B a r o c k k i r c h e   S t .   P e t e r



Barockkirche St. Peter

Jasper van’t Hof eröffnet Orgelfestival in St. Peter

Sonntag, 20. Juli 2014, 17 Uhr, Barockkirche St. Peter

Der niederländische Jazzmusiker Jasper van’t Hof kann auf Allem spielen, was Tasten hat. Im Lauf seiner Karriere hat er Vieles erfolgreich ausprobiert: Bescheidenes Klavier, großer Konzertflügel, Hammond-Orgel sowie eine Vielzahl von elektrischen und elektronischen Tasteninstrumenten. Der Klang der Kirchenorgel löste bei ihm eine Urfaszination aus. So produzierte er in der Einsamkeit der Abruzzen im italienischen Bonefro-Molise schon 1998 eine Orgel-CD. Er erinnert sich: Durch Zufälle habe ich diese kleine Kirchenorgel in den Abruzzen kennengelernt und war ganz überwältigt davon. Seit jener Zeit ist Jasper van’t Hof immer wieder in eindrucksvollen Konzerten an Kirchenorgeln auf renommierten klassischen Festivals zu hören. Bei seiner legendären Ethno-Jazz-Formation PILI-PILI, in der sich europäischer Jazz mit afrikanischer Musik und tanzbaren Grooves verbindet, war er mitunter von einem regelrechten Wall von Tasteninstrumenten umgeben.

Jasper van’t Hof, geboren und aufgewachsen in Enschede, hat den europäischen Jazz ungemein geprägt. Seine Soloalben sind Bekenntnis zu melodisch ausgereifter und exakt konzipierter Musik. Er spielte mit vielen berühmten Jazzmusikern wie Archie Shepp, Manfred Schoof, Wolfgang Dauner, Bob Malach und Toto Blanke. Den internationalen Durchbruch schaffte er Anfang der 1970er Jahre mit seiner 1969 gegründeten Formation Association P.C. Die von ihnen gezeigte, bis dahin in dieser Qualität nicht gekannte Synthese von Jazz und Rock wurde 1971 bei den Berliner Jazztagen als Sensation gefeiert. Jasper van’t Hof hat seine ca. 70 Tonträger fast ausschließlich bei deutschen Plattenfirmen veröffentlicht.

Die Orgelanlage von der Barockkirche St. Peter mit ihrer großen Palette auch räumlich voneinander getrennter Klänge bietet sich in idealer Weise für Improvisationen an. Jasper van’t Hof wird die diesjährige Internationale Orgelkonzertreihe am Sonntag, den 20. Juli um 17 Uhr unter dem Motto „Il Mondo Illusorio“ eröffnen. Die Jazzlegende spielt eigene Improvisationen und Kompositionen, die auch Variationen über Jazzstandards und Rockbaladen enthalten.

Karten zu 22 € / 15 € (erm. 15/10 €) unter www.reservix.de (zzgl. VVK
Kostenlose Orgelführung im Anschluss an das Konzert.





Johannes Götz, Orgel
Olaf Tzschoppe, Percussion


Programm >>>

Am Sonntag, den 27. Juli, 17 Uhr spielen Johannes Götz und Olaf Tzschoppe ein Konzert für Orgel und Schlagzeug. Schlaginstrumente in allen Variationen und Auffächerungen sind eine ideale Ergänzung zum statischen Orgelklang. Am Anfang des Konzertes erklingt ein Werk des Barockkomponisten Frescobaldi in einer Fassung für Marimbaphon und Orgel. Tzschoppe und Götz improvisieren gerne miteinander, dabei kommen subtilste Nuancen ausgefallener Schlaginstrumente zum Einsatz. Ein Höhepunkt in diesem farbigen Konzert wird sicher die Aufführung von Enjott Schneiders neuem Werk „African Patchwork“ für Djembée und Orgel in Memoriam Albert Schweitzers. Die Komposition bringt afrikanische mit europäischen Stilelementen zusammen und vereint beide Stile zu einem eindrucksvollen Gesamten.






Bernadetta Šuňavská
Slowakei

Programm >>>
Die internationalen Orgelkonzerte St. Peter werden im August fortgesetzt mit einem Gastspiel von Bernadetta Šuňavská am Sonntag, den 3. August um 17 Uhr. Die von Professor Bernhard Haas ausgebildete Konzertorganistin verfügt über eine brilliante Technik, die es ihr gestattet, schwerste Orgelwerke klar und verständlich zu spielen. Auch ihre Musikalität ist überwältigend. Bernadetta spielt in St. Peter ein klassisches Programm u. a. mit der großen f-moll Fantasie von Mozart. Ein gewichtiger Programmpunkt ist die Musik Schumanns, unter Anderem spielt sie eine Transkription des Schumannschen Orchesterwerks op. 52 Ouvertüre, Scherzo und Finale.

