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Barockkirche St. Peter

DruckenInternationale Orgelkonzerte St. Peter 2018


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Eröffnungskonzert
Raúl Prieto Ramírez / Barcelona

Sonntag, 29. Juli 2018, 17 Uhr


Programm



  Johann Sebastian Bach
(1685 - 1750)
Toccata, Adagio und Fuge C-Dur
BWV 564
     
  Camille Saint-Saens
(1835 – 1921)
Rhapsodie bretonne, op. 71
Dance Macabre

Orgelbearbeitung: Edwin Lemare
     
  Franz Liszt
(1811 – 1886)
Fantasie und Fuge über den Choral
“Ad nos, ad salutarem undam”
     


RAÚL PRIETO RAMÍREZ stammt aus Barcelona und wurde im Alter von 27 Jahren zum ersten organist in residence des Auditorio Nacional de Música in Madrid ernannt. Seine weltweite Konzerttätigkeit führte ihn zu bedeutenden Festivals und in berühmte Konzertsäle. Nach seinem Orgelstudium in Spanien setzte er seine Studien als Stipendiat bei Prof. Ludger Lohmann in Stuttgart fort. Mittlerweile lebt er in den USA. Nach einer Professur an der Ball State University (USA) und organist in residence in der Sursa Concert Hall wurde er Anfang des Jahres zum Organisten der spektakulären Freilichtorgel in San Diego, Balboa Park ernannt, eine in Amerika sehr bedeutende Position. Er ist Gründer und künstlerischer Leiter des jährlichen internationalen Orgelfestivals in Barcelona. Raul Prieto Ramírez spielte einige CDs ein; u.a. im Mailänder Dom bei dem Label Brilliant Classics.





BZ, 02.08.2018, Bericht und Foto: E. Krieger

Im Galopp durch die Register

Raúl Prieto Ramírez eröffnet die diesjährigen Internationalen Orgelkonzerte in der Barockkirche St. Peter

Bezirkskantor Johannes Götz ist es gelungen, in Raúl Prieto Ramírez einen der jüngeren, international höchst renommierten Organisten nach St. Peter zur Eröffnung der Internationalen Orgelkonzerte zu verpflichten. Die St. Petermer Konzertreihe findet alljährlich an den beiden Orgeln der Firmen Klais und Rieger in der Barockkirche statt und führt an sechs Sonntagen hintereinander noch bis Anfang September hochkarätige Interpreten aus verschiedenen Kulturkreisen in das Zähringerdorf.

Ramírez, 1979 geboren, wurde schon mit 27 Jahren zum "Organist in Residence" am Auditorio Nacional de Música in Madrid ausgewählt und ist künstlerischer Leiter des von ihm gegründeten internationalen Orgelfestivals in Barcelona. Derzeit ist er mit der in Amerika sehr bedeutenden Funktion des Organisten der weltweit einzigen und riesigen Freilichtorgel im spektakulären Balbao-Park betraut, deren Konzerte jährlich von zahllosen Besuchern frequentiert werden.

Den Auftakt seines Konzertes in St. Peter bildete die "Toccata, Adagio und Fuge C-Dur" BWV 564 von Johann Sebastian Bach. Die furios-fulminante Toccata mit rasanten Läufen über die Manuale ließ stürmischen Wind in die auch im Kircheninneren brütende Sommerhitze fahren. Höhepunkt dieses musikalischen Frischwindes war ein spektakuläres Pedalsolo, das auch in seinen physischen Herausforderungen an den Organisten deutlich zu beobachten war, denn Ramírez spielte für alle sichtbar an einem mobilen Spieltisch im Chorraum. Das getragene Adagio ließ einen wieder zur Ruhe kommen, um wenig später wieder mit der tänzerisch-frivolen Fuge mit Sechzehntel-Kaskaden in erneute Wallung zu geraten.

Die "Rhapsodie bretonne" von Camille Saint-Saens in der Orgelbearbeitung von Edwin Lemare schloss sich an. Deren Thema erinnerte an eine volkstümliche bretonische Melodiefigur, die auch auf einer Drehleier oder Bombarde gespielt werden könnte. Sie erfuhr auf der Orgel zahlreiche Variationen, bei denen sich Assoziationen von zärtlich plätschernder Brandung bis zu tosenden Sturmböen mit entsprechenden Wellenbergen, die sich schließlich in wiegender Dünung auflösten, einstellten. Ramírez erreichte diese Wirkung, indem er deren klangliche Möglichkeiten üppig ausnutzte. Dies praktizierte er auch beim "Dance Macabre" desselben Komponisten. Dieser räumlich angelegte Totentanz zeichnete einerseits durch psychedelische Klangfolgen das mitternächtliche Geschehen in der Geisterstunde eines Spukschlosses nach, oder, in seinen eher heiteren Passagen, das veritable Tanzvergnügen der von Gevatter Tod aus den Gräbern gerufenen Skelette.

Bis zur Neige jedoch schöpfte der Ausnahmeorganist die Angebote der Orgeln mit einem galoppierenden Ritt durch die Register bei seiner Interpretation der Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos, ad salutarem undam" von Franz Liszt aus. Diese im Originaltext wütende Verdammung aller Tyrannei und Willkürherrschaft und Aufforderung zur Rebellion dagegen fand ihren angemessenen Niederschlag in treibenden Rhythmen, fanfaresken Signalen, ruhelosen Manualläufen und schmetternden Akkorden. Das enthusiasmierte Publikum verwandelte seine innere Aufgewühltheit in befreiende Beifallsstürme für dieses Finale und gleichzeitigen Höhepunkt des Konzerts. Davon angesteckt, ließ sich Ramírez zu vier Zugaben hinreißen, wovon er eine ausschließlich auf den Pedalen bestritt..

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