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Barockkirche St. Peter

DruckenInternationale Orgelkonzerte St. Peter 2015


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Simon Johnson, London
Sonntag, 23. August 2015, 17 Uhr


  Johann Sebastian Bach
(1685-1750)
Präludium und Fuge in h-Moll (BWV 544)
     
  William Harris
(1883-1973)
Prelude (from Four Short Pieces)
     
  Charles Villiers Stanford
(1852-1924)
Fantasia and Toccata
     
  Johannes Brahms
(1833-1897)
Herzlich tut mich erfreuen
(Op. post.122, No 4)
     
  Julius Reubke
(1834-1858)
Sonata on the 94th Psalm
Grave - Larghetto - Allegro con fuoco – Grave
Adagio - Lento
Allegro - Più mosso - Allegro assai
     


Pierre PincemailleSimon Johnson ist seit 2008 Organist und stellvertretender Musikdirektor der nach dem Petersdom größten Kathedrale der Christenheit. Hier ist er verantwortlich für die gesamte Orgelmusik der für ihre außergewöhnli-che Akustik bekannten Londoner Bischofskirche und spielt zudem bei allen wichtigen nationalen Anlässen, so etwa beim Dankgottesdienst von Queen Elisabteh II. anlässlich ihres diamantenen Thronjubiläums im Jahr 2012. Im selben Jahr hat er auch ein vielbeachtetes Konzert in Anwesenheit von Tendzin Gyatshodes, des 14. Dalai Lama, in St. Paul's gegeben.
Als Solist hat Simon Johnson schon in vielen Ländern Europas sowie in den USA konzertiert. Hinzu kommen Aufnahmen für die Programme der BBC sowie Auftritte als Organist mit berühmten Orchestern wie dem Lon-don Symphony Orchestra oder dem Royal Philharmonic Orchestra. Außergewöhnliches Kritikerlob erhielt der brillante und einfühlsame Musiker für seine bisherigen CD-Aufnahmen. Viel Beachtung fand auch seine DVD, auf der er die Orgel der Kathedrale von St. Paul's präsentiert.


BZ, 26.08.15, Konzert Johnson 23.08.15, Bericht und Foto: Erich Krieger

Alle denkbaren Klang- und Tonfärbungen

Der britische Orgelvirtuose Simon Johnson brilliert in der Barockkirche St. Peter.

Für die vorletzte Veranstaltung in der Reihe Internationale Orgelkonzerte in der Barockkirche St. Peter konnte Bezirkskantor Johannes Götz den international renommierten Organisten Simon Johnson gewinnen. Mit dieser Reihe wird die Inbetriebnahme der neuen Chororgel gefeiert, die dem Orgelensemble der Barockkirche die langersehnte romantische Klangfärbung brachte.

Johnson ist Organist und stellvertretender Musikdirektor an der St. Paul’s Cathedral, nach dem Petersdom in Rom immerhin das zweitgrößte Sakralgebäude der Christenheit. Beim Dankgottesdienst für die britische Queen zu ihrem diamantenen Thronjubiläum bediente er die Orgel ebenso, wie bei Auftritten mit dem London Symphony Orchestra oder dem Royal Philharmonic Orchestra.

Johnson begann mit einer gefühlvollen Interpretation des "Präludiums und Fuge" (BWV 544) von Johann Sebastian Bach. Dieses Werk steht mit der Barockkirche mindestens indirekt in puncto Entstehungszeit im Zusammenhang. Unter den behutsamen Händen von Johnson zeigte die neue Orgel bei dem nachfolgenden "Prelude" von William Harris, dass sie auch die leisen, lyrischen Töne exakt, markant und klar liefern kann. Ein erstes Ausrufezeichen setzte dann die "Fantasia and Toccata" des irischen Komponisten Charles Villiers Stanford. Nach furios-heroischer Introduktion durchlief Johnsons Interpretation alle denkbaren Klang- und Tonfärbungen bis hin zum musikalischen Flüstern. Nur mit Mühe konnte sich das Publikum in der vollbesetzten Kirche des Beifalls schon an dieser Stelle enthalten.

Das Choralvorspiel "Herzlich tut mich erfreuen" von Johannes Brahms schloss sich an. Die Choralvorspiele von Brahms, 1896 komponiert, sind seine letzten Werke und wurden erst posthum veröffentlicht. Sie beschäftigen sich sämtlich mit dem Tod. Im selben Jahr war Clara Schumann, mit der Brahms in wohl unerfüllter Liebe verbunden war, gestorben und er selbst unheilbar erkrankt. Das Werk ist von diesen Stimmungen geprägt und Johnson wurde zum sorgsamen Hüter des Komponisten.

Dann zweifellos der Höhepunkt des Konzerts: Die Sonate "Der 94. Psalm" in c-moll von Julius Reubke, einem Schüler von Franz Liszt. Sie gilt als eines der Hauptwerke der deutschen Romantik und gehört zum Standardrepertoire großer Konzertorganisten und stellt hohe technische Anforderungen an den Interpreten. Johannes Götz hatte bereits in seiner einführenden Begrüßung darauf hingewiesen, dass mit diesem Werk die neue Orgel tatsächlich auf dem Prüfstand steht, denn die Stimmungen wechseln darin von jugendlich-feurig bis zu düsteren Passagen und dissonanten Sequenzen. Kein Wunder, denn der titelprägende Psalm beschreibt einen Gott der Rache, der sich gegen die gottlosen Frevler mit aller Macht wenden und deren verübtes Unrecht gnadenlos vergelten wird. Auch wenn heute selbst unter den gläubigen Christen wohl nur noch eine Minderheit ein solches Gottesbild vertreten würde, bleibt diese darauf fußende Komposition ein herausragendes Orgelwerk.

Simon Johnson erwies sich diesem ebenbürtig und vollbrachte neben seinem virtuosen Spiel auch eine veritable physische Leistung, denn für die technische Umsetzung war buchstäblich der Höchsteinsatz von "Händen und Füßen" erforderlich. Standing Ovations und viele "Vorhänge" für den Meister aus London waren der verdiente Lohn.

Abschließend interessierte nur noch das Urteil des Experten über die neue Orgel. Es fiel in britischer Knappheit aus, jedoch mit leuchtenden Augen gesprochen: "I like it very much with its nice round sound. That makes lots more Romantic Music possible".

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