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Roberto Padoin
Venedig

Programm >>>
Am Sonntag, den 10. August, 17 Uhr gehört das Konzert dem venezianischen Barock und der französischen Romantik. Roberto Padoin, Organist aus Venezien, spielt Werke von Albinoni, Marcello und Vivaldi. Alle drei Komponisten hatten ihren Lebensschwerpunkt in Venedig und komponierten feurige Instrumentalconcerti, die bald für Orgel transkribiert worden sind. Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge in d-moll steht als Bindeglied zur nachfolgenden französischen Orgelromantik. Bachs Werk ist das meistgespielteste Orgelwerk der Welt und ist synonym für Orgelmusik schlechthin. Kompositionen von Guilmant und Boellmann vervollständigen das Konzert. Boellmanns „Suite gothique“ ist hitverdächtig und populäre Orgelmusik im besten Sinne.

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Pierre Pincemaille
Paris

Programm >>>
Am Sonntag, den 17. August um 17 Uhr gibt sich Pierre Pincemaille aus Paris die Ehre. Pincemaille geht ein Ruf als legendärer Improvisator voraus. Als Organist von Saint-Denis spielt er die älteste Cavaillé-Coll-Orgel im Pariser Raum. Neben einer großangelegten Improvisation über gegebene Themen wird der Meister beweisen, dass er auch Werke von Franck, Gigout, Widor und Vierne ausgezeichnet spielt.

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Stephen Tharp
New York

Programm >>>
Das Abschlusskonzert am 24. August, 17 Uhr wird von Stephen Tharp gestaltet. Stephen ist einer der großen Konzerorganisten unserer Zeit. Unzählige Preise und Ehrungen säumen seine Karriere, für seine ausgezeichneten Leistungen in der Musik ist er in der aktuellen Ausgabe des Who’s who aufgelistet. Neben barocker Musik u. a. seiner eigenen Transkription der Händelschen Feuerwerksmusik spielt er Werke der französischen Romantik und vom flämischen Großmeisters Flor Peeters Toccata, Fugue et Hymne über „Ave Maris Stella“.

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Die Orgel der Barockkirche St. Peter

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Aus der BZ-Serie:
Mit Klang und Gloria – Orgeln in der Region

Bericht: Alexandra Wehrle
Fotos: Hans Jürgen Kugler, Markus Donner
Mehr aus der BZ-Orgelserie hier >>>
Infos auch unter mit-bach-durch-die-regio.de
Hauptorgel
- Baujahr: 1967
- Erbauer: Firma Johannes Klais, Bonn
- Register: 46
- Pfeifen: über 3100

Chororgel
- Baujahr: 2015, zu Ostern Einweihung ist im Sommer
- Erbauer: Firma Rieger, Schwarzach, Vorarlberg
- Register: 20
- Pfeifen: 1154

Die Hauptorgel"Ihr Klang ist jetzt wieder frischer, der Staub der Jahrzehnte ist abgewaschen worden", freut sich Orgelinspektor und Bezirkskantor Johannes Götz über die Sanierung der Hauptorgel in der Pfarrkirche St. Peter. Nun wartet er noch auf die neue Chororgel, die im Sommer eingeweiht werden soll. Die beiden Orgeln sind aufeinander abgestimmt und können sowohl vom Spieltisch auf der Empore als auch vom Spieltisch im Chor gespielt werden, und zwar einzeln oder zusammen. Ein Organist allein kann also beide Orgeln gleichzeitig ertönen lassen.

Die St. Petermer Orgel ist ein besonderes Stück, erklärt Götz nicht ohne Stolz. Bei vielen Orgelbauern und Organisten hängen Bilder von ihr an den Wänden, sagt er. "Wie die Automechaniker die Girls in ihren Spinden hängen haben, haben die Orgelbauer die Orgeln."

Das Instrument ist groß, es hat drei Manuale (Tastenwerke), 46 Register und über 3100 Pfeifen. Hergestellt wurde die Orgel 1967 von der Firma Johannes Klais aus Bonn. Ihr Bau habe "überragende Bewunderung und Qualitätsstandards gesetzt", so Götz, "ab da gab's hier ziemlich viele Schallplattenaufnahmen". So stammt auch die erste Jazz-Aufnahme mit dem Schweizer Jazzmusiker George Gruntz von hier. Er habe in St. Peter Ende der 1960er Jahre seine erste Langspielplatte mit Jazzmusik auf der Kirchenorgel gemacht.

