Internationale Orgelkonzerte St. Peter

Veranstalter: Bezirkskantorat, Pfarrgemeinde St. Peter, Geistliches Zentrum St. Peter

Barockkirche St. Peter

DruckenInternationale Orgelkonzerte St. Peter 2017


zurück

Thomas Ospital, Paris
Sonntag, 20. August 2017, 17 Uhr


Programm



  Dietrich Buxtehude
(1637 - 1707)
Toccata en Fa majeur Bux 156
     
  Johann Sebastian Bach
(1685 - 1750)
Triosonate Nr. 2 BWV 526
- Vivace
- Largo
- Allegro

Präludium und Fuge in a-moll BWV 543
     
  Johann Nikolaus Hanff
(1663 - 1711)
Choral: Ach Gott, vom Himmel sieh darein
     
  Wolfgang Amadeus Mozart
(1756 - 1791)
Fantasia in f-moll KV 608
     
  Jehan Alain
(1911 - 1940)
Variations sur un thème
de Clément Jannequin
     
  Thomas Ospital
(*1990)
Improvisation
     


Thomas OspitalGeboren 1990 im französischen Baskenland begann Thomas Ospital seine musikalische Ausbildung am Konservatorium von Bayonne und erhielt 2008 einen 1. Preis in der Orgelklasse von Esteban Landart. Anschließend setzte er seine Studien am Pariser Konservatorium bei musikalischen Persönlichkeiten wie Olivier Latry, Michel Bouvard, Thierry Escaich, Philippe Lefebvre, Laszlo Fassang, Isabelle Duha, Pierre Pincemaille und Jean-François Zygel fort. Er erhielt fünf erste Preise in den Fächern Orgel, Improvisation, Harmonielehre, Kontrapunkt und Fuge.
Bei internationalen Wettbewerben errang er zahlreiche Preise: 2009 in Saragossa (Spanien), 2012 in Chartres (Prix Duruflé und Publikumspreis) und 2013 in Toulouse (2. Preis). Im Mai 2014 erhielt er den Grand Prix Jean-Louis Florentz und den Publikumspreis beim Wettbewerb von Angers unter der Schirmherrschaft der Académie des Beaux-Arts. Im November des gleichen Jahres errang der den 2. Preis, den Publikums-preis sowie den Prix Jean-Louis Florentz beim Concours International de Chartres.
Im Jahre 2012 war er für sechs Monate young artist in residence an der Kathedrale Saint Louis King of France in New Orleans (USA) und 2015 artist in residence beim Festival de musique sacrée de Rocamadour.
Im März 2015 wurde er zum Titularorganisten an der großen Orgel von Saint-Eustache in Paris ernannt. 2016 lud ihn die Maison de la Radio in Paris ein, erster organiste en résidence an der neuen Orgel der Firma Grenzing zu werden.
Seine Aktivität als Konzertorganist, Kammermusiker und Solist mit Orchester führt ihn in viele Länder Europas, nach Russland und in die USA.







Pressebericht: BZ, 24.08.2017, Foto und Bericht: E. Krieger

Mit spielerischer Leichtigkeit

Thomas Ospital aus Paris sorgt für Glanzpunkt bei Internationalen Orgelkonzerten in St. Peter.


Wie an einer Perlenschnur reiht sich bei den Internationalen Orgelkonzerten in der Barockkirche in St. Peter im Wochentakt bis zum 3. September ein musikalisches Juwel ans andere. Jüngst versetzte der 27-jährige Thomas Ospital aus Paris das Publikum in der vollbesetzten Kirche in Begeisterung. Er ist mit Abstand der jüngste Organist, der in der zehnjährigen Tradition der Internationalen Orgelkonzerte nach St. Peter eingeladen wurde.

Nach fundierter Ausbildung an den Konservatorien in Bayonne und Paris errang der gebürtige Baske zahlreiche Preise bei bedeutenden internationalen Wettbewerben und Festivals wie 2014 in Angers, wo er mit dem Grand Prix Jean-Louis Florentz und dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. 2015 wurde ihm in der Funktion eines Organiste Titulaire die Verantwortung für die große, fünf-manualige Orgel in der Kirche Saint Eustache in Paris übertragen, der er parallel zu seinen Konzertaktivitäten in vielen Ländern Europas, Russland und den USA als Solo-Organist, Kammermusiker und Solist mit Orchester bis heute nachkommt.

In St. Peter setzte sich der eher schmächtige Thomas Ospital an den mobilen Spieltisch für die große Klais- und die neue Rieger-Chor-Orgel, und man hörte und sah schon beim ersten Anspielen des furiosen Themas von Dietrich Buxtehudes "Toccata in F-Dur Bux 156", dass hier ein Meister seines Fachs am Werke ist. Er arbeitete sich mit überwältigender Einfühlsamkeit durch die verschiedenen, improvisatorisch anmutenden Texturen des Themas und bewältigte in fast spielerischer Leichtigkeit die hohen technischen Anforderungen dieser Komposition. In der folgenden "Triosonate Nr. 2 BWV 526" von Johann Sebastian Bach umrahmte Ospital ein bedächtiges, kontemplatives Largo mit den vitalen Ausbrüchen der Vivace- und Allegro-Sätze. Dass der Virtuose zu selbstbewussten Interpretationen neigt und dies bravourös, war damit schon klar.

Mit der "Fantasia in f-Moll KV608" von Wolfgang Amadeus Mozart bewies er aber, dass er sich auch exzellent in den Dienst der Absichten eines Komponisten stellen kann. Mozart hatte das Werk als Trauermusik für eine mechanische Orgel konzipiert, mit der diese immer gleich reproduziert werden konnte. Und so ließ Ospital mit fantastischer Technik die komplexen Tonfolgen präzise wie ein Uhrwerk fließen, und es gelang ihm dabei trotzdem, den hohen emotionalen Gehalt von Mozarts Musik zu bewahren.

Bei den "Variations sur un thème de Clémant Jannequin" von Jehan Alain war Ospital im 20. Jahrhundert angekommen. Er adaptierte die Experimentierfreudigkeit des schon mit 29 Jahren im Zweiten Weltkrieg gefallenen französischen Organisten wohl mit einem guten Stück Wesensverwandtschaft. Die Variationen erwiesen sich als ideale Einleitung für das Finale. Auf dem Programmzettel stand dafür lapidar "Improvisation". Als Basis für den freien Lauf seiner improvisatorischen Kreativität wählte Thomas Ospital eine komplexe Verknüpfung der allseits bekannten Eurovisionsfanfare mit dem ebenfalls populären Choral "Nun danket alle Gott". Sein Weg führte von geheimnisvollem Tongeflüster bis zu Wagnerscher Bombastik und durch alle Klangfarben, die die beiden Orgeln boten.

Der Künstler verschmolz nahezu mit seinem Instrument, die Töne schienen direkt aus seinen Fingern zu entwachsen. Ein musikalisches Feuerwerk der Extraklasse, an Spannung und Furor schwer zu überbieten. Nach Verklingen des Schlussakkords brandete ein wahrer, lang anhaltender Beifallssturm auf als Dank für ein musikalisches Geschenk eines Künstlers, dessen verblüffende Reife und technische Finesse schon in seinen jungen Jahren nicht nur Ergebnis gewissenhaften Übens sein können, sondern mindestens ein Schuss Genialität involviert sein muss.



zurück