B a r o c k k i r c h e   S t .   P e t e r



Barockkirche St. Peter
Bericht aus der BZ vom 27.08.11

"Ausgedehntes Pedalspiel ist fast schon Sport"

Unterwegs in der Heimat: Orgel in der Klosterkirche St. Peter (Fotos: Hans JŁrgen Kugler)


ST. PETER. Sie ist zwar nicht ganz so gewaltig wie ihre große Schwester in Notre-Dame, Paris. Aber mit ihren viertausend Pfeifen und 56 Registern spielt auch sie ganz vorne in der ersten Liga mit. Die große Orgel auf der Westempore in der Klosterkirche Sankt Peter wurde 1967 von Johannes Klais in das historische Barockgehäuse gebaut. Die Pfeifen werden über ein großes Gebläse mittels einer ausgeklügelten Mechanik mit Luft versorgt.

Orgel in der Barockkirche St. PeterZu Bachs Zeiten waren noch spezielle Hilfskräfte, die sogenannten Kalkanten, am Werk, die im Inneren der Orgel kräftig den Blasebalg treten mussten, damit den Pfeifen nicht die Luft ausging. Und wer Bachs Orgelwerke kennt, der weiß, dass diese Kalkanten damals Schwerstarbeit leisten mussten. Anstrengend kann das Orgelspiel allerdings auch heute noch sein.

"Ausgedehntes Pedalspiel ist fast schon Sport", weiß Eduard Wagner, Registrant des St. Peterer Organisten Johannes Götz und ebenfalls ausgebildeter Organist. Im Unterschied zum Piano muss ein Orgelmusiker auch das ausdauernde Spiel mit den Pedalen beherrschen; das Pedalwerk einer Orgel geht über mehrere Oktaven, damit der Organist auf den ganz tiefen Tönen Melodien spielen kann.

Kommandozentrale der Orgel ist der Spieltisch mit drei Manualen und unzähligen Knöpfen und Knäufen, mit denen die Registrierungen der Orgel eingestellt werden können. Die Klosterkirche in Sankt Peter verfügt sogar noch über einen zusätzlichen Spieltisch im Altarraum, mit dem zum einen die kleinere Orgel dort gespielt, aber genauso gut auch ihre große Schwester auf der Empore bedient werden kann.

"Dieser hier ist trotz seiner circa 20.000 Registrierungsmöglichkeiten ja noch halbwegs überschaubar. Am Spieltisch der weltweit größten Orgel in NotreDame kommt man sich vor wie im Cockpit eines Jumbo-Jets." Eduard Wagner muss es wissen, er hatte dort einmal spielen dürfen.

Orgel in der Barockkirche St. Peter - SpieltischVon den über 4.000 Pfeifen, mit der das große Instrument ausgestattet ist, sind die wenigsten davon zu sehen. Die großen Metallpfeifen im Haupt- und Kronwerk des Orgelprospekts fallen natürlich sofort ins Auge. Aber längst nicht alle Orgelpfeifen sind aus Metall gefertigt. Im Inneren des Gehäuses verbergen sich noch unzählige weitere Pfeifenfamilien (Register) aus Holz, die mit ihrer warmen Tongebung für weitere reizvolle Klangfarben sorgen. Den Orgelbauern war es von jeher wichtig, durch möglichst viele Klangfarben und Registrierungsmöglichkeiten der Vielfalt eines Orchesterklangs nahezukommen. In der Regel ist es so, dass eine bestimmte Klangfarbe (die so klangvolle Namen wie Rauschpfeife, Rohrpommer oder Hohlpfeife tragen) durch eine mehroktavige Pfeifenreihe abgedeckt wird. Dazu können aber noch sogenannte Aliquotstimmen hinzuregistriert werden, die nicht auf den angeschlagenen Ton, sondern auf den Oberstimmen erklingen und so die Klangfarbe verändern. Komponisten wie Jehan Alain und andere setzten diese Zusatztöne auch solistisch ein, um einen besonders sphärischen und irisierenden Sound zu erzeugen. Für die Vielfalt der Registrierungsmöglichkeiten ist heutzutage natürlich ein leistungsfähiges Computersystem zuständig, das zudem auch in der Lage ist, die Stärke des Luftstromes zu regulieren, mit dem die Orgelpfeifen zum Klingen gebracht werden. Aber auch mechanisch können spezielle, oft verwendete Registerkombinationen, abgerufen werden.

Unterhalb der Manuale befinden sich spezielle Knöpfe, die der Organist während des Spiels schnell anwählen kann. Sogar einen Tutti-Knopf findet man hier: Wird der gedrückt, ertönen alle 4.000 Pfeifen gleichzeitig – eine wahrhaft ohrenbetäubende Erfahrung, wie Eduard Wagner sogleich demonstriert.

Wer sich selbst ein Bild von dem prachtvollen Orgelklang in St. Peter verschaffen möchte, dem seien die sommerlichen Orgelkonzerte ans Herz gelegt, die nächstes Jahr im Sommer wieder stattfinden werden.

zurück