Zuvor, seit 1880, war ein Instrument der Firma Eberhard Friedrich Walcker aus Ludwigsburg dort gestanden. Die barocke Außenansicht ist älter, sie stammt auf der Erbauungszeit der Kirche. Das Rückpositiv hat der bekannte Klosterbildhauer Matthias Faller geschnitzt. Verziert ist die Orgel mit frühen Figuren von Johann Christian Wentzinger.

Der Spieltisch Im Februar 2014 wurde die Hauptorgel von der Firma Rieger aus dem österreichischen Schwarzach revisioniert. Sie wurde entstaubt, eingesunkene Pfeifen wurden ersetzt, neu eingelötet und stabilisiert. Elektroteile, Lager und dergleichen wurden kontrolliert und gegebenenfalls erneuert. "Die ganze Orgel wurde gereinigt, der Prospekt neu aufpoliert", so Götz. Dadurch habe der Klang "an Frische und Brillanz zugenommen", freut er sich. Am Klangkonzept wurde nichts verändert, wie Georg Pfeifer von der Firma Rieger auf telefonische Nachfrage erklärt. Es wurden lediglich Unregelmäßigkeiten hinsichtlich Tönen und Lautstärke beseitigt, "dass alles wieder schön passt".

Während die Hauptorgel nur wieder flottgemacht werden musste, war die Chororgel von der Freiburger Firma Späth aus dem Jahr 1964 nicht mehr zu retten. Sie hatte durch das Klima auf der Nordseite im Chor zu stark gelitten und war von Schimmel befallen. Die Schäden waren unreparabel. Derzeit erbaut Rieger eine neue. Weil auf der Südseite der Pfarrkirche ein günstigeres Klima herrscht, wird die neue Chororgel hinter das dortige Prospekt kommen. Denn schon immer waren im Chor zwei gegenüberliegende gleiche Prospekte im Barockstil vorhanden. Optisch wird sich also nichts ändern. "Die Barockkirche ist ja durchgestylt", so Götz. Klanglich soll die neue Orgel einen romantischen Charakter erhalten, "in Erinnerung an den Klang der Orgeln aus dem Hause Walcker". Ihr Klang soll eigenständig sein und die Hauptorgel ergänzen. Wie bisher soll der Spieltisch der Chororgel fahrbar sein und je nach Bedarf an eine andere Stelle verschoben werden können, etwa für Konzerte mit Chören. Wenn die Chororgel eingebaut ist, sollen die Spieltische mit einer neuen elektronischen Steuerung versehen werden, erklärt Georg Pfeifer. Die Kirchenbesucher und Konzertfans können sich freuen: An Ostern sollen die beiden Orgeln erstmals zusammen erklingen.



Die Orgel der Wallfahrtskirche auf dem Lindenberg


Aus der BZ-Serie:
Mit Klang und Gloria – Orgeln in der Region

Bericht und Fotos: Alexandra Wehrle
Mehr aus der BZ-Orgelserie hier >>>
Infos auch unter mit-bach-durch-die-regio.de
- Baujahr: 2013
- Erbauer: Firma Jürgen Ahrend aus Leer in Ostfriesland
- 18 Register
- 720 Pfeifen


"Ich liebe dieses Instrument", sagt Johannes Götz, Bezirkskantor und erzbischöflicher Orgelinspektor, über die Orgel in der Wallfahrtskirche auf dem Lindenberg bei St. Peter. Sie ist erst ein gutes Jahr alt, am 8. Dezember 2013, dem Hochfest Mariä Empfängnis, wurde sie eingeweiht. Das Besondere an ihr ist die trickreiche Bauweise, bedingt durch die niedrige Deckenhöhe auf der Empore, und ihr historisierender Klang.

       

Götz hat es nach dem Gottesdienst eilig, doch bevor er geht, zeigt er noch kurz die Orgel, die ihm viel bedeutet. Sie ist den norddeutschen Orgeln der Barockzeit nachempfunden und wurde von der Firma Jürgen Ahrend aus Leer in Ostfriesland gebaut. Diese wird inzwischen von Sohn Hendrik geleitet. "Die Firma Ahrend ist bekannt dafür, dass sie alles selber macht", erzählt Götz nicht ohne Stolz.

Mit 18 Registern ist die neue Orgel ein kleines Instrument. Sie hat 720 Pfeifen, wie Friedemann Seitz von der Firma Ahrend nachgezählt hat, manche von ihnen werden von zwei Registern aus genutzt. Das Gesamtkonzept mit Registern, Manualverteilung, Stimmung und technischen Details orientiert sich am Barockzeitalter. Auf elektronische Bauteile wurde verzichtet.


