonzert, vorgetragen von herausragenden Interpreten, das Appetit machte auf mehr. Gut also, dass es gleichzeitig den Auftakt für die Reihe "Internationale Orgelkonzerte St. Peter" bildete. Bei allen Konzerten der Reihe im August sind ausgesuchte und renommierte Organisten zu hören.

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