"Jetzt wird der Klang ein bisschen melancholisch"
Johannes Götz setzt sich an die Tasten und schlägt einige Töne an. Nach und nach schaltet er verschiedene Klangfarben hinzu, etwa Traversflöte, Quinte oder Dulcian, und verändert so den Klang. "Jetzt färb’ ich ihn ein", raunt er und aktiviert eines der Register. "Jetzt wird der Klang ein bisschen melancholisch", sagt er wenig später, und tatsächlich hört sich die Orgel anders an. "Jetzt mach ich mal Tirolisch" – mit der Traversflöte, die tatsächlich wie eine Flöte klingt.

Solche Kunststücke waren mit der vorigen Orgel nicht möglich. "Sie war ein Serienprodukt aus den 1960er Jahren", erklärt Götz. "Die war ewig verstimmt und hatte keinen tragfähigen Klang. Bei voller Kirche hat sie mehr gedröhnt als gespielt. Die Leute waren einfach nicht zufrieden." Der Bezirkskantor natürlich auch nicht. So wurde das Instrument an eine Kirchengemeinde in der Diözese Rottenburg verschenkt.

Auf Bitten der Reporterin öffnet Götz den Stimmgang und geht hinein, um zu zeigen, wie man die Orgel stimmt: mit Stimmkrücke und -eisen. "Alle Pfeifen sind auf Ton geschnitten, die Gedackten sind zugelötet", erklärt Götz. Deshalb muss die Orgel nur selten gestimmt werden, und wenn, dann nur die zwei Rohrwerke, was der Organist selbst erledigen kann. Das Wort "Gedackten" kommt übrigens von "gedeckt". Es bezeichnet Pfeifen, die im Gegensatz zu offenen Pfeifen oben abgedeckt sind und dadurch einen dumpferen Klang erzeugen. Die Anschaffung der Ahrend-Orgel war lange geplant, die Lieferzeit betrug mehrere Jahre. Pfarrer Stefan Meisert, der ehemalige Wallfahrtsrektor Bernhard Kraus, Johannes Götz und die Mitglieder des Stiftungsrats haben den Auftrag international ausgeschrieben, die Firma Ahrend machte das Rennen. Referenzinstrument war die Ahrend-Orgel in der Mahlberger Schlosskirche von 1999, wie Götz berichtet.

Insgesamt 330 000 Euro hat das Kleinod auf dem Lindenberg gekostet, das Geld wurde unter anderem durch Spenden zusammengetragen. Er habe im Vorfeld viele Orgeln angeschaut und angehört, um herauszufinden, was einen historischen Klang ausmacht, erzählt Götz, bekennender Fan barocker Orgeln. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden, die Mühe hat sich aus seiner Sicht gelohnt: "Die Orgel eignet sich wunderbar, um große Gemeinden farbig zu begleiten." Ihre Klangqualität sei hervorragend, besonders auch in einer vollbesetzten Kirche. "Sie glänzt, ohne drückend zu wirken."

Eine Herausforderung beim Bau dieser Orgel war laut Friedmann Seitz die geringe Deckenhöhe auf der Orgelempore. Um auch größere Pfeifen unterbringen zu können, stehen die äußeren Pfeifen des Registers Prinzipal 8’, das vorne zu sehen ist, tiefer als die mittleren, und damit deutlich unterhalb der Windlade. Die beiden Tastenwerke (Manuale) sind ebenfalls aus Platzgründen ineinander verschoben. Für die Pfeifen des Pedalwerks wurde hinter der Orgel ein eigener Kasten gebaut. Aus drei Pfeifenreihen können fünf Register gewonnen werden.

Der Orgelkasten selbst ist aus massiver Eiche und wurde von Helmer Hut aus Holland passend zur Ausstattung der Kirche im Rokokostil marmoriert. Die geschnitzten Elemente stammen von Michael Steigerwald, Bildhauer und Restaurator aus Steinach im Kinzigtal. Die Tasten sind aus Schlangenholz, hartes tropisches Holz, das schon Arp Schnitger benutzt hat. Schnitger war einer der berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit, er hat die norddeutsche Barockorgel vollendet.

"Die Orgel ist auch kunsthandwerklich schön, sie ist einfach gut gemacht", schwärmt Götz. Mit seiner Begeisterung ist er nicht allein, wie er weiß: "Die Leute mögen das Instrument." Vielleicht liegt das auch daran, dass der Bezirkskantor einfach vor lauter Freude auf der neuen Orgel noch schöner spielt als vorher